25 Februar 2011, 10:45
'Wer mit dem Zeitgeist verheiratet ist, der wird bald verwitwet sein'
 
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Die Protestantisierung katholischer Theologie zog keinen „Frühlingsausbruch christlichen Geistes“ nach sich. Ein Gastkommentar von Hannes Marcel Bichler

Linz (kath.net) Das Memorandum zeigt es erschütternd auf, in welchem katastrophalen, ja geradezu hoffnungslosen Zustand sich die katholische Theologie in den deutschsprachigen Ländern befindet. Hier sollte man den in den letzten Atemzügen Liegenden friedlich entschlafen lassen und sich auf das neu und im richtigen Geiste zu Schöpfende konzentrieren. Mit allen (!) daraus zu ziehenden Konsequenzen. Eine Protestantisierung der katholischen Kirche ist zum Scheitern verurteilt, muss doch Luther selbst im wittenberg'schen Grab rotieren, würde er sehen, was seine Nachfolger aus seinem Werk gemacht haben.

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Man darf das oben beschriebene Bild des in den letzten Atemzügen Liegenden getrost auch im Hinblick auf die Ökumene verwenden. Hier haben sich die Protestanten Deutschlands in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr als Sterbehelfer hervorgetan bis sie zuletzt zu Totengräbern wurden. Es bedurfte nicht erst jüngster Entwicklungen um den protestantischen Weg als endgültig gescheitert ansehen zu können. Die Vereinsamung der deutschen Protestanten schreitet unaufhaltsam voran. Der Papst tut gut daran, sich voll und ganz dem Dialog mit den Orthodoxen zu widmen, können diese ihrerseits ja inzwischen kaum mehr Berührungspunkte - insbesondere mit der EKD - erkennen.

Abgesehen davon, dass die römisch-katholische Kirche in der Ökumene niemandem auf der so oft geforderten "Augenhöhe" begegnen kann - ist sie doch in ihrem Selbstverständnis die einzig wahre Kirche Jesu Christi in ungebrochener apostolischer Tradition - stellt sich nach den Entwicklungen der letzten Zeit die Frage, inwieweit die protestantische Gemeinschaft als Ganzes, besonders aber einige ihrer Teilgemeinschaften, überhaupt noch Berechtigung haben, am ökumenischen Prozess teilzunehmen. Oder aber auch ein katholischer und orthodoxer Geistlicher tatsächlich reinen Gewissens mit deren Vertretern gemeinsam am Hochaltar im christlichen Sinne feiern können.

Viele haben sich inzwischen nicht nur so weit von katholischer und orthodoxer Lehre, sondern von der Lehre Jesu Christi selbst entfernt, befreit (?) bzw. diese uminterpretiert, dass sich ganz logisch die weitere Frage stellt - und das beabsichtigt provozierend und offensiv - ob sie noch christlich im ursprünglichen Sinne sind. Ich bezweifle das. Viel eher erinnern sie mich an "Freikirchen", oder noch besser, um dieses Wort an dieser Stelle aus der Taufe zu heben: "Zeitkirchen". Aus der Zeit sind sie entstanden, mit der Zeit gehen sie und mit der Zeit werden sie.......

Und auf diesen Weg wollen uns also auch die "katholischen" Theologen deutscher Sprache führen (der Begriff wurde beabsichtigt apostrophiert). Natürlich, dort, wo alle ihre Forderungen erfüllt sind, erkennen wir ja blühendes, lebendiges und harmonisches Glaubensleben, einen wahren Frühlingsausbruch christlichen Geistes [sic]! Der oft zitierte Ausspruch - auch hier sei er verwendet - ist schon wahr: Wer mit dem Zeitgeist verheiratet ist, der wird bald verwitwet sein. Diese baldige Witwe erkennen wir an obigem Beispiel. Dem absehbaren Trauerzug sollten wir nicht folgen. Aber wir sollten ihr unser ehrliches Mitgefühl zum Ausdruck bringen.

Hannes Marcel Bichler ist Mitglied auf Lebenszeit der katholischen Görres-Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaft und Vortragender und Autor von Artikeln und Kommentaren in periodischen Medien zu den Themen Geschichte, Kirche und Gesellschaft.

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