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| ![]() Assisi 2 und Johannes Paul II.20. Oktober 2011 in Weltkirche, 5 Lesermeinungen Der Friede trägt den Namen Jesu Christi: Schaut auf das Kreuz, den Baum der Erlösung, der vom heilbringenden Blut Christi getränkt ist. Von Armin Schwibach Rom (kath.net/as) Im Oktober 1986 fand auf Veranlassung Papst Johannes Pauls II. das erste interreligiöse Treffen in Assisi statt. In Moskau regierte Michail Gorbatschow. Perestroika (Wende, Umbau) und Glasnost (Offenheit) waren die Hauptwörter der Reform, der der real existierende Sozialismus unterzogen werden sollte. Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika hieß Ronald Reagan. Noch standen sich auf der Welt zwei Blöcke gegenüber, auch wenn sich der Kalte Krieg seinem Ende zu nähern schien. Dennoch war die Gefahr eines neuen heißen und zerstörerischen Krieges nicht gebannt und im Vorfeld großer Umwälzungen vielleicht sogar größer als je zuvor. Das Treffen in Assisi sollte ein Zeichen für den lang ersehnten Frieden setzen, einen Frieden, dessen Verwirklichung wesentlich auch von den Weltreligionen getragen werden sollte. Vor zwei Dinge von höchster Wichtigkeit stellte der Papst am 27. Oktober 1986 die Welt und die Weltreligionen: Das erste ist der innere Imperativ des moralischen Gewissens, das uns einschärft, menschliches Leben zu achten, zu schützen und zu fördern vom Mutterleib an bis zum Totenbett, für einzelne Menschen und Völker, besonders aber für den Schwachen, den Notleidenden, den Verlassenen: der Imperativ, Selbstsucht, Gier und den Geist der Rache zu überwinden. Die zweite Gemeinsamkeit ist die Überzeugung, dass der Friede die menschlichen Kräfte weit übersteigt, besonders in der gegenwärtigen Lage der Welt, und dass deshalb seine Quelle und Verwirklichung in jener Wirklichkeit zu suchen ist, die über uns allen ist. Das ist der Grund, warum ein jeder von uns um Frieden betet. Sogar wenn wir denken, wie wir es auch tatsächlich tun, dass die Beziehung zwischen jener Wirklichkeit und dem Geschenk des Friedens entsprechend unserer jeweiligen religiösen Überzeugung verschieden ist, so bejahen wir doch alle, dass es solch eine Beziehung gibt. Das ist es, was wir ausdrücken, wenn wir darum beten. Johannes Paul II. ließ keine Zweifel: Ich wiederhole demütig hier meine eigene Überzeugung: Friede trägt den Namen Jesu Christi. Wenige Monate nach den Attentaten vom 11. September 2001, durch die die Welt anscheinend religiös zweigeteilt und die Rede vom Zusammenprall der Zivilisationen immer lauter wurde, dies verbunden mit dem Problem der Gewalt aus religiösen Gründen, wiederholte Johannes Paul II. die Geste von Assisi und berief für den 24. und 25. Januar 2002 ein neues interreligiöses Treffen in der Stadt des heiligen Franziskus ein. Das Treffen von 1986 hatte zu erheblichen Kritiken hinsichtlich seiner Organisation und Realisierung geführt. Der Vorwurf des Synkretismus und der Aufgabe der eigentlichen Sendung der Kirche war laut geworden, und dies nicht nur aus den Reihen sogenannter traditionalistischer Kreise. So erklärte Johannes Paul II., dass nun hinsichtlich des ersten Treffens das Ziel eines und das Anliegen das gleiche sei, aber: Wir werden in unterschiedlichen Formen beten und die religiösen Traditionen der anderen achten. Wir wollen der Welt zeigen, dass der aufrichtige Gebetsimpuls nicht zur Gegenüberstellung und noch weniger zur Verachtung des andern antreibt, sondern zum konstruktiven Dialog, in dem jeder, ohne in irgendeiner Weise dem Relativismus oder Synkretismus nachzugeben, sich noch stärker der Pflicht der Zeugenschaft und Verkündigung bewusst wird, so der Papst, der alle einlud, auf das Geheimnis des Kreuzes zu schauen, den Baum der Erlösung, der vom heilbringenden Blut Christi getränkt ist. Das Geheimnis des Kreuzes war kennzeichnend für das Leben des »Poverello«, der hl. Klara und so vieler anderer Heiligen und christlicher Märtyrer, so der Papst. Ihr Geheimnis war genau dieses Zeichen des Sieges der Liebe über den Hass, der Vergebung über die Rache, des Guten über das Böse. In ihren Fußstapfen sollen wir fortschreiten, damit der Friede Christi zum brennenden Wunsch für das Leben der Welt werde.
