28 Oktober 2011, 12:30
Verleger Klaus Gerth: Unser Verlagsprogramm ist klar christlich
 
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„Ich wurde für jeden Inhalt verantwortlich gemacht“. KATH.NET-Exklusiv-Interview - Von Petra Lorleberg

Berghausen (kath.net/pl) Knallharte Marktgesetze und christliche Unternehmensleitung? Kath.net sprach darüber jetzt mit Klaus Gerth, dem langjährigen Inhaber von Gerth Medien. Der gelernte Vollblutmanager war genau 33 Jahre (von 1975 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2008) auch der Geschäftsführer des aufblühenden Verlages gewesen. Als evangelischer Christ sagte er: Wir haben „ein klar ausgerichtetes, christliches, ethisches Programm.“ Denn „meine eigene Glaubensentscheidung war... so deutlich und so klar, da gab es kein Vertun. Damit war die Programmfrage immer geklärt, wir wussten, was wir zu machen hatten.“


kath.net: Herr Gerth, Sie sind gelernter Manager, Sie haben Betriebswirtschaft studiert und leben jetzt im Ruhestand. Anfangs hatten Sie im Management einer Kosmetikfirma gearbeitet, dann wechselten Sie – möchten Sie uns erzählen, wie das kam?

Klaus Gerth: Ja gut, da ist damals eine kleine Bombe geplatzt. Ich war bei Juvena, damals als 27-jähriger junger Mann, Marketingmanager und Prokurist, und das war ja was. Die Karriere war tatsächlich das, was mich ausmachte.

Meine Frau fing damals an, aus heiterem Himmel in der Bibel zu lesen, weil sie so das Leben doch etwas seicht fand. Sie war zuvor mit jemandem verheiratet, der dann gestorben ist, einem sehr berühmten Schauspieler, und da war natürlich eine gewisse Sinnkrise da.

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Mir ist das ein bisschen auf die Nerven gegangen: Jeden Tag in der Bibel lesen und solche Sachen, das war mir ein bisschen suspekt. Aber ich merkte, dass sich ihr Leben positiv veränderte, und das hat mich sehr beeindruckt.

Dann dachte ich: na ja, gut, wenn es gar nicht anders geht, dann versuch ich das halt auch mal. Und ich muss sagen, das hat mich derartig verändert, ich habe dann fast eine Explosion erlebt, in der ich etwas von „Neugeboren“ spürte, etwas, was sich völlig neu gedreht hatte. Ich ging dann zu meiner Frau und sagte: ich kann nicht mehr in der Kosmetik bleiben, und wenn ich jetzt was anderes mache, dann möchte ich lieber für die innere Schönheit arbeiten. Das war damals der Einstieg.

kath.net: Das war für Sie aber keine Karriere nach oben, sondern das war Karriere nach unten, richtig?

Klaus Gerth: Dieses Stichwort kam von meiner Frau. Als sie merkte, dass ich anfing, die Bibel zu lesen, sagte sie zu mir: Du hast nur deine Karriere im Kopf, du schaffst das nicht. Wenn du nicht anfängst, Karriere nach unten zu machen, wirst du es nicht hinbekommen.

Das war für mich natürlich ein schrecklicher Begriff, was sollte das denn heißen? Doch letztlich wusste ich, das heißt: Aufgeben dessen, was du da machst. Dazu muss man wissen, ich war von ganzem Herzen Kosmetikmann. Das war schon eine Riesenzäsur.

kath.net: Sie machten dies eigentlich um Jesu Christi willen?

Klaus Gerth: Ja, ausschließlich.

