25 Juni 2011, 11:33
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Mitglieder der Pfarrgemeinderäte müssen sich zur Glaubenslehre und Ordnung der Kirche bekennen - Ein Kath.Net-Gastkommentar von Pfarrer Christian Sieberer / Erzdiözese Wien

Wien (kath.net)
Am 18. März 2012 finden in ganz Österreich die Wahlen zum Pfarrgemeinderat statt. Manche Menschen fiebern diesem Ereignis schon jetzt entgegen, andere finden die Aufregung darüber doch etwas übertrieben. Bei der Mitwirkung in den Angelegenheiten der kirchlichen Vermögensverwaltung kommt dem Pfarrgemeinderat Entscheidungsrecht zu. Als Pastoralrat hat der PGR den Pfarrer jedoch „nur” zu beraten und zu unterstützen. Dieses Gremium hat also im Kirchenrecht ein genau begrenztes Tätigkeitsfeld, das im eklatanten Widerspruch zu der scheinbaren Allmacht des scheinbar unersetzbaren PGR steht, wie sie von manchen seiner Mitglieder dem Pfarrer und den „einfachen” Pfarrangehörigen vermittelt wird.

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Der Codex Iuris Canonici sagt in Kanon 536 § 1 sogar, dass der Pfarrgemeinderat als Pastoralrat nicht zwingend notwendig ist:
„Wenn es dem Diözesanbischof nach Anhörung des Priesterrates zweckmäßig scheint, ist in jeder Pfarrei ein Pastoralrat zu bilden, dem der Pfarrer vorsteht; in ihm sollen Gläubige zusammen mit denen, die kraft ihres Amtes an der pfarrlichen Seelsorge Anteil haben, zur Förderung der Seelsorgstätigkeit mithelfen.”

§ 2 bestimmt: „Der Pastoralrat hat nur beratendes Stimmrecht und wird durch die vom Diözesanbischof festgesetzten Normen geregelt.”

Ich bin schon in vielen Pfarrgemeinderäten gesessen, und hatte immer wieder den Eindruck, dass hier alles und jedes beschlossen wird. Bei näherem Hinsehen ist der Pfarrgemeinderat aber genau das, was er ist: ein Rat.

Ein Rat, der den Pfarrer in der Seelsorge unterstützen soll, der ihm aber nicht vorschreiben kann, wie er diese Seelsorge zu führen hat.

In nicht wenigen Pfarren in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird der Pfarrer jedoch durch Mitglieder dieses Gremiums unter Druck gesetzt, sich im Einzelnen oder sogar allgemein in der Ausübung seiner seelsorglichen Tätigkeit nicht an die Glaubenslehre und Ordnung der Kirche zu halten.

Die Statuten des PGR sollen diese Möglichkeit von vornherein verhindern. Schauen wir beispielhaft in die Pfarrgemeinderatsordnung der Erzdiözese Wien, sehr ähnlich müssen die Vorgaben der anderen deutschsprachigen Diözesen sein:

Mitglieder des PGR können nur Katholiken sein,
- die am Wahltag das 16. Lebensjahr vollendet haben, im Gebiet der Pfarre einen Wohnsitz haben oder, außerhalb wohnend, in der Pfarrgemeinde mitleben,
- sich zur Glaubenslehre und Ordnung der Kirche bekennen,
- das Sakrament der Firmung empfangen haben,
- ihrer Verpflichtung zur Zahlung des Kirchenbeitrags nachkommen und
- bereit sind, Aufgaben und Pflichten im PGR zu erfüllen.


Auch wenn die hier hervorgehobene Voraussetzung in den Statuten mancher Diözesen nicht ausdrücklich vorgesehen sein mag, muss sie doch selbstverständlich impliziert sein.

Als verhältnismäßig neuer Pfarrer bin ich nun zum ersten Mal für eine ordnungsgemäße Vorbereitung und Durchführung der Pfarrgemeinderatswahl verantwortlich.

Den Pfarrangehörigen, die sich schon jetzt für eine Kandidatur interessieren, habe ich die Lektüre des Katechismus der Katholischen Kirche empfohlen, um besser einschätzen zu können, ob für sie das Bekenntnis zur Glaubenslehre und Ordnung der Kirche möglich ist. Wenn schließlich zwischen November 2011 und Februar 2012 über eine Kandidatur konkret entschieden werden muss, ist dafür wohl zumindest ein ausführliches Gespräch mit den Kandidaten notwendig.

In einer Zeit, in der sich dutzende Pfarrer (www.pfarrer-initiative.at) öffentlich gegen die Glaubenslehre und Ordnung der Kirche aussprechen, interessiert mich sehr, wie die priesterlichen Mitbrüder in Deutschland, Österreich und der Schweiz dieses Verfahren handhaben, denn wohl kein Pfarrer im deutschsprachigen Raum kann sagen, dass sich alle potentiellen Pfarrgemeinderäte seiner Pfarre selbstverständlich zur Lehre und Disziplin der Kirche bekennen.

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