09 Februar 2011, 14:14
Motu proprio zur Liturgie steht vor der Veröffentlichung
 
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Benedikt XVI. legt Hand an die ‚Reform der Reform’ der Liturgie und organisiert die Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentendisziplin neu. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) In den kommenden Wochen wird ein Dokument veröffentlicht werden, mit dem