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Das große Profil des katholischen Laien

29. April 2011 in Spirituelles, 5 Lesermeinungen
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KLARTEXT von Bischof Andreas Laun: Die Laien haben „so große Aufgaben und solche Verantwortung im Leben der Kirche“.


Salzburg (kath.net) In einem autobiographischen Buch erzählt K. Wojtyla, also der spätere selige Papst Johannes Paul II., wie früh in seinem Leben als Priester er die große Bedeutung der Laien im Leben der Kirche erkannt habe!

Heute, könnte man sagen, ein Gemeinplatz, den zu wiederholen längst unnötig ist. Richtig, aber eine Nachfrage stellt sich ganz von selbst: Was ist ein Laie, ein nur „nicht geweihter Christ“, wenn auch getauft? Identität also vor allem durch das, was jemand nicht hat, was „ihm“ fehlt und „sie“ gar nicht haben kann“?

Übersehen wird dabei: Das überragend wichtige Sakrament ist die Taufe, Grundlage und Voraussetzung aller anderen Sakramente. Nicht die Weihe, die Taufe macht den Christen! Sie ist „die Grundlage des ganzen christlichen Lebens, das Eingangstor zum Leben im Geiste und zu den anderen Sakramenten. Durch die Taufe werden wir von der Sünde befreit, als Söhne Gottes wiedergeboren, als Glieder Christi, in die Kirche eingefügt, an ihrer Sendung beteiligt, die Taufe ist das Sakrament der Wiedergeburt.“ So sagt es der Katechismus (1213), und mehr lässt sich wirklich nicht sagen!

Platz und Grund für Minderwertigkeitsgefühle eines Christen bleiben wirklich nicht! Was das konkret heißt, führt der Katechismus an anderer Stelle aus (KKK 898-913): Ihre spezifische Aufgabe sind auf der einen Seite die Welt und ihre Ordnung, auf der anderen Seite haben sie aber auch Anteil am Priesteramt, Prophetenamt und Königsamt Christi.


So wundert der markante Satz nicht: „In den kirchlichen Gemeinschaften ist ihre Tätigkeit so notwendig, dass das Apostolat der Seelsorger ohne sie meistens nicht zur vollen Wirkung gelangen kann.“ (KKK 900) Für die Feststellung, dass auch durch das Wort von Laien Menschen zum Glauben geführt werden können, kann der KKK auf die hohe Autorität des hl. Thomas von Aquin verweisen (KKK 904). Und zudem, Laien dürfen nicht nur, sie sind manchmal verpflichtet, den Hirten ihre Meinung zu sagen.

Wenn die Laien so große Aufgaben und solche Verantwortung im Leben der Kirche haben, kann es nicht wundern, dass der Katechismus (907) mahnt, bei der Erfüllung dieser Aufgaben sowohl die „Unversehrtheit des Glaubens und der Sitten“ im Auge zu behalten als auch einen angemessenen Ton anzuschlagen! Wie lebensnah diese Mahnung ist, weiß jeder, der das Geschehen in der Kirche von verfolgt – früher und heute! Dazu gibt es ein hochaktuelles Wort von Newman, das Papst Benedikt XVI. kürzlich erst bei der Seligsprechung des Autors zitierte:
Ich wünsche mir Laien, nicht arrogant, nicht vorlaut, nicht streitsüchtig, sondern Menschen, die ihre Religion kennen, die sich auf sie einlassen, die ihren eigenen Standpunkt kennen, die wissen, woran sie festhalten und was sie unterlassen, die ihr Glaubensbekenntnis so gut kennen, dass sie darüber Rechenschaft ablegen können...“

Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen! Man könnte den Text Newmans in moderner Diktion so übersetzen: Laien unbedingt ja, aber nicht ohne „Qualitäts-Sicherung“ ihrer Mitwirkung, soweit eine solche überhaupt möglich ist! Denn streitsüchtige, arrogante und zugleich ahnungslose Laien wird es immer geben, genauso wie es solche Kleriker auf allen Ebenen der Hierarchie immer auch gegeben hat und geben wird!

Man könnte dem von Newman gewünschten „Laien-Profil“ – das auch ein „Kleriker-Profil“ sein sollte - noch hinzufügen: Wir wünschen uns Laien, die ihren Glauben nicht nur wirklich kennen, sondern auch glauben, denn kennen allein genügt nicht! Kann man den „eigenen Glauben nicht glauben“? Ja, das kann man, und so begegnet man immer wieder auch Menschen, mit denen ein Gespräch über den Glauben deswegen so schwierig ist, weil sie über ein Wort der hl. Schrift oder das des Lehramtes der Kirche immer noch ihre „eigene Meinung“ darüber setzen und Argumente, die sich auf die genannten Quellen und Wahrheitskriterien der Kirche stützen, nicht gelten lassen wollen.

In solchen Fällen ist es eigentlich unumgänglich vor dem eigentlichen Gespräch die „Regeln des Dialoges abzuklären: Was gilt ein Wort der Schrift, was die Entscheidung eines Papstes, welches Gewicht hat die Tradition der Kirche oder auch die Lehre eines Konzils? Und wenn man schon dabei ist, sollte man auch die rein vernünftigen Regeln eines Gespräches über wichtige Fragen abklären, deren wichtigste lautet: Es verlangen Anstand und Respekt vor dem Anderen, auf seine Argumente wirklich zu antworten und nicht an diesen vorbei nur die eigene vorgefasste Meinung zu wiederholen wie ein echtes „Schlagwort“, mit dem man eben nur „schlagen“ kann, aber nicht Fragen abklären! Dazu kommt: Vernunft kann erkranken und sie kann verbildet werden.

Darum spricht die Theologie auch von einer „gesunden“ Vernunft im Unterschied zu einer kranken Vernunft. Die Vernunft eine „Hure“ zu nennen, wie M. Luther es getan hat, ist maßlos übertrieben, aber ein Körnchen Wahrheit ist dran: Auch die Vernunft bedarf der Heilung, der Erlösung und sie braucht ein Immunsystem, das sie gegen die Keime der Lüge, der Eitelkeit, des Hochmutes und der ideologischen Verbildungen schützt.

Aber mit Menschen zu reden, die etwas wissen und bei denen man vor allem spürt, dass sie nur an der Wahrheit interessiert sind und Argumente annehmen können, auch wenn sie Dazulernen oder sogar Umdenken notwendig machen, was der kleinen Eitelkeit natürlich ein klein wenig weh tut, ist eine der ganz großen Freuden des Lebens!

In der hl. Schrift scheint mir ein großer Patron des „gesund mündigen Laiens“ der Blindgeborene im Johannes-Evangelium zu sein: Er ist und bleibt ein gläubiger Jude, aber mit seinem gesunden Hausverstand lässt er sich auch von den Autoritäten der Religion dort nicht unterkriegen, wo sie eindeutig im Unrecht sind!


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