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| ![]() Das Leben aller Menschen ist unter das Kreuz gestellt12. Mai 2011 in Spirituelles, 1 Lesermeinung Ein Kommentar von P. Bernhard Sirch zum Sonntagsevangelium Illschwang (kath.net) Am heutigen Sonntag, dem Weltgebettag für geistliche Berufe und dem Gut-Hirten-Sonntag, wird uns in der ersten Lesung (Apg 2, 14 1, 36-41) aufgezeigt, worin die Hauptaufgabe der Jünger Christi besteht. Petrus verkündet im Tempel: "Diesen Jesus hat Gott auferweckt, dafür sind wir alle Zeugen (Apg 2, 32), "Gott hat ihn zum Herrn und Christus gemacht, diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt (Apg 2, 36). Damit ist auch für uns die Kernbotschaft unserer Verkündigung und das Spezifische des Christentums, das wir in den Mittelpunkt unserer Verkündigung stellen müssen, angegeben: "Diesen Jesus hat Gott auferweckt (Apg 2, 32). Die Kreuzigung und die Auferstehung Jesu, der wiederkommt, sind die Kernpunkte unseres Glaubens. Bei jeder Eucharistiefeier wird dieses Geheimnis unseres Glaubens gefeiert: "Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis zu kommst in Herrlichkeit". Das Leben aller, die in den Jüngerkreis Jesu treten, muss von diesen drei Kernpunkten unseres Glaubens geprägt sein: vom Kreuz, von der Auferstehung und von der Wiederkunft des Herrn. 1) Kreuz Wir beten: »Deinen Tod, o Herr, verkünden wir« Es ist nicht etwas Peinliches, was Jesus widerfahren ist, sondern "durch seine Wunden sind wir geheilt (1 Petr 2, 24), wie wir in der heutigen Lesung hören. Gleichzeitig fordert uns der Apostel Petrus auf: "Liebe Brüder, wenn ihr recht handelt und trotzdem Leiden erduldet, das ist eine Gnade in den Augen Gottes. Dazu seid ihr berufen worden; denn auch Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel gegeben, damit ihr seinen Spuren folgt" (1 Petr 2, 20b-21). Die Bereitschaft, das Kreuz zu tragen, ist ein wesentliches Kennzeichen für die, die Jesus nachfolgen wollen. Jesus sagt uns so einfach und schlicht: "Wer mein Jünger sein will, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach (Lk 9, 23). Es heißt nicht, wir sollen uns Kreuze zimmern und diese uns aufbürden, sondern: jeder nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Wenn Jesus Menschen gesucht hätte, die ihm in einem Triumphzug folgen, hätte er sicherlich genügend Jünger gefunden. Petrus sagt ganz offen in der heutige Lesung. Wenn Jesus Menschen gesucht hätte, die ihm in einem Triumphzug folgen, hätte er sicherlich genügend Jünger gefunden. Petrus sagt ganz offen in der heutigen Lesung: "Wenn ihr recht handelt und trotzdem Leiden erduldet, das ist eine Gnade in den Augen Gottes... Er hat keine Sünde begangen, und in seinem Mund war kein trügerisches Wort. Er wurde geschmäht, schmähte aber nicht; er litt, drohte aber nicht, sondern überließ seine Sache dem gerechten Richter (1 Petr 2, 20b-23). Wer diese Grundhaltung nicht übernehmen will, wird an seinem Dienst für Gott und die Menschen immer wieder erhebliche Zweifel haben und scheitern. Die Annahme des Kreuzes, ob physische oder psychische Schmerzen, ist die Voraussetzung für die engere Nachfolge Jesu. Es führt kein Weg vorbei. Schmerzen oder Leiden müssen alle Menschen ertragen ohne Ausnahme, das Entscheidende für die, die Christus nachfolgen, ist die bereitwillige Annahme des Leides um des Himmelreiches willen. Christus hätte in seinem Leben sicherlich viel mehr tun können, wenn er nicht in so jungen Jahren nach nur drei Jahren öffentlicher Wirksamkeit sein Leben hingegeben hätte. Das Entscheidende im Leben Christi war die Annahme des Kreuzweges und sein Sterben. Das Leben aller Menschen ist unter das Kreuz gestellt. Nicht nur das Leben der Jünger Christi, sondern das Leben aller Christen, ja aller Menschen ist unter das Kreuz gestellt. Vielleicht ist es gerade heute an der Zeit, diese Kreuzestheologie den Menschen ungeschminkt vor Augen zu stellen. Wenn wir es fertig bringen, "Ja zu sagen zum Kreuz, dann ist die Wucht des Kreuzes bereits gebrochen. Mögen die