1.In einer Friedenswallfahrt sind wir nach Assisi gekommen. Als Vertreter der verschiedenen Religionen sind wir hier, um uns vor Gott zu prüfen im Hinblick auf unseren Einsatz für den Frieden. Zugleich wollen wir Ihn um das Geschenk des Friedens bitten und unsere gemeinsame Sehnsucht nach einer gerechteren und solidarischeren Welt bezeugen. Die Finsternis kann nicht mit Waffen aufgehellt werden; die Finsternis weicht, wenn Lichter angezündet werden. Haß wird nur durch Liebe besiegt, das betonte ich vor einigen Tagen vor dem beim Hl. Stuhl akkreditierten Diplomatischen Korps. 2. Wir haben uns hier in Assisi eingefunden, wo alles von einem einzigartigen Propheten des Friedens Zeugnis gibt, der Franziskus genannt wird. Er wird nicht nur von den Christen, sondern auch von vielen Andersgläubigen geliebt, von Menschen, die der Religion fernstehen, aber sich zu seinen Idealen der Gerechtigkeit, der Versöhnung und des Friedens bekennen. Der »Poverello« von Assisi lädt uns hier zunächst ein, Gott für alle seine Gaben zu danken. Wir loben Gott für die Schönheit des Kosmos und der Erde, des wunderbaren »Gartens«, den er dem Menschen anvertraut hat, damit er ihn bebaue und hüte (vgl. Gen 2, 15). Es ist gut, wenn die Menschen sich daran erinnern, daß sie sich in einem von Gott für sie geschaffenen »Gartenstück« des Weltalls befinden. Es ist wichtig, daß sie sich dessen bewußt sind, daß weder sie noch die Dinge, um die sie sich so sehr mühen, das »Ganze« sind. Nur Gott ist »das Ganze«, und am Ende muß jeder vor ihn hintreten und Rechenschaft ablegen. Wir loben Gott, den Schöpfer und Herrscher über das All, für das Geschenk des Lebens und besonders das des menschlichen Lebens, das einem geheimnisvollen Plan seiner Güte entsprechend auf der Erde entstanden ist. Das Leben in all seinen Formen ist in ganz besonderer Weise der Verantwortung der Menschen anvertraut. Jeden Tag stellen wir mit neuem Staunen die große Verschiedenheit fest, in der das menschliche Leben sich kundtut, angefangen von der weiblichen und männlichen Polarität bis hin zu einer Vielfalt von charakteristischen Gaben, die den einzelnen Kulturen und Traditionen eigen sind, die einen mannigfaltigen und vielfältigen Kosmos im Hinblick auf Sprache, Kultur und Kunst bilden. Diese Vielfältigkeit ist dazu berufen, sich zur Bereicherung und Freude aller durch die Gegenüberstellung und den Dialog zu ergänzen. Gott selbst hat dem Menschenherzen den instinktiven Antrieb, in Frieden und Harmonie zu leben, eingepflanzt. Dieser Wunsch sitzt tiefer und fester als irgendein Antrieb zu Gewalt. Und diesen Wunsch wollen wir hier in Assisi bekräftigen. Wir tun es in dem Bewußtsein, dem tiefsten Gefühl jedes Menschen Ausdruck zu verleihen. Im Lauf der Geschichte gab und gibt es Männer und Frauen, die sich gerade aufgrund ihres Glaubens als Zeugen des Friedens auszeichneten. Durch ihr Beispiel lehren sie uns, daß es möglich ist, zwischen den einzelnen und zwischen den Völkern Brücken zu bauen, um einander zu begegnen und zusammen den Weg des Friedens zu gehen. Wir wollen auf sie schauen und uns von ihnen inspirieren lassen für unseren Einsatz im Dienst an der Menschheit. Sie ermutigen uns in der Hoffnung, daß es auch in dem soeben begonnenen neuen Jahrtausend nicht an Männern und Frauen des Friedens fehlen wird, die imstande sind, das Licht der Liebe und der Hoffnung in die Welt auszustrahlen. 