Ich bekam ein damals aktuelles christliches Buch in die Hand und ich dachte: Mein Gott, das macht jetzt ein Verleger, der Christ ist und trotzdem Gewinn machen will mit Büchern, die er gut verkauft. Ich schrieb ihm einen Brief, ich schrieb: Ich kann das nicht verstehen, wie man als Christ jetzt auch Geld machen kann und so weiter. Da hat der gar nicht groß geantwortet, sondern er hat sofort angerufen. Er sagte: Herr Gerth, ich muss Sie sofort kennenlernen. Ich dachte: Was ist denn jetzt los? Wir trafen uns dann und er sagte mir: Herr Gerth, wir sind am Ende. Ich brauche einen Geschäftsführer, der vielleicht noch mal die Wende hinkriegt. Er sagte nur: ‚Herr Gerth, wissen Sie, wenn Gott das will, dann machen wir das. Ich werde es nicht verstehen, denn Sie haben so eine tolle Karriere in der Kosmetik. Aber wenn Gott das will, werden wir sehen, was kommt.‘ - So fing es an.

Als ich kam, war es so, dass wir Umsatz gleich Verlust hatten und das Geschäft überhaupt nicht marschierte. Die Banken gaben uns angesichts der hohen Schulden noch ein halbes Jahr, aber mit der Bemerkung, dass wir uns keine Hoffnung machen sollten.

Für mich war der Einstieg schwierig. Ich war jemand, der von außen kam, den man auch nicht akzeptieren wollte. Denn was will einer, der aus der Kosmetik kommt, jetzt mit so einem christlichen Verlag?

Meine eigene Glaubensentscheidung war aber so deutlich und so klar, da gab es kein Vertun. Damit war die Programmfrage immer geklärt, wir wussten, was wir zu machen hatten. Natürlich gab es Grenzfragen, ich war ziemlich neu, ich musste mich reinfinden, aber es war ein klar ausgerichtetes, christliches, ethisches Programm.

Da, wo ich beruflich herkam, hatte man mir, wenn ich zu den Depots ging, den roten Teppich ausgerollt, man musste ja Geld bezahlen, um Juvena in den Laden zu bekommen, nun sagte man zu mir: Was wollen Sie eigentlich noch hier? Ihr Verlag geht nicht gut, Buchhandel in dieser christlichen Nische, das ist doch nicht richtig lebensfähig. Ich musste als erstes die drohende Insolvenz abwenden, es waren furchtbare Schulden da. Meine Hoffnung nährte sich damals aus dem Glauben. Ein christlicher Banker übernahm dann die Schulden auf die Bank, bei der er arbeitete und ab jenem Jahr haben wir bis heute keine Verluste mehr gemacht. Ich sag mal so: Das war ein Wunder.

kath.net: Das heißt also: Die Leitung eines christlichen Unternehmens hat für Sie wirklich mit Gott zu tun?

Klaus Gerth: Ich würde sagen: Fast ausschließlich. Es war immer alles von Gebet begleitet.

kath.net: Sie haben den Verlag dann geführt. Wie viele Angestellte hatten Sie in Spitzenzeiten?

Klaus Gerth: Wir hatten damals 40-50 Leute, in guten Zeiten hatten wir 80 Leute, wir hatten eine kleine Filiale in der Schweiz und auch in Frankreich. Ich meine, ich hätte in meiner gesamten Laufbahn niemandem gekündigt, wir konnten immer sozialverträglich die Dinge hinbekommen – gut, wir haben dann gebetet dafür: Herr, was ist dein Wunsch, dein Wille – wie kriegen wir das gut auf die Reihe? Ja, und das hat geklappt.

kath.net: Gab es Gewissensentscheidungen in Ihrer Zeit?

Klaus Gerth: Ja. Eine Gewissensentscheidung war z.B. wie die charismatische Welle auf uns zukam, was die katholische Kirche ja auch kennt. Meinem Gewissen folgend nahm ich nach einigem Hin und Her charismatische Bücher auf und kaufte auch einen charismatischen Verlag auf, Projektion J. Es war eine letztlich geistliche Entscheidung. Wir haben das gemacht, wir haben richtig gemacht und das hat sich dann auch bestätigt worden.

kath.net: Haben Sie Grundsätze in der Unternehmensführung?

