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03 Oktober 2011, 09:11
Es gab kein Entrinnen aus diesem deutschen Sonderweg

Offizieller liturgischer Missbrauch während der Papstmesse in Freiburg? - Ein Gastkommentar von Valérie van Nes
München (kath.net)
Nur wenige Meter entfernt fuhr das Papamobil an uns vorüber – diese Sekunden brannten sich in meine Seele ein: ich war ganz geblendet von der Schönheit des weißen, weichen Gewandes, in das der Heilige Vater gehüllt war. Dieses wunderschöne Gewand verwandelte meinen Hirten in einen unbeschreiblich edlen, feinen König. So und noch schöner muss es wohl bei der Verklärung Jesu auf dem Berg Tabor gewesen sein: so rein, so weiß, so heilig.

Abends konnte ich bei dem Gedanken an dieses wundersam weiße Gewand und die Schönheit des Heiligen Vaters gar nicht einschlafen. In dieser Nacht wurde mir bewusst, dass die Treue zum Papst die Gretchenfrage darstellt, weil der Nachfolger Petri der Stellvertreter Christi auf Erden ist: Wer den Heiligen Vater verleugnet, verleugnet Christus selbst, wer ihn verleumdet, verleumdet den Herrn persönlich. Am nächsten Tag, am Sonntag, freute ich mich sehr, dass mit uns so viele Priester und Ordensleute auf den Beginn der Papstmesse warteten – unzählige Gottgeweihte saßen in den Reihen der einfachen Gläubigen.

Während der Gabenbereitung sah ich, dass plötzlich viele Ministranten und Laien nach hinten gingen. Was hatten die vor? Wohin gingen sie? Sicher würden diese Laien keine Kommunion austeilen – bei der großen Zahl der anwesenden Priester; allein bei uns saßen im Umkreis von rund 5 Metern drei Priester. Da stach mir in diesem nach hinten strömenden Menschenstroms eine Person ins Auge. Von weitem konnte ich zunächst anhand der raspelkurzen Frisur, der Körperhaltung und des breitbeinigen Schrittes nicht gleich erkennen, ob die Gestalt männlich oder weiblich war. Beim Näherkommen befremdete mich das Grinsen dieser Frau und dieser seltsame Blick. Offensichtlich genoss sie es sehr, majestätisch durch den für das normale Volk abgesperrten Gang zu schreiten.

War war diese Person?

Sie trug ein anscheinend liturgisches Gewand aus groben, hellgrauem Leinen, auf das asymmetrisch ein breites, grünes Band aufgenäht war. Von vorne wirkte das wie eine einseitig abgeschnittene Stola, von der Seite sah es aus, als ob ein falscher Priester mit schmutzigem Gewand vorbeischritt. Als ich diese Person sah, wurde ich von Ekel und Abscheu ergriffen – wie roh, derb und unrein wirkte das im Vergleich mit dem wundervoll schönen, weißen Gewand des Heiligen Vaters.

Ich kannte zwar bereits den Punkt 153 aus der Instruktion redemptionis sacramentum: „Außerdem ist es Laien nicht erlaubt, Aufgaben oder Gewänder des Diakons oder Priester oder anderen diesen ähnliche Gewänder zu übernehmen.“

Jeder unbedarfte Fremdling hätte beim Anblick dieser Gestalt darauf schließen müssen, dass bei Papstmessen selbstverständlich auch weibliche Priesterinnen zum Einsatz kommen. Diese Frau beging also mit geradezu aufreizender Gelassenheit liturgischen Missbrauch.

Aber ich konnte mir trotzdem nicht vorstellen, dass diese überhebliche Frau oder die anderen Laien, die da frohgemut nach hinten spazierten, tatsächlich außerordentliche Spender der Kommunion sein, also dem Heiligen Vater derart eklatant ungehorsam werden würden, noch dazu ganz offiziell in einer Papstmesse, die weltweit übertragen wurde.

