28 Juli 2011, 11:00
Wir brauchen Vollblutchristen, keine Teilzeit-Christen mit Sparflamme
 
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„Liebe Familien! Auf euch lag und liegt die Zukunft der Kirche.“ - Es ist eine Forderung der Zeit, dass sich gleichgesinnte Familien zusammenschließen und organisieren. Ein Kommentar von P. Bernhard Sirch zum Sonntagsevangelium

Illschwang (kath.net) A - 18. Sonntag im Jahreskreis. 1. Ls.: Jes 55, 1-3, 2. Ls: Röm 8, 15.37-39.
Ev.: Mt 14, 13-21. (*31.7.2011)

In der heutigen ersten Lesung und im Bericht von der Brotvermehrung im Evangelium, ist von Essen und von Brot die Rede, wobei im Ruf vor dem Evangelium auch gesagt wird: "Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt" (Mt 4,4).

1. Lesung: Jes 55, 1-3
Wir alle kennen den Ausdruck: "Dem ist der Appetit vergangen". Zum Wohlergehen des Menschen gehört mehr als nur Nahrungsaufnahme. Das auserwählte Volk hatte im babylonischen Exil zwar genug zu essen, aber es war das Brot im Exil, das "nicht nährt, nicht satt macht" (Jes 55, 2). Wenn sich ein Mensch nicht wohl fühlt, dann schmeckt das beste Essen nicht, er hat keinen Hunger. Viele Wege gibt es, um dieses Problem in den Griff zu bekommen.

Was aber machen wir, wenn einem Menschen "der Appetit vergangen" ist nach Gott, ja er fragt gar nicht nach Gott? Was machen wir? Wir müssen uns fragen: wie kann ein Mensch Gott begegnen, bzw. wo begegnen heute Menschen Gott, dem Göttlichen, dem Guten?

Im Gleichnis über das Himmelreich und dem Unkraut auf dem Acker gibt uns Jesus einen Hinweis: Wir begegnen in der Welt nicht nur Gott, sondern auch dem Widersacher Gottes: "das Unkraut sind die Söhne des Bösen; der Feind, der es gesät hat, ist der Teufel" (Mt 13, 38-39). Erschwerend kommt hinzu, dass das Unkraut so getarnt ist, dass es nicht ohne weiteres als Böses, eher als "Köstliches" erkenntlich ist, wie wir aus der heiligen Schrift wissen, wo über den Sündenfall berichtet wird: "Da sah die Frau, dass es köstlich wäre, von dem Baum zu essen, dass der Baum eine Augenweide war und dazu verlockte, klug zu werden. Sie nahm von seinen Früchten und aß" (Gn 3, 6). Genau das machen viele Menschen in unserer Wohlstandsgesellschaft und stürzen sich ins Vergnügen und zwar ohne Gott, obwohl Gott alles so geschaffen hat, dass er nach jedem Tag der Erschaffung der Erde sprach: "Gott sah, das es gut war" (Gn 1,4.10.12.18.21.25), bzw. "Gott sah alles an, was er gemacht hatte: "Es war sehr gut" (Gn 1,31).

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An uns Christen liegt es, dass wir das "Abbild Gottes" (Gen 1, 26.27) in uns frei legen, so dass die Menschen Gott, dem Göttlichen, dem Guten, wieder begegnen können und die Menschen wieder einen Appetit auf Gott bekommen. Wir müssen umkehren zu Gott, dem Urgrund unseres Seins. Wir sollen die Schuld bei uns suchen, wenn Menschen nur das Vergnügen suchen und zwar ohne Gott, weil wir diesen Menschen ein Leben aus dem Glauben nicht lebendig und glaubwürdig vorleben, so dass diese Menschen das "Abbild Gottes" (Gen 1, 26.27) in uns nicht erkennen und folglich Gott nicht begegnen können.