Werbesendungen im Fernsehen dem Menschen eine noch so rosige Zukunft vor Augen führen, das Leid wird nie aus der Welt geschaffen werden. Wir müssen uns diesem Problem stellen. Wie viele Menschen gibt es, die tiefes Leid, sei es körperliches oder seelisches Leid, über sich ergehen lassen müssen. Oder denken wir an die Verdemütigungen, die tagtäglich im mitmenschlichen Bereich Menschen bis zur Verzweiflung, ja an den Rand ihrer menschlichen Persönlichkeit drängen, weil sie sich auch nicht getrauen, ihr Leid zu formulieren! Immer wieder werden wir erleben, dass Menschen vor den Scherben der eigenen Persönlichkeit stehen. In dieser schweren Lage kann der Christ seinen Blick auf das Geheimnis Jesu lenken, der auch völlig allein dastand, von allen verlassen; die guten Taten sind wie weggewischt, keiner erinnert sich daran. Die blinde Wut lässt die leisesten Regungen eines Mitleides oder gar Mit-Leidens erstarren. Gerade aber diese Zeiten der tiefsten Verdemütigungen sind die größte Gnadenzeit unseres Lebens, vielleicht sind diese Zeiten in unserem Leben vor Gott glanzvoller als die nach außen hin glanzvollsten Zeiten. - Der Jünger des Herrn muss um das Leid der Menschen, durchgestanden am eigenen Leib, wissen, um sie verstehen zu können und Ihnen helfen zu können. Scheitern am Leid? Gewiss, viele Menschen scheitern am Leid. Aber gerade im Ertragen des Leides und nicht im Verbringen glücklicher Tage zeigt sich die wahre Reife des Menschen. Wenn ich hier erzählen lassen könnte, wer zur Zeit welches Leid hat, sei es körperliches, oder was oft noch schlimmer ist, seelisches Leid, wir wären morgen noch zusammen. Oft taucht die Frage auf: Wie kann Gott dies zulassen? Manche Menschen scheitern am Leid. 2) Die Auferstehung Und nun geschieht das Eigenartige: zu diesen furchtsamen Jüngern, die sich in ihren Hoffnungen betrogen sahen, kam Jesus und sagte: "Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen" (Joh 20, 19-31). "Sie staunten, konnten es aber vor Freude immer noch nicht glauben. Da sagte er zu ihnen: Habt ihr etwas zu essen hier? Sie gaben ihm ein Stück gebratenen Fisch; er nahm es und aß es vor ihren Augen (Lk 24, 41-43). Dadurch wurde der Glaube an die Auferstehung des Herrn lebendig und hat die Jünger verwandelt. Petrus ging hinaus in den Tempel und verkündete: "Diesen Jesus hat Gott auferweckt, dafür sind wir Zeugen (Apg 2,32). Tröstlich ist, was wir im heutigen Evangelium hören. Diesem Christus "öffnet der Türhüter und die Schafe hören auf seine Stimme; er ruft die Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen (Joh 10,3). Christus gibt uns die Zusage: "Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben" (Joh 10, 10). Tod, Leid ist nicht Endstation, sondern Christus ist auferstanden und zeigt uns somit den Weg für unsere Zukunft. Christus "hat nach seinem Leiden durch viele Beweise gezeigt, dass er lebt; vierzig Tage hindurch ist er ihnen erschienen und hat vom Reich Gottes gesprochen" (Apg 1,3) 3) Wiederkunft des Herrn. Nicht nur Jesus ist auferstanden, auch wir werden auferstehen und in sein Reich aufgenommen werden. Bei allem was wir tun und erleben, muss unser Leben von unserer Zukunft geprägt sein. Dann können wir mitten im Leid, wie Jesus im absoluten Vertrauen auf Gott, das Leid annehmen und somit Ruhe finden trotz aller Bedrängnis und Seine tröstende Stimme hören. Jeder Jünger des Herrn muss sich immer wieder zurückziehen, damit er die tröstende Stimme des Herrn, der uns im Leiden vorangegangen ist und nun zur Rechten des Vater sitzt, vernimmt. "Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen (Apg 1,11). Überlegen wir einmal: Leben wir eigentlich, so, als ob das Entscheidende in unserem Leben noch aussteht! Er will uns in sein Reich aufnehmen, von dem er vierzig Tage gesprochen hatte. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir die Worte Jesu erst richtig begreifen, wenn wir dieses neue, ewige Leben in unserem Denken aufnehmen. Jesus lehrte uns im Vaterunser beten: "Dein Reich komme". Warten wir eigentlich auf das Reich Gottes, das kommt "wie der Dieb in der Nacht" (1 Thess 5, 2ff)? Wir haben die Hoffnung, ja "wir wissen: Wenn unser irdisches Zelt abgebrochen wird, dann haben wir eine Wohnung von Gott, ein nicht von Menschenhand errichtetes ewiges Haus im Himmel" (2 Kor 5, 1). Das Tagesgebet vom 20. Sonntag im Jahreskreis formuliert die Zukunft des Menschen so: Was kein Auge geschaut und kein Ohr gehört, das hast du denen bereitet, die dich lieben". Der Apostel Paulus drückt es so aus: "wir verkündigen, wie es in der Schrift heißt, was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben" (1 Kor 2, 9). Der Reichtum der Verheißungen Gottes wird alles übersteigen, was wir ersehnen. Wir werden das Leid in dieser Welt nicht im christlichen Sinn ertragen können, wenn unser Denken nicht von unserer Zukunft bestimmt ist. Ich denke dabei an Schüler im Unterricht, die bisweilen teilnahmslos am Unterricht teilnehmen und vom Lehrer zusammengeschimpft werden. Dies rührt die Jugendlichen gar nicht, weil sie in ihrem Kopf schon die Begegnung mit ihrem Freund/Freundin haben. Davon sind diese Jugendlichen erfüllt und registrieren den Ärger kaum auf Grund ihrer Zukunftsgedanken. Das Wissen um unsere leuchtende Zukunft verändert uns jetziges Leben. Die Gebete der Kirche um das Kommen des Reiches Gottes muß unser Innerstes erfüllen. Christus will uns in sein Reich aufnehmen. Wir sind für diese Zukunft erschaffen. Die Wiederkunft des Herrn ist das nächst wichtigste Ereignis in der Kirche. Wer denkt daran? Sind wir nicht erfüllt von der Krise in der Kirche? Die Kirche hat schon weit schlimmere Krisen überstanden! Um der Wiederkunft des Herrn mehr Gewicht zu geben, würde ich mir ein eigenes Fest "Wiederkunft des Herrn" am Anfang oder Ende eines Kirchenjahres wünschen. Die Meßtexte laden dazu ein. Diese Wiederkunft des Herrn ist für die Kirche wesentlicher Bestandteil der Verkündigung und des Betens: "Er sitzt zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten; seiner Herrschaft wird kein Ende sein", so beten wir im Glaubensbekenntnis. Nach der Bitte an den Vater: "Dein Reich komme" betet der Priester: "bewahre uns vor Verwirrung und Sünde, damit wir voll Zuversicht das Kommen unseres Erlösers Jesus Christus erwarten". Wenn heute die Jugend sagt "NO FUTURE", dann ist das ein großer Irrtum! Wir Christen haben sehr wohl eine Zukunft, das "Offenbar werden in Herrlichkeit" (Kol 3, 4). Eine Zukunft, die über dieses Leben hinaus reicht. Um der Kritik "Religion ist Opium fürs Volk" auszuweichen, hat man die Zukunft des Christen vernachlässigt. Der Mensch wird aber nicht nur von der Vergangenheit und Gegenwart bestimmt, sondern ganz wesentlich auch von der Zukunft, die er erwartet. Das Leben der ersten Christen war geprägt von dieser leuchtenden Zukunft. Diese Christen hatten viel Leid; aber dieses "Leid" kam auf Grund der leuchtenden Zukunft erst nach dem Komma. Selbst für viele Christen ist das Leid vor dem Komma und nicht nach dem Komma. Die leuchtende Zukunft der Kirche und der Christen müssen wir wieder in den Mittelpunkt unserer Verkündigung stellen und davon wird ein neuer Aufbruch in der Kirche erfolgen. Wir müssen das Ziel unseres Glaubens vor Augen haben, dann können wir auch den bisweilen beschwerlichen Weg verstehen und verkraften, dann kommt das "Leid" nach dem Komma! "Dein Reich komme", dies bedeutet auch, dass das Reich Gottes schon jetzt in unsere Welt einbrechen muss: das Reich der Liebe. Ich wünsche Ihnen den freudigen Aufbruch in Ihrer Seele. Je mehr Gläubige davon ergriffen sind, umso mehr wird dies in der Kirche sichtbar. Die ganze Botschaft von Christus: "Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis zu kommst in Herrlichkeit" wird der Kirche neues Leben geben. Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal! ![]() LesermeinungenUm selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen. Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. | ![]() Mehr zuEvangelium
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