Denn nach Nr. 154 sind „aufgrund der heiligen Weihe Bischof, Priester und Diakon die ordentlichen Spender der heiligen Kommunion, denen es deshalb zukommt, bei der Feier der Heiligen Messe den christgläubigen Laien die Kommunion auszuteilen.“ Und in Punkt 157 steht: „Wenn gewöhnlich eine Anzahl geistlicher Amtsträger anwesend ist, die auch für die Austeilung der heiligen Kommunion ausreicht, können keine außerordentlichen Spender der heiligen Kommunion beauftragt werden. In Situationen dieser Art dürfen jene, die zu einem solchen Dienst beauftragt worden sind, ihn nicht ausüben.“

Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass diese Laien unter den Augen der Weltöffentlichkeit in Anwesenheit des Heiligen Vaters einen solchen Affront wagen würden. Der Affront ließ nicht lange auf sich warten.

Plötzlich waren wir umzingelt von einer Armada kurzhaariger Frauen in Hosenanzügen. Die Reihen dicht geschlossen standen sie als außerordentliche Kommunionsspenderinnen vor den Absperrungen. Es gab offensichtlich kein Entrinnen – auch nicht für die vielen Priester, die um uns standen.

„Herr!“, betete ich, „wenn es denn sein muss, dass ich hier nicht herauskomme, dann werde ich aber vor diesen Schismatikern nicht in die Knie gehen. Als Zeichen der Ehrfurcht vor Dir mache ich vorher und nachher eine Kniebeuge. Aber niemals werde ich beim Kommunionsempfang meine Knie beugen vor einer Person, die den heiligen Vater so dreist brüskiert und Dich derart schändlich beleidigt!“
Ich versuchte alles, mit meinen kleinen Kindern aus diesem Block B3 heraus zu kommen. Aber es gab kein Entrinnen aus diesem deutschen Sonderweg: die Frauen mit ihren seltsam verhärmten Gesichtern standen dicht an dicht in Reih und Glied.

„Herr! Bitte lass nicht zu, dass diese Schismatikerhände meine Kinder segnen!“ In diesem Augenblick sah ich eine junge Ordnerin. Ich stürmte auf sie zu und fragte sie: „Bitte, bitte, ich möchte, dass ein Priester meine Kinder segnet. Wo gibt es einen Priester, der die Kommunion austeilt?“ Die junge Ordnerin antwortete ein bisschen unsicher: „Ich weiß es leider auch nicht. Eine andere Frau hat auch schon nach einem Priester gefragt. Sie müssen selbst einen suchen.“ Und freundlich machte mir diese liebe junge Dame Platz, damit ich durch die Absperrung konnte. Die Bresche war geschlagen!!! Sofort stürmte unsere Familie heraus.

Eine Gruppe auffällig hübscher junger Ordensschwestern kam uns auf dem Gang zwischen den Blöcken entgegen. Ich fragte: „Könnten Sie mir bitte sagen, wo es einen Priester gibt, der die Heilige Kommunion spendet?“ „Ja einen solchen suchen wir auch“, antworten sie, „bei uns im Block gibt es nur außerordentliche Kommunionshelfer.“ Suchend blickten wir uns alle um. Weit und breit nur Frauen in Hosenanzügen.
Da stolperte ich beim Rückwärtsgehen gegen einen Priester: „Wenn nicht Sie die Kommunion austeilen, wissen Sie denn wenigstens, wo es einen Priester gibt?“ Freundlich wies er in eine Richtung: „Dort, da gibt es wenigstens einen Diakon.“ So gingen wir in diese Richtung – eine riesig lange Menschenschlange stand dort an.

Eine junge dunkelhäutige Ordensschwestern winkte uns plötzlich freudig: „Ein Priester! Ein Priester!“ Wir folgten ihr eilig. Plötzlich begann sie zu rennen – offensichtlich war der Priester gerade am Verschwinden. Der Priester: in persona christi capitis.

Es war ein erhebendes Erlebnis, der jungen Ordensschwester zu folgen, die anmutig zwischen den Menschen und am Boden liegenden Hindernissen hin und her sprang wie ein kleines Mädchen. Tatsächlich, da, neben den Klohäuschen, dort stand ein Priester, in persona christi capitis. Sofort warfen wir uns alle vor ihm auf die Knie und empfingen dankbar das allerheiligste Altarsakrament. Die afrikanische Ordensschwester sah offensichtlich, wie erschöpft meine sechsjährige Tochter war: zuerst der kilometerlange Fußmarsch zu diesem Flugplatz-Feld (warum waren vom verantwortlichen Ordinariat Shuttle-Busse offensichtlich für unnötig befunden worden?) – dann der rasante Lauf auf der Suche nach dem Priester.