Die entscheidende Aufgabe haben die christlichen Familien

Bei der Erneuerung der Kirche heute haben die christlichen Familien, wie es früher die Orden hatten, die entscheidende Aufgabe: christliches Leben so zu verwirklichen, dass selbst die Kinder in Schule und Kindergarten sich wünschen, in einer solchen christlichen Familie zu leben. Dieses Tun ist Zeugnis geben von Christus im beginnenden dritten Jahrtausend. Gott muss wieder sichtbar werden in der Welt! Die Menschen brauchen die wärmende Umgebung der Abbilder Gottes, sie brauchen vor allem Gott. Gott muss durch seine "Abbilder" (Gen 1, 26.27) sichtbar gemacht werden, dass die Menschen Gott begegnen können.

Wir müssen uns immer wieder Zeit nehmen für Gott, Hinhören auf seine Worte und die Gebote Gottes auch halten.

In der ersten Lesung hören wir: Wenn wir auf Gott hören und seine Gebote halten, dann sind Voraussetzungen geschaffen, wo uns das Essen schmeckt und wir uns in der Mahlgemeinschaft mit Gott wohl fühlen, wenn er uns "das Beste zu essen" (Jes 55, 2.3) gibt. So sind wir Zeugen für das Göttliche und die Menschen können dem Göttlichen wieder begegnen. Wir müssen als Christen Christus bezeugen in unserer Welt; wir brauchen vor allem in den Familien Vollblutchristen, keine Teilzeit-Christen mit einer Sparflamme, bzw., um es in der Sprache der Jugendlichen zu sagen: Null-Bock-Christen, die nichts auf dem Hut haben. Wenn wir am Sonntag die hl. Messe mitfeiern, so soll dies nicht eine sauber ausgeschnittene, isolierte Zeit in der Woche sein, sondern die Eucharistiefeier muss Ausdruck und Höhepunkt eines gelebten Christentums sein: die hl. Messe als Höhepunkt der Woche, nicht sauber isolierte Sonderaktion.

Da die Orden immer mehr an Bedeutung verlieren, müssen die Familien die enormen Aufbauarbeiten der Orden weiterführen und vor allem im Alltag umsetzen. Man kann sich fragen, wo gibt es im Heiligen-Kalender "Heilige Familien"? Ich kenne viele gute Familien. Es ist eine Forderung der Zeit, dass sich gleichgesinnte Familien zusammenschließen und organisieren. Auf die Umsetzung kommt es an. Besser ist eine auch noch so unscheinbare Tat wie tausend glänzende Gedanken. Liebe Familien! Auf euch lag und liegt die Zukunft der Kirche.

An euch liegt es, dass die Menschen wieder "Appetit" bekommen nach Gott, und wieder nach Gott fragen. Der Herr ruft uns zu: "Hört auf mich, dann bekommt ihr das Beste zu essen" (Jes 55, 2.3).


Ruf vor dem Evangelium
Der Aufruf des Herrn: "Hört auf mich" (Jes 55, 2.3) in der Lesung wird im Ruf vor dem Evangelium erneuert, wobei über das Brot hinaus auf das geistliche Brot verweisen wird: "Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt" (Mt 4,4), dabei beruft sich Jesus auf die Heilige Schrift in Buch Deuteronomium, wobei wir zuerst eine Erklärung erhalten, wie dieser Vers zu verstehen ist: "Du sollst an den ganzen Weg denken, den der Herr, dein Gott, dich während dieser vierzig Jahre in der Wüste geführt hat, um dich gefügig zu machen und dich zu prüfen. Er wollte erkennen, wie du dich entscheiden würdest: ob du auf seine Gebote achtest oder nicht. Durch Hunger hat er dich gefügig gemacht und hat dich dann mit dem Manna gespeist, das du nicht kanntest und das auch deine Väter nicht kannten. Er wollte dich erkennen lassen, dass der Mensch nicht nur von Brot lebt, sondern dass der Mensch von allem lebt, was der Mund des Herrn spricht" (Dt 8, 2.3). Hier wird deutlich, was das Fasten, der Hunger bewirken soll: dass wir gefügig werden für Gott, das wir uns öffnen für das, "was der Mund des Herrn spricht" (Dt 8, 2.3) und vor allem will Gott "erkennen, wie du dich entscheiden würdest: ob du auf seine Gebote achtest oder nicht" (Dt 8.2).