Klaus Gerth: Wenn man unser wunderschönes Verlagsgebäude in Berghausen betritt, sieht man gleich links an der Wand unsere sieben Verlagsgrundsätze. Da geht es ganz klar darum, dass wir unser Verlagsprogramm ausschließlich christlich sehen.

kath.net: Ein Verlag soll Gewinn bringen. Es ist ja Christen nicht verboten, gewinnbringend zu arbeiten, oder wie stehen Sie dazu?

Klaus Gerth: Das war für mich immer eindeutig und das hat mich auch etwas verdächtig gemacht. Das ist für mich nicht befleckt oder irgendwo falsch einzusortieren. Sonst hätten wir gar nicht existieren können. Wir mussten Gewinne machen. Wir haben gut gewirtschaftet und die Gewinne, die da waren, die haben wir reinvestiert.

kath.net: Sie sind also bewährter und verdienter Geschäftsmann. Ich hatte Sie vorhin schon einmal gefragt, aber ich gebe zu, dass ich es sehr gerne höre, wenn Sie das beantworten: War Gott, war Ihr Herr Jesus Christus konkret ein Faktor, mit dem Sie gerechnet haben?

Klaus Gerth: Ja. Eindeutig. So ein Verlag, der so spezielle Dinge herausbringt… Ich erinnere mich an die Anfangszeit, als meine Frau und ich alle Bücher lasen, die wir herausbrachten, weil ich für JEDEN Inhalt verantwortlich gemacht wurde. Da kamen die Buchhändler oder wer auch immer und sagten: das hat er verkehrt gemacht. Das gibt es ja in keinem anderen Beruf. Man würde ja nicht einen Carel Halff dafür verantwortlich machen, was er bei Weltbild verlegt – und jetzt sag ich: oder doch? Also bei mir heißt es: oder doch!

Natürlich musste ich dafür gerade stehen, was wir machen. Für jeden einzelnen Artikel. Auch wenn ich dann zum Schluss – es ging gar nicht anders, wir haben dann zum Schluss 200 Bücher pro Jahr herausgebracht – nicht mehr jedes Buch gelesen haben konnte. Aber ich kannte den Inhalt eines jeden Buches.

kath.net: Das Management eines großen Verlages, war das für Sie ein Lebensweg, eine persönliche Berufung, war das IHR konkreter Weg der Nachfolge Jesu, Ihr Beitrag zum Reich Gottes, zur Kirche?

Klaus Gerth: Ich verrate ja fast schon ein paar Geheimnisse. Als ich dann eingestiegen bin, hatte der Vorbesitzer Hermann Schulte drei Söhne, alle in meinem Alter, alle studierte Betriebswirtschaftler oder ähnliches. Als er 1979 sehr krank wurde, sagte er zu mir: Klaus, ich möchte, dass du den Laden machst. Die Söhne hatte ich damals ausbezahlt, was schwer war, denn damals hatten wir kein Geld dafür, wir konnten uns das alles gar nicht leisten. Von daher war immer klar, dass es eine ausschließliche, persönliche Berufung war.

Ich darf Ihnen das ruhig mal so sagen: Ich habe mal einen Spaziergang mit meiner Frau gemacht, wo ich geheult habe wie ein kleiner Schlosshund und ihr gesagt habe, „Ich bin hier nicht richtig, soll ich lieber in die Kosmetik zurückgehen, das ist so schwer hier und ich schaff das nicht!“ All diese Dinge waren natürlich am Anfang da. Das wäre ohne eine total persönliche Berufung gar nicht gegangen.

Heute, im Rückblick, bleibt nur ein Wort übrig und das steht über allem: Dankbarkeit.

kath.net: Herr Gerth, ich möchte Ihnen sehr herzlich danken, dass Sie uns Einblick gewährt haben in Ihre Erfahrungen in der Leitung eines christlichen Unternehmens.

Foto Klaus Gerth: (c) Gerth Medien

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