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Piraterie: Der Schrecken der Meere lebt wieder auf

4. März 2011 in Aktuelles, 7 Lesermeinungen
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Schiffsbesatzungen getötet - Seeleute brauchen Seelsorge


Bremen (kath.net/idea) Seeräuber galten lange als Abenteuerfiguren der Geschichte, doch seit einigen Jahren machen sie erneut die Seefahrt unsicher. Vor allem im Golf von Aden verbreiten Piraten Angst und Schrecken. Sie überfallen Schiffe, erpressen Lösegelder oder töten Menschen. Wie soll man auf die Bedrohung reagieren? Darüber gehen die Meinungen auseinander. Während die einen für bewaffneten Begleitschutz zumindest für Handelsschiffe plädieren, lehnen andere, wie die evangelische Deutsche Seemannsmission, solche Eskorten ab. Immer neue Überfälle haben die Debatte neu entfacht.

Ende Februar kaperten somalische Piraten im Indischen Ozean eine dänische Yacht und nahmen sieben Geiseln, unter ihnen drei Kinder. „Leider hat sich nun bestätigt, dass das Boot in der Gewalt von Piraten und auf dem Weg nach Somalia ist“, sagte eine Sprecherin des Außenministeriums in Kopenhagen. Anfang März brachten somalische Seeräuber zudem einen Frachter in ihre Gewalt. Etwa 260 Seemeilen nordöstlich von Oman kaperten sie nach Angaben der EU-Antipiratenmission Atalanta das unter Panama-Flagge fahrende Schiff „MS Dover“. Es war von Pakistan auf dem Weg zum Hafen Salif im Jemen. Über das Schicksal der 23 Besatzungsmitglieder aus den Philippinen, Rumänien und Russland gibt es derzeit keine Informationen.


Vier US-amerikanische Christen getötet

Tödlich endete am 22. Februar die Entführung von vier US-Seglern im Indischen Ozean rund 450 Kilometer vor der Küste Omans: Piraten töteten die Geiseln, bevor sie ein US-Sonderkommando befreien konnte. Bei den Ermordeten handelt es sich um die Eigner Jean und Scott Adam aus Marina del Rey (Bundesstaat Kalifornien) sowie ein befreundetes Paar, Phyllis Mackay und Bob Riggle aus Seattle (Bundesstaat Washington). Seit 2004 segelte das katholische Pensionärsehepaar Adam über die Meere, um in abgelegenen Orten Bibeln zu verteilen, zum Beispiel in Alaska, auf den Fidschi-Inseln und Französisch Polynesien (Südsee). Derzeit befinden sich nach EU-Angaben rund 30 Schiffe mit fast 700 Seeleuten in der Gewalt somalischer Piraten. Das Gebiet vor der Küste des Landes am Horn von Afrika gilt als gefährlichste Wasserstraße der Welt.

Deutsche Reeder für Begleitschutz
Der Verband Deutscher Reeder (Hamburg) plädiert angesichts dieser Entwicklung schon länger dafür, dass kleine Einheiten von Marinesoldaten oder Bundespolizisten an Bord von Handelsschiffen mitfahren und sie so schützen sollen. Piraterie sei eine tägliche Bedrohung: Seit rund drei Jahren seien im Durchschnitt ständig 400 Seeleute verschiedener Nationen in der Gewalt von Geiselnehmern, so Hauptgeschäftsführer Ralf Nagel.

Seemannsmission: Niemand fühlt sich durch Waffen sicherer

Die Deutsche Seemannsmission (Bremen) hingegen lehnt bewaffnete Eskorten an Bord von Handelsschiffen ab. Dadurch könnte die Situation nach Ansicht von Generalsekretärin Heike Proske nur eskalieren.
Sie habe noch keinen Seemann getroffen, der sich durch Waffen an Bord sicherer fühle: „Die Angst bleibt.“ Viele sähen einer Fahrt durch den Golf von Aden mit Sorge entgegen, fürchteten aber bei einer Verweigerung um ihren Arbeitsplatz.

Manchmal hätten sie nicht einmal den Mut, ihrer Familie zu sagen, wohin das Schiff fährt, um sie nicht zu beunruhigen. Laut Proske müssen Seeleute und deren Angehörige nach Piratenangriffen seelsorgerlich begleitet und unterstützt werden. Hier zeichne sich ein zunehmender Bedarf ab. Die Deutsche Seemannsmission unterhält ein weltweites Netz von 17 Stationen im Ausland, unter anderen in Lomé (Togo), Durban (Südafrika), New Orleans (USA), Valparaiso (Chile) und Hongkong.

In Deutschland gibt es 16 Stationen mit eigenständigen Inlandsvereinen. Die Organisation gehört wie ihr katholischer Partner Stella Maris zum Verband „International Christian Maritime Association“ (ICMA). Unter diesem Dach arbeiten 27 christliche Organisationen in 126 Ländern für Seeleute an Bord und in den Häfen. Sie leisten soziale Hilfen und bieten Seeleuten Anlaufstellen beispielsweise in seelischen Nöten nach traumatisierenden Piratenüberfällen.


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