3. Der Friede! Die Menschheit braucht immer den Frieden, aber heute braucht sie ihn mehr denn je, das heißt nach den tragischen Ereignissen, die ihr Vertrauen erschüttert haben und die Welt durch die fortdauernden Brandherde und leidvollen Konflikte in Angst versetzen. In der Botschaft vom 1. Januar des Jahres habe ich besonders zwei »Stützpfeiler« hervorgehoben, auf denen der Frieden gründet: den Einsatz für die Gerechtigkeit und die Bereitschaft zur Vergebung. An erster Stelle die Gerechtigkeit, denn es gibt keinen wahren Frieden ohne die Achtung der Würde der Personen und der Völker, der Rechte und der Pflichten eines jeden und der gleichen Verteilung von Wohltaten und Lasten zwischen den einzelnen und der Gesamtheit. Nicht zu vergessen ist, daß den Akten von Gewalt und Terrorismus oft Situationen von Unterdrückung und Ausgrenzung zugrunde liegen. Und dann auch die Vergebung, weil die menschliche Gerechtigkeit der Brüchigkeit und den Grenzen der Egoismen von Einzelpersonen und Gruppen ausgesetzt ist. Nur die Vergebung heilt die Wunden der Herzen und stellt die gestörten menschlichen Beziehungen im Innern wieder her. Erforderlich sind Demut und Starkmut, um in dieser Richtung fortzuschreiten. Der Kontext der heutigen Begegnung, das heißt des Dialogs mit Gott, bietet uns die Gelegenheit, zu bekräftigen, daß wir in Gott die herausragende Vereinigung der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit finden. Er ist sich selbst und dem Menschen in höchstem Maß treu, auch wenn sich der Mensch von Ihm entfernt. Die Religionen dienen deshalb dem Frieden. Sie und vor allem ihre Führer haben die Aufgabe, in den Menschen unserer Zeit ein neues Bewußtsein zu wecken hinsichtlich der Dringlichkeit, den Frieden aufzubauen. 4. Das haben die Teilnehmer der Interreligiösen Konferenz anerkannt, die im Oktober 1999 im Vatikan stattfand; sie bekräftigten, daß die religiösen Traditionen die notwendigen Fähigkeiten besitzen, um die Spaltungen zu überwinden und die gegenseitige Freundschaft und Achtung unter den Völkern zu fördern. Bei dieser Gelegenheit wurde auch anerkannt, daß die tragischen Konflikte oft aus der unrechten Verbindung der Religion mit nationalistischen, politischen, wirtschaftlichen oder anderen Interessen erwachsen. Wir, die hier versammelt sind, bekräftigen noch einmal, daß derjenige, der die Religion dazu benützt, um die Gewalt zu schüren, ihrem eigentlichen inneren Antrieb widerspricht. Darum ist es Pflicht, daß die Personen und religiösen Gemeinschaften der Gewalt, jeder Form von Gewalt, eine ganz klare und radikale Absage erteilen, angefangen von der Gewalt, die den Anspruch erhebt, sich als Religiosität zu bemänteln, indem sie sogar den heiligen Namen Gottes anruft, um den Menschen zu beleidigen. Die Beleidigung des Menschen ist letztlich eine Beleidigung Gottes. Niemals kann eine religiöse Zielsetzung die Gewaltanwendung des Menschen gegen den Menschen rechtfertigen. 5. Jetzt wende ich mich in besonderer Weise an euch Christen, Brüder und Schwestern. Unser Lehrer und Herr Jesus Christus beruft uns dazu, Apostel des Friedens zu sein. Er hat sich die goldene Weisheit der Alten zu eigen gemacht: »Alles was ihr von anderen erwartet, das tut auch ihnen!« (Mt 7, 12; vgl. Lk 6, 31), und das Gebot Gottes an Mose: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (vgl. Lev 19, 18; Mt 22, 39 und Parallelstellen), indem er sie in dem neuen Gebot zur Vollendung führte: »Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben« (Joh 13, 34). Durch den Tod auf Golgota hat er in sein Fleisch die Wundmale des göttlichen Leidens für die Menschheit eingedrückt. Als Zeuge des Liebesplans des himmlischen Vaters ist er »unser Friede. Er vereinigte die beiden Teile und riß durch sein Sterben die trennende Wand der Feindschaft nieder« (Eph 2, 14). Mit Franziskus, dem Heiligen, der die milde Luft dieser hügeligen Landschaft geatmet und dieses Gebiet durchquert hat, schauen wir auf das Geheimnis des Kreuzes, den Baum der Erlösung, der vom heilbringenden Blut Christi getränkt ist. Das Geheimnis des Kreuzes war kennzeichnend für das Leben des »Poverello«, der hl. Klara und so vieler anderer Heiligen und christlicher Märtyrer. Ihr Geheimnis war genau dieses Zeichen des Sieges der Liebe über den Haß, der Vergebung über die Rache, des Guten über das Böse. In ihren Fußstapfen sollen wir fortschreiten, damit der Friede Christi zum brennenden Wunsch für das Leben der Welt werde. 