22 Mai 2011, 11:00
Eint oder entzweit ein deutscher Oberhirte seine Schafe?
 
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Ein Kath.Net-Gastkommentar zu den jüngsten Äußerungen der Bischofs von Rottenburg zur Frauenordination von Christian Spaemann

Rottenburg (www.kath.net)
Der erste Blick auf das Gespräch des Bischofs von Rottenburg-Stuttgart mit der Ludwigsburger Kreiszeitung könnte den Eindruck erwecken, Gebhard Fürst werde seiner Aufgabe als Hirte der Einheit gerecht. Beim Thema Frauenordination verweist er auf die Verantwortung der Teilkirche gegenüber der Weltkirche.

Es darf keine Alleingänge und dadurch Spaltungen geben und „… der katholische Kosmos bestehe eben nicht nur aus fortschrittlichen Ländern, wie Deutschland oder den USA, in denen weibliche Priester denkbar seien“. In der Zukunft sei so etwas vielleicht möglich „vorerst“ aber nicht und er selber werde da nicht mehr erleben. Ein Hirte der Einheit?

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Bei genauerem Hinsehen, nein! Schauen wir uns den Abschluss des Apostolischen Schreibens „Ordinatio Sacerdotalis“ von Papst Johannes Paul II. vom 22. Mai 1994 an:
„Obwohl die Lehre über die nur Männern vorbehaltene Priesterweihe sowohl von der beständigen und umfassenden Überlieferung der Kirche bewahrt als auch vom Lehramt in den Dokumenten der jüngeren Vergangenheit mit Beständigkeit gelehrt worden ist, hält man sie in unserer Zeit dennoch verschiedenen Orts für diskutierbar, oder man schreibt der Entscheidung der Kirche, Frauen nicht zu dieser Weihe zuzulassen, lediglich eine disziplinäre Bedeutung zu. Damit also jeder Zweifel bezüglich der bedeutenden Angelegenheit, die die göttliche Verfassung der Kirche selbst betrifft, beseitigt wird, erkläre ich kraft meines Amtes, die Brüder zu stärken (vgl. Lk 22,32), dass die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und dass sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben.“

Der Papst hat hier sein unfehlbares Lehramt in Anspruch genommen und eine endgültige Entscheidung gefällt. Wie dies in dem Apostolischen Schreiben ausdrücklich betont wird, ist die Forderung nach einem Priestertum der Frau innerkirchlich nicht mehr diskursfähig. Es geht also darum, wie wir besser verstehen können, dass sich der Unterschied der Geschlechter in einer Art heilsgeschichtlichen Rollenverteilung wiederspiegelt. Sich diesem Geheimnis zu öffnen, ist in einer Zeit des Gender Mainstreaming, in der die Bedeutung von Mann und Frau in der Schöpfungsordnung grundlegend in Frage gestellt wird, eine großartige Herausforderungen an das vom christlichen Glauben inspirierte Denken.

Indem Bischof Fürst in Bezug auf die Frage nach dem Priestertum der Frau auf rein pragmatische Argumente zurückgreift und auch noch ausdrücklich betont, dass er eine Frauenordination in der katholischen Kirche in Zukunft für möglich hält, stellt er sich gegen das Lehramt der Kirche. Was hat das zur Folge? Der einfache Katholik vertraut nicht mehr auf seinen Bischof als den Lehrer und Hirten vor Ort. Er muss sich unmittelbar am Papst orientieren und wird seinem Bischof mit zurückhaltender Skepsis begegnen. Ist das Dienst an der Einheit? Nein, es ist Spaltung, die Bischof Fürst hier in die Gemeinde vor Ort bringt. Jeder Pfarrer müsste zwischen seiner Privatmeinung und der offiziellen Lehre der Kirche unterscheiden können. Es ist traurig genug, wenn ein katholischer Bischof in seiner eigenen spirituellen Einstellung nicht aus ganzem Herzen der Führung des Heiligen Geistes im kirchlichen Lehramt vertraut. Es geht aber auf keinen Fall an, dass er öffentlich diese Lehre ignoriert. Er müsste in jedem Fall auf sie verweisen.

Es hat aber auch sein Gutes, dass der für die Medien in Deutschland zuständige Bischof drei Monate vor dem Papstbesuch solche Äußerungen von sich gibt. Dem hl. Vater wird noch einmal vor Augen geführt, in welch schwieriger Lage sich die einfachen gläubigen Katholiken in Deutschland befinden und wie sehr sie auf seine Hilfe und Autorität vor Ort angewiesen sind.

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