Ev.: Mt 14, 13-21.

Gott gab damals den Israeliten das "Manna, das sie nicht kannten und das auch deren Väter nicht kannten" (Dt 8, 3). Christus lädt uns auch ein. So beten wir im Kommunionvers: "So spricht der Herr: Ich bin das Brot des Lebens, wer zu mir kommt, wird nicht mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nicht mehr Durst haben" (Joh 6, 35).

Die Prophezeiung des Deuterojesaja in der ersten Lesung: "Hört auf mich, dann bekommt ihr das Beste zu essen... Neigt euer Ohr mir zu, und kommt zu mir, hört, dann werdet ihr leben" (Jes 55, 2.3) hat sich in Jesus erfüllt. Die Menschen zur Zeit Jesu sind ebenfalls auf der Suche und gehen Jesus selbst in die einsamen Gegenden nach: "Die Leute in den Städten hörten davon und gingen ihm zu Fuß nach. Als Jesus ausstieg und die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen und heilte die Kranken, die bei ihnen waren" (Mt 14,13.14). Jesus heilt die Menschen zuerst mit seinem Wort, mit seiner geistigen Speise. Da der Ort abgelegen ist und es schon spät geworden ist, sagt Jesus den Jüngern: "Gebt ihr ihnen zu essen. Sie sagten zu ihm: Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische bei uns. Darauf antwortete er: Bringt sie her" (Mt 14,16-18).

Bei der Brotvermehrung nimmt Jesus das Wenige, das die Jünger anzubieten haben: "fünf Brote und zwei Fische" (Mt 14,18) und vermehrt es. Möge Gott uns die Gnade schenken, dass wir es fertig bringen, demütig wenigstens Wenig anzubieten. Jesus wird es vermehren: "etwa fünftausend Männer, die an dem Mahl teilnahmen, dazu noch Frauen und Kinder, aßen und wurden satt" (Mt 14, 20).

"Und Jesus nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern; die Jünger aber gaben sie den Leuten, und alle aßen und wurden satt" (Mt 14, 19.20). Jesus blickt zum Himmel auf und lobpreist Gott und gibt dann den Menschen in überreicher Fülle: "Als die Jünger die übriggebliebenen Brotstücke einsammelten, wurden zwölf Körbe voll. Es waren etwa fünftausend Männer, die an dem Mahl teilnahmen, dazu noch Frauen und Kinder" (Mt 14,20.21).

Müssten sich nicht die Menschen unserer Zeit auch daran machen, das Ihrige beizutragen, damit alle Menschen zu essen haben, anstelle eines achtlosen Wegwerfen von Nahrungsmitteln, von Gaben Gottes - dies fängt schon bei der Schule an und wird in unglaublichem Ausmaß fortgeführt in den großen Verkaufsketten - muss die gerechten Aufteilung kommen. Wir brauchen das Wunder der gerechten Verteilung. Damals teilten die Jünger das Brot und die Fische aus und alle wurden satt. Achtung vor jenen Geschäften, die die Nahrungsmittel wenigstens an Bedürftige verteilen, bzw. weitergeben.

2. Ls: Röm 8, 15.37-39.

Wer Jesus nachfolgen will, muss bereit sein, sich loszulassen: "Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein" (Joh 12,24). Nicht nur etwas Äußeres hergeben, sondern sich selber, fordert uns Jesu Liebe auf: "Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt" (Joh 15,13).

Wer zu dieser Liebe berufen ist, kann, selbst wenn er scheinbar in größter Not und Bedrängnis ist, wie der Apostel Paulus in der zweiten Lesung sprechen: "Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert? All das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin gewiß: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn (Röm 8, 38.39).

Bei jeder hl. Messe bringen wir unser Opfer dar. Das heutige Gabengebet fasst unsere Bitten zusammen: "Barmherziger Gott, heilige diese Gaben. Nimm das Opfer an, das dir im Heiligen Geist dargebracht wird, und mache uns selbst zu einer Gabe, die für immer dir gehört".

Homepage: www.pater-bernhard.de

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