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Hormonelle Verhütung erhöht HIV-Risiko

5. Oktober 2011 in Chronik, 5 Lesermeinungen
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Spiegel Online über eine neue US-Studie: Verhütende Frauen stecken ihre gesunden Partner häufiger an und werden, als Gesunde, auch häufiger von ihren HIV-positiven Partnern angesteckt.


Hamburg (kath.net) Wenn Frauen hormonelle Verhütungsmittel verwenden, verdoppelt dies die Ansteckungsgefahr mit dem HIV-Virus in zweifacher Hinsicht: Ist sie selbst gesund, ihr Partner aber HIV-positiv, wird sie selbst häufiger mit dem HIV-Virus angesteckt. Ist sie selbst HIV-positiv, ist die Gefahr dann größer, dass sie ihren gesunden Partner ansteckt. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Untersuchung aus den USA, von der die Wissenschaftsredaktion des Spiegel Online berichtet.

Die Gründe dafür sind nicht gänzlich geklärt. Dass Sexualverkehr bei Einnahme von Verhütungsmitteln häufiger "ungeschützt" stattfinde, sei von den Forschern bereits statistisch berücksichtigt worden, sagte Anja Potthoff vom Kompetenznet HIV/Aids. Dies fällt als einziger Grund also weg.


In Abstrichen von Frauen, die Kontrazeptiva nahmen, wurden „höhere Spiegel von HIV-RNA gemessen“, erklärt Potthoff. "Eine wissenschaftliche Erklärung für diesen Effekt gibt es bisher nicht."

Die Forscher um Renee Heffron nennen als möglichen Grund, dass Kontrazeptiva das weibliche Gewebe verändern und die Zahl und Aktivität von Botenstoffen und Viren des Gewebes erhöhen könnten.

Wissenschaftler um die Epidemiologin Renee Heffron von der University of Washington in Seattle haben 3790 Paare aus südlichen afrikanischen Ländern (Botswana, Kenia, Ruanda, Südafrika, Tansania, Uganda und Simbabwe) untersucht. Bei 1314 Paaren war die Frau HIV-negativ und der Mann HIV-positiv, bei den übrigen Paaren war es umgekehrt. Elf Prozent der Frauen verhüteten (zumindest auch) hormonell.

Gemessen wurden Neuinfizierungen pro 100 Personenjahren: „Personenjahre“ sind die Summe der Beobachtungszeit aller Probanden. „100 Personenjahre“ kann also bedeuten, dass 100 Personen ein Jahr lang beobachtet werden.

Pro 100 Personenjahren, also bei 100 Personen innerhalb eines Jahres, steckten sich 6,6 gesunde, hormonell verhütende Frauen neu mit HIV an, aber nur 3,78 der Frauen, die keine Hormone einnahmen.

Ebenso steckten sich pro 100 Personenjahren 2,61 gesunde Männer bei ihrer HIV-positiven Frau an, wenn diese Hormone einnahm. Tat sie das nicht, steckten sich nur 1,51 gesunde Männer neu an.

Die Forscher haben ihre Ergebnisse im Fachblatt "Lancet Infectious Diseases" veröffentlicht. Insgesamt verhüten etwa sechs Prozent der 15- bis 49-Jährigen aus den südlichen Ländern Afrikas, das sind rund 12 Millionen Frauen, mit Hormonpräparaten.

"Wenn es sich tatsächlich herausstellt, dass diese Verhütungsmittel dabei helfen, die Aids-Epidemie weiterzuverbreiten, haben wir es mit einer echten Gesundheitskrise zu tun", sagte Isobel Coleman vom Think Thank Council on Foreign Relations zur "New York Times".



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