Die Ordensschwester legte ihren Arm um meine Tochter und führte sie aus dem Gedränge heraus, während meine Tochter ihren Kopf vertraut an die Seite dieser doch eigentlich ihr völlig fremden Ordensschwester legte. Das bewirkten also die Impulse deutscher Reformpraxis an die Weltkirche: Erbarmen mit den von selbstherrlichen Schismatikern so schmählich Unterdrückten.

Beim Zurückgehen in unseren Block sah ich einen jugendlichen Ministranten, einen mächtigen Hünen. Vor ihm stand eine Frau mit dunkelrot gefärbter Kurzhaarfrisur und Leopardenanzug. Sie stand auf den Zehenspitzen und reckte sich in die Höhe, um diesem jungen Mann die Mundkommunion zu reichen. Es wirkte abstoßend grotesk, aber dann war ich voll Bewunderung, als sich mein Blick mit dem dieses jungen Mannes kreuzte. In diesem Moment wusste ich, dass dieser Hüne mit dem schönen reinen Blick die Handkommunion ganz bewusst verweigert hatte.

In unserem Block war bei unserer Rückkehr die Kommunionsspendung bereits beendet. Deswegen weiß ich nicht, ob wirklich geschah, was ich mir mit Grausen vorstellte: dass die Priester in unserem Block von einer außerordentlichen Kommunionsspenderin die Kommunion empfangen mussten.

Der Rückblick: Wenn ich an diese Papstmesse zurückdenke, fühle ich mich angewidert, weil ich vor meinem inneren Auge immer wieder all diese Schismatikerinnen sehe, besonders aber diese eine Frau in ihrem schmutzigem Gewand mit aufgenähter abgeschnittener Stola. Ihren triumphierenden Gang, ihren höhnisch lächelnden Blick, der Ausdruck ihrer Vorfreude war, den Heiligen Vater vor vollendete Tatsachen zu stellen – ganz offensichtlich mit Beauftragung des Ortsbischofs: „Wenn es ferner echte Notsituationen erfordern, kann nach Maßgabe des Rechts vom Diözesanbischof auch ein anderer christgläubiger Laie ad actum oder ad tempus als außerordentlicher Spender beauftragt werden.“ (Instruktion Redemptionis sacramentum Nr. 155) Wo war hier, in Anbetracht tausender anwesender Priester und Diakone, eine solche „Notsituation“?

Doch blicke ich voller Hoffnung auf die Weltkirche, die, symbolisiert in der lieben dunkelhäutigen Ordensschwester, uns in unserer „echten Notsituation“ voll Erbarmen zur Seite stand. Wenn ich aber an den Heiligen Vater denke und ihn in seinem so wunderschön weichen, weißen reinen Gewand vor mir sehe, werde ich von tiefer Freude und Liebe erfüllt, da ich jetzt weiß, dass die strahlende Schönheit, Reinheit und Heiligkeit meines Heilands bei seiner Wiederkunft alle meine Vorstellungen übertreffen wird.

Zitate aus Redemptionis sacramentum:

157. Wenn gewöhnlich eine Anzahl geistlicher Amtsträger anwesend ist, die auch für die Austeilung der heiligen Kommunion ausreicht, können keine außerordentlichen Spender der heiligen Kommunion beauftragt werden. In Situationen dieser Art dürfen jene, die zu einem solchen Dienst beauftragt worden sind, ihn nicht ausüben. Zu verwerfen ist das Verhalten jener Priester, die an der Zelebration teilnehmen, sich aber nicht an der Kommunionausteilung beteiligen und diese Aufgabe den Laien überlassen.[258]

158. Der außerordentliche Spender der heiligen Kommunion darf die Kommunion nur dann austeilen, wenn Priester oder Diakon fehlen, wenn der Priester durch Krankheit, wegen fortgeschrittenen Alters oder aus einem anderen ernsten Grund verhindert ist, oder wenn die Gläubigen, die zur Kommunion hinzutreten, so zahlreich sind, daß sich die Meßfeier allzusehr in die Länge ziehen würde.[259] Dies muß aber so verstanden werden, daß eine gemäß den örtlichen Gewohnheiten und Bräuchen kurze Verlängerung ein völlig unzureichender Grund ist.







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Valérie van Nes ist Hausfrau und Mutter und lebt in München.