6. Wenn der Friede ein Geschenk Gottes ist und in ihm seinen Ursprung hat, wo könnten wir ihn suchen, und wie könnten wir ihn bauen, wenn nicht in einer engen und tiefen Beziehung zu Ihm? Den Frieden in der Ordnung, Gerechtigkeit und Freiheit aufzubauen, erfordert deshalb an erster Stelle das Bemühen des Gebets, das Offenheit, Hören, Dialog und zuletzt Vereinigung mit Gott ist, dem eigentlichen Ursprung des wahren Friedens. Beten heißt nicht, vor der Geschichte und den Fragen, die sie aufwirft, zu fliehen. Im Gegenteil, es bedeutet die Entscheidung, die Wirklichkeit nicht allein, sondern mit der Kraft, die von oben kommt, mit der Kraft der Wahrheit und der Liebe, anzugehen, deren ursprüngliche Quelle in Gott ist. Der religiöse Mensch weiß, daß er angesichts der Nachstellungen des Bösen auf Gott, den absoluten Willen zum Guten, zählen kann; er weiß, daß er Ihn um den Starkmut bitten kann, die Schwierigkeiten zu überwinden, auch die härtesten, mit persönlicher Verantwortlichkeit und ohne in Fatalismus oder impulsive Reaktionen zu fallen. 7. Brüder und Schwestern, die ihr aus so vielen Teilen der Welt hierhergekommen seid! In Kürze begeben wir uns an die vorbereiteten Plätze, um von Gott das Geschenk des Friedens für die ganze Menschheit zu erflehen. Bitten wir, daß es uns gegeben sei, den Weg des Friedens, der rechten Beziehungen zu Gott und zwischen uns zu erkennen. Bitten wir Gott, unsere Herzen zu öffnen für die Wahrheit über Ihn und über den Menschen. Das Ziel ist eines, und das Anliegen ist das gleiche, aber wir werden in unterschiedlichen Formen beten und die religiösen Traditionen der anderen achten. Auch das ist im Grunde genommen eine Botschaft: Wir wollen der Welt zeigen, daß der aufrichtige Gebetsimpuls nicht zur Gegenüberstellung und noch weniger zur Verachtung des andern antreibt, sondern zum konstruktiven Dialog, in dem jeder, ohne in irgendeiner Weise dem Relativismus oder Synkretismus nachzugeben, sich noch stärker der Pflicht der Zeugenschaft und Verkündigung bewußt wird. Es ist Zeit, diese Versuchungen zur Anfeindung, an denen es auch in der Religionsgeschichte der Menschheit nicht gefehlt hat, entschlossen zu überwinden. Wenn sie sich auf die Religion berufen, zeigen sie in Wirklichkeit eine sehr unreife Seite von ihr. Denn das ehrliche religiöse Empfinden leitet dazu an, in irgendeiner Weise das Geheimnis Gottes zu spüren, jenes Ursprungs der Güte, und das ist eine Quelle der Achtung und des Verstehens zwischen den Völkern: genau darin liegt das wichtigste Gegenmittel gegen Gewalt und Konflikte (vgl. Botschaft, Nr. 14). Und Assisi wird heute wie am 27. Oktober 1986 wieder das »Herz« einer zahllosen Schar, die um den Frieden bittet. Mit uns vereinigen sich viele Menschen, die seit gestern bis heute abend in Gotteshäusern, zu Hause, in den Gemeinschaften, in der ganzen Welt für den Frieden beten. Es sind alte Menschen, Kinder, Erwachsene und Jugendliche: ein Volk, das nicht müde wird, an die Kraft des Gebets zu glauben, um den Frieden zu erlangen. Der Friede soll vor allem in den Herzen der jungen Generationen wohnen. Jugend des dritten Jahrtausends, junge Christen, Jugend aller Religionen, ich bitte euch, wie Franz von Assisi fügsame und mutige »Wächter« des wahren Friedens zu sein, der auf der Gerechtigkeit und Vergebung, auf der Wahrheit und Barmherzigkeit gründet! Schreitet der Zukunft entgegen, und haltet die Fackel des Friedens hoch. Die Welt verlangt nach diesem Licht! Foto: (c) kath.net/Armin Schwibach Ihnen hat der Artikel gefallen? 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