25 September 2011, 19:14
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Papst Benedikt beendet Deutschlandbesuch und hinterlässt ein großes Erbe mit vielen großen Reden - Die Abschiedsrede im Wortlaut + Abschied als VIDEO

Freiburg-Lahr (kath.net/KNA) Nach vier Tagen Deutschlandreise ist Papst Benedikt XVI. wieder in Richtung Rom aufgebrochen. Die Papst-Maschine der Lufthansa hob am Sonntagabend vom ehemaligen Militärflughafen Lahr ab.

Zuvor dankte das Kirchenoberhaupt im Beisein von Bundespräsident Christian Wulff den Verantwortlichen von Staat und Kirche für die freundliche Aufnahme in der Bundesrepublik. Die katholische Kirche in der Bundesrepublik ermutigte er, «mit Kraft und Zuversicht den Weg des Glaubens weiterzugehen, der Menschen dazu führt, zu den Wurzeln, zum wesentlichen Kern der Frohbotschaft Christi zurückzukehren». Wulff und der Papst waren zuvor noch zu einem kurzen Vier-Augen-Gespräch zusammengetroffen.

Der Bundespräsident zeigte sich dankbar für den Papstbesuch, der den Bundesbürgern bewegende Momente gebracht habe, etwa den Gottesdienst im Berliner Olympiastadion oder die Vesper im thüringischen Eichsfeld mit jeweils mehreren Zehntausend Gläubigen. Er verwies auch auf die Bundestagsrede, in der der Papst deutlich gemacht habe, dass Recht nicht nur durch Mehrheit gesetzt werden könne, sondern aus tieferen Quellen schöpfe.

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Er sei gespannt auf den nächsten Katholikentag 2012 in Mannheim, sagte Wulff, der selber Katholik ist. Der Papst habe deutlich gemacht, dass jeder Katholik Kirche sei und die Kirche verändern könne. Deshalb sei das Motto des Katholikentags «Einen neuen Aufbruch wagen» wichtig.

Benedikt XVI. zeigte sich überzeugt, dass es künftig in der Kirche Deutschlands mehr «kleine Gemeinschaften von Glaubenden» geben werde, die «in die pluralistische Gesellschaft mit ihrer Begeisterung hineinstrahlen und andere neugierig machen, nach dem Licht zu suchen, das Leben in Fülle schenkt». In diesen Gemeinschaften sieht Benedikt XVI. ein wesentlichen Mittel der Neuevangelisierung in Europa.

Der Papst erinnerte an die zentralen Ereignisse seiner Reise, die ihn nach Berlin, Erfurt und Freiburg geführt hatte. «In der Bundeshauptstadt Berlin hatte ich die besondere Gelegenheit, vor den Abgeordneten des deutschen Bundestags zu sprechen und ihnen Gedanken über die geistigen Fundamente des Staates vorzutragen.» Die Gespräche mit Bundespräsident und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über die augenblickliche Situation des deutschen Volkes und der Völkergemeinschaft seien fruchtbar gewesen. «Besonders berührt haben mich die freundliche Aufnahme und die große Begeisterung so vieler Menschen in Berlin», sagte er.

Mit Blick auf die Begegnung mit den Repräsentanten der evangelischen Kirche in Deutschland äußerte der Papst seine Dankbarkeit «für den brüderlichen Austausch und das gemeinsame Gebet». Wichtig sei aber auch das Zusammentreffen mit orthodoxen und orientalischen Christen sowie mit Juden und Muslimen gewesen.

Der Papst kehrt mit dem Lufthansa Airbus A321 «Regensburg» nach Rom zurück. Das Flugzeug wird dabei wieder das päpstliche Wappen neben der Tür tragen. Der Sonderflug startete um 19.15 Uhr mit rund 100 Fluggästen nach Rom-Ciampino. An Bord waren neben dem Papst, einer Gruppe von Kardinälen, seinen Sekretären und einer vatikanischen Delegation auch 70 Medienvertreter aus aller Welt.

Die Abschiedsrede:

Verehrte Vertreter des Bundes,

des Landes Baden-Württemberg und der Gemeinden!

Liebe Mitbrüder im Bischofsamt!

Meine sehr geehrten Damen und Herren!

Bevor ich nun Deutschland verlasse, drängt es mich, Dank zu sagen für die vergangenen erlebnisreichen und bewegenden Tage in der Heimat.

Mein Dank gilt Ihnen, Herr Bundespräsident Wulff, der Sie mich in Berlin im Namen des deutschen Volkes empfangen und jetzt zum Abschied erneut durch Ihre freundlichen Worte geehrt haben. Ich danke den Vertretern der Bundes- und der Landesregierung, die zur Verabschiedung gekommen sind. Einen herzlichen Dank sage ich ebenfalls Erzbischof Zollitsch von Freiburg, der mich während der ganzen Reise begleitete. Gern schließe ich auch Erzbischof Woelki von Berlin und Bischof Wanke von Erfurt in meinen Dank ein, die mir ebenfalls ihre Gastfreundschaft gezeigt haben, sowie dem gesamten deutschen Episkopat. Besonderer Dank gilt schließlich den vielen, die diese vier Tage im Hintergrund vorbereitet und für deren reibungslosen Ablauf Sorge getragen haben: den kommunalen Einrichtungen, den Sicherheitskräften, dem ärztlichen Dienst, den Verantwortlichen für die öffentlichen Verkehrsmittel wie auch den zahlreichen freiwilligen Helfern. Allen Menschen danke ich für die eindrucksvolle Zeit und für die vielfältigen persönlichen Begegnungen sowie für die unzähligen Aufmerksamkeiten und Zeichen der Verbundenheit, die mir erwiesen wurden.

In der Bundeshauptstadt Berlin hatte ich die besondere Gelegenheit, vor den Abgeordneten des deutschen Bundestags zu sprechen und ihnen Gedanken über die geistigen Fundamente des Staates vorzutragen. Gerne denke ich auch an die fruchtbaren Gespräche mit dem Bundespräsidenten und der Bundeskanzlerin über die augenblickliche Situation des deutschen Volkes und der Völkergemeinschaft zurück. Besonders berührt haben mich die freundliche Aufnahme und die große Begeisterung so vieler Menschen in Berlin.

Im Land der Reformation bildete naturgemäß die Ökumene einen Schwerpunkt der Reise. Hier möchte ich die Begegnung mit den Vertretern der Evangelischen Kirche in Deutschland im Augustinerkloster in Erfurt hervorheben. Für den brüderlichen Austausch und das gemeinsame Gebet bin ich von Herzen dankbar. Bedeutungsvoll war aber auch das Zusammentreffen mit orthodoxen und orientalischen Christen sowie mit Juden und Muslimen.

Dieser Besuch galt natürlich besonders den Katholiken in Berlin, in Erfurt, im Eichsfeld und in Freiburg. Gerne erinnere ich mich an die gemeinsamen Gottesdienste, an die Freude, an das gemeinsame Hören des Wortes Gottes und das vereinte Beten – vor allem auch in den Teilen des Landes, in denen über Jahrzehnte hinweg versucht wurde, Religion aus dem Leben der Menschen zu drängen. Dies stimmt mich zuversichtlich für die Zukunft des Christentums in Deutschland. Wie schon bei den früheren Besuchen war erfahrbar, wie viele Menschen hier ihren Glauben bezeugen und seine gestaltende Kraft in der heutigen Welt gegenwärtig werden lassen.

Nicht zuletzt habe ich mich sehr gefreut, nach dem eindrucksvollen Weltjugendtag in Madrid auch in Freiburg bei der gestrigen Jugendvigil wieder mit vielen jungen Menschen zusammen zu sein.

Ich ermutige die Kirche in Deutschland, mit Kraft und Zuversicht den Weg des Glaubens weiterzugehen, der Menschen dazu führt, zu den Wurzeln, zum wesentlichen Kern der Frohbotschaft Christi zurückzukehren. Es wird kleine Gemeinschaften von Glaubenden geben – und es gibt sie schon –, die in die pluralistische Gesellschaft mit ihrer Begeisterung hineinstrahlen und andere neugierig machen, nach dem Licht zu suchen, das Leben in Fülle schenkt. „Es gibt nichts Schöneres, als Christus zu kennen und den anderen die Freundschaft mit ihm zu schenken“ (Predigt zur Amtseinführung, 24. April 2005). Aus dieser Erfahrung wächst schließlich die Gewissheit: „Wo Gott ist, da ist Zukunft!“ Wo Gott zugegen ist, da ist Hoffnung und da eröffnen sich neue, oft ungeahnte Perspektiven, die über den Tag und das nur Kurzlebige hinausreichen. In diesem Sinne begleite ich in Gedanken und im Gebet den Weg der Kirche in Deutschland.

Erfüllt von den eindrucksvollen Erlebnissen und Erinnerungen an diese Tage in der Heimat kehre ich nun nach Rom zurück. Mit der Zusicherung meines Gebets für Sie alle und für eine gute Zukunft unseres Landes in Frieden und Freiheit sage ich zum Abschied ein herzliches Vergelt’s Gott. Der Herr segne Sie alle!



Auch KATH.NET-Facebook sagt AUF WIEDERSEHEN:



Sie möchten Papst Benedikt bald wiedersehen? Ostern 2012 und Oktober 2012 mit KATH.NET nach Rom. Infos unter www.kath.net


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