04 November 2011, 10:31
Türkei: Hagia Sophia von Nizäa als Moschee eröffnet
 
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Eine Kirche mit hohem Stellenwert in der Geschichte des Christentums, soll als Moschee genutzt werden. Bisher war das Gebäude ein Museum und Touristenattraktion.

Istanbul (kath.net/KNA) Die Hagia Sophia von Nizäa, Tagungsort des siebten Ökumenischen Konzils im Jahr 787, ist von den türkischen Behörden zur Moschee erklärt worden. Wie die türkische Presse am Donnerstag meldete, ertönte am Vorabend erstmals seit Ausrufung der Türkischen Republik 1923 der Gebetsruf des Muezzins. Das Minarett war zu osmanischer Zeit an die Kirche im heute türkischen Iznik angebaut worden; im vergangenen Jahr wurde es restauriert. Mit dem Feiertagsgebet zu Beginn des Opferfestes am Sonntagmorgen soll die frühere Kirche für islamische Gottesdienste freigegeben werden.

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Die Entscheidung des Stiftungsamtes als zuständiger Behörde löste eine heftige Debatte aus. So wies der Kunsthistoriker Selcuk Mülayim von der Marmara-Universität auf den Stellenwert des Bauwerkes in der Geschichte des Christentums hin und warnte, der Schritt werde Proteste aus aller Welt nach sich ziehen. Die Handelskammer von Iznik kritisierte den Schritt als völlig unverständlich; die Kleinstadt lebe vom Tourismus.

Umstritten ist auch, ob es dem Stiftungsamt zusteht, die bislang als Museum genutzte Kirche zur Moschee zu erklären. Das Amt erklärte dazu, das Gebäude sei von der Kommune zu Unrecht als Museum ausgewiesen gewesen; nach ihrer Aktenlage sei es nie als Museum genutzt worden. Vor dem in den vergangenen Jahren restaurierten Kirchenbau stand allerdings jahrelang ein Schild mit der Aufschrift «Museum»; ein Wärter kassierte Eintrittsgeld.

In der Hagia Sophia von Nizäa versammelten sich die Bischöfe des oströmischen Reiches im Jahr 787, um im byzantinischen Bilderstreit zu entscheiden und Heiligenbilder zur Verehrung freizugeben. Nizäa war auch Tagungsort des ersten Ökumenischen Konzils im Jahr 325. Der Palast, in dem jenes Konzil tagte, ist jedoch nicht erhalten.

Die Hagia Sophia wurde bei der Eroberung der Stadt durch die Osmanen 1331 zur Moschee umgewandelt, nach einem Brand von dem Architekten Mimar restauriert und beim Kampf um Bursa im türkischen Befreiungskrieg in den 1920er Jahren zerstört. Die Ruine wurde seit 2007 restauriert und zog vor allem christlichen Glaubenstourismus an.

(C) 2011 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.

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