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Von Gott allein kommt die Kraft des Menschen

4. August 2011 in Spirituelles, 1 Lesermeinung
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Ein Kommentar von P. Bernhard Sirch zum Sonntagsevangelium


Illschwang (kath.net)
A - 19. Sonntag im Jahreskreis. Betrachtung zur 1. Ls: 1 Kön 19, 9a.11-13a. 2. Lesung: Röm 9,1-5. und Ev. Mt 14, 22- 33.

Es ist die Urfrage des Menschen: wo und wie kann ich Gott begegnen. Der Prophet Elija (9.Jh. v. Chr) ging zum Gottesberg Horeb in eine Höhle um darin zu übernachten. Er erfuhr die Weisung des Herrn nicht im heftigen Sturm, im Erdbeben oder im Feuer. "Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln. Als Elija es hörte, hüllte er sein Gesicht in den Mantel, trat hinaus und stellte sich an den Eingang der Höhle" (1 Kön 19, 9-13). Nachdem Elija zur Ruhe kam und er still wurde und es auch um ihn still wurde, konnte er die Stimme des Herrn vernehmen und neue Weisungen vernehmen (1 Kön 19, 13b -18).

Wenn wir die Weisungen des Herrn vernehmen wollen, muß der Mensch zur Ruhe kommen und still werden und auch um ihn muß es still werden. Die heutigen Medien tun alles, damit immer etwas "los" ist, um die Einschalt-, bzw. die Leserquoten zu erhöhen. Unsere Zeit gleicht einem aufgewühlten Meer oder See. Bis ein von Stürmen durchgepeitschter See ruhig wird ist eine Zeit der absoluten Ruhe nötig bis man auf den Grund sieht. Die Zeit der Ruhe bewirkt, dass wir tiefer sehen, bis auf den Grund.

Wer Gott begegnen will, der muß es ertragen, dass er selber still wird und dass es auch um ihn still wird. Es darf dies aber keine Friedhofsstille sein, sondern wir müssen im Innern alles loslassen und die Herzenstüre öffnen und wie eine Schale werden, die auf Gott hin geöffnet ist. An uns liegt es, dass wir das Ebenbild Gottes (Gen 1,26) in uns frei legen, damit Gott uns etwas sagen kann und wir die Weisung Gottes vernehmen können. Oft müssen wir auch wie Elia den Mut haben: hinauszutreten aus unserer Höhle, aus unseren festgefahrenen Ansichten und Meinungen. "Spruch des Herrn: Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege. So hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege und meine Gedanken über eure Gedanken" (Jes 55, 8.9). Ich erinnere mich an meine Dissertation, wo ich nicht weiter gekommen bin, solange ich versuchte mit den festgefahrenen Meinungen die 1000 Jahre alten Texte zu verstehen bis ich den Schritt wagte, sich allein von den Texten leiten zu lassen, die Texte unvoreingenommen sprechen zu lassen.


Ähnlich ist es wenn wir Gott begegnen wollen, wir müssen leer werden, Gott will uns ja eine "neue" Weisung, Neues: sein Verständnis, seine Gedanken der heiligen Schrift geben. Die Bitte um den Heiligen Geist ist dabei unerlässlich.

Die Nähe Gottes sucht auch Jesus nach dem Trubel des Tages, wie wir im heutigen Evangelium hören: "Nachdem Jesus die Menge gespeist hatte, forderte er die Jünger auf, ins Boot zu steigen und an das andere Ufer vorauszufahren.

Inzwischen wollte er die Leute nach Hause schicken". Und nun kommt das Entscheidende: "Nachdem er sie weggeschickt hatte, stieg er auf einen Berg, um in der Einsamkeit zu beten. Spät am Abend war er immer noch allein auf dem Berg" (Mt 14, 22.23). Wie Elija geht Jesus auf den Berg, um in der Einsamkeit zu beten; selbst die Jünger schickte er weg, um allein zu sein. Wer Gott begegnen will, muß sich zurückziehen, muß allein sein. Die Gottesbegegnung vollzieht sich zwischen Gott und einer einzelnen Person, so wie Moses auf den Berg stieg, um von Gott die zehn Gebote zu erhalten.

Von Gott allein kommt die Kraft des Menschen. Wer sich zurückzieht, um zu beten, um mit Gott allein zu sein und dieses Alleinsein auch aushält und wagt, bindet sich an Gott, er hat "religion", er ist wie das Wort sagt: zu-rückgebunden. Das Alleinsein muß seine Erfüllung finden in der Bindung, in der Anbindung an Gott, ja in der Verschweißung mit Gott. Paulus drückt es so: "cruxifixus sum Christo: Ich bin mit Christus gekreuzigt" (Gal 2, 19).
Im heutigen Evangelium hörten wir, dass Jesus auf einen Berg ging, um zu be-ten. Heute kann man oft immer wieder hören, daß jemand sagt, ich gehe anstelle des Gottesdienstes in die Berge und bete dort. Seit einem Jahrhundert gehen die Menschen in die Berge. Es ist auch schön, wenn Men-schen auf einen Berg steigen um stille zu werden, um zu beten. Dennoch er-setzt das Berggehen nicht den Gottesdienst, wo wir Gott begegnen im Wort (Wortgottesdienst) und im Sakrament, wo wir Christi Fleisch und Blut aufnehmen nach seiner Weisung: "Tut dies zu meinem Gedächtnis". Dort ereignet sich Gottesbegegnung.

Seit meiner Priesterweihe vor 41 Jahren habe ich nur etwa eine handvoll Messen ausgelassen, wenn es einfach wirklich nicht möglich war wegen einer Herzklappenoperation und ähnliches. Wenn man schon nicht täglich zum Gottesdienst gehen kann, sollte wenigstens der sonntäglichen Gottesdienst uns verhelfen, wie Jesus auf einen Berg steigen, "um in der Einsamkeit zu beten", wobei es von Jesus hieß: "Spät am Abend war er immer noch allein auf dem Berg" (Mt 14, 23). Sicherlich war auch bei Jesus das Ziel, einmal abschalten zu können, jedoch nicht abschalten um sich mit seinen Problemen zu beschäftigen, sondern um bei Gott zu sein, um die Probleme zu Gott zu bringen und von ihm Kraft zu bekommen.

Wir haben bisher gesehen, dass wir in der Einsamkeit, wenn es um uns still geworden ist, Gott begegnen können. Die folgenden Texte im Evangelium zeigen uns, mit welchem Vertrauen wir Gott begegnen sollen. Lesen wir weiter im Evangelium: Das Boot der Jünger "war schon viele Stadien vom Land entfernt und wurde von den Wellen hin und her geworfen; denn sie hatten Gegenwind. In der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen; er ging auf dem See. Als ihn die Jünger über den See kommen sahen, erschraken sie, weil sie meinten, es sei ein Gespenst, und sie schrieen vor Angst. Doch Jesus begann mit ihnen zu reden und sagte: Habt Vertrauen, ich bin es; fürchtet euch nicht! Darauf erwiderte ihm Petrus: Herr, wenn du es bist, so befiel, dass ich auf dem Wasser zu dir komme.

Jesus sagte: Komm!" (Mt 14, 24-29).
Wir können uns fragen: Haben wir ein solches Vertrauen zu Gott, dass wir den "sicheren Boden" unter unseren Füßen verlassen und uns ganz auf Gott verlassen? Die Märtyrer wagten diesen Schritt und vertrauten ganz auf Gott, sie gaben nicht nur alles was sie besaßen, sondern sie gaben Gott das eigene Leben hin. Wie das Martyrium nicht mehr möglich war, zogen viele Christen in die Wüste um allein auf Gott zu vertrauen; später verließen viele Gläubige Haus und Hof um in ein Kloster zu gehen und den sicheren Boden durch die Gelübde der Armut, des Gehorsams und der Ehelosigkeit zu vertauschen. Die gelebte Ehelosigkeit der Priester soll ein Zeichen sein, dass er "al-les" (Vgl. das Gleichnis: Schatz im Acker, bzw. Perle: Mt 13, 44.46) verlassen hat um sich alleinig auf Gott einzulassen. Der Herr ruft uns immer wieder zu: "Komm!" (Mt 14, 29). Verlasse alles, was du hast, verlasse den sicheren Boden und folge mir nach.

Im Evangelium wird uns dann berichtet: "Da stieg Petrus aus dem Boot und ging über das Wasser auf Jesus zu. Als er aber sah, wie heftig der Wind war, bekam er Angst und begann unterzugehen. Er schrie: Herr, rette mich (Mt 14, 29.30). Der Mönchsvater Johannes Cassianus lehrte die Mönche das immer-währende Gebet: "O Gott, komm mir zu Hilfe; Herr, eile, mir zu helfen" (Ps 69,2). Es ist das Rufen des Petrus: "Herr, rette mich" (Mt 14, 30). Wie viele Menschen rufen zu Gott: "Herr, rette mich" (Mt 14, 30). Herr, rette mich aus dieser Situation, aus dieser Lebenslage, ich halte es nicht mehr aus!

Wir dürfen Gott vertrauen, dass er uns auf seinen Händen trägt. Vielleicht kennen Sie die Geschichte eines Menschen, der am Ende seines Lebens, wo er nicht wußte, wie es weitergehen soll, zurückschaut und zwei Spuren im Sand seines Lebens sieht und frägt: Warum ist in dieser schweren Zeit meines Le-bens nur eine Spur? Gott antwortet: Ich habe dich getragen. Gott trägt auch sie und nimmt sie bei der Hand wie wir im Evangelium gesehen haben: Wie Petrus unterzugehen droht, "streckte Jesus sofort die Hand aus, ergriff ihn und sagte zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt? Und als sie ins Boot gestiegen waren, legte sich der Wind. Die Jünger im Boot aber fielen vor Jesus nieder und sagten: Wahrhaftig, du bist Gottes Sohn" (Mt 14, 31-33).

Möge Gott Sie bei der Hand nehmen und in schweren Zeiten tragen. Im Eröffnungsvers rufen wir: "Gott, vergiß nicht das Rufen derer, die dich suchen" (Ps 74, 23).

Homepage: www.pater-bernhard.de


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Lesermeinungen

 edithusluxus 6. August 2011 
 

Von Gott allein kommt die Kraft des Menschen

Wenn die Menschen glauben könnten, dass alle Kraft von Gott kommt, wäre die Welt reichen. Danke,für diesen langen Beitrag. Gott möge uns allen Glauben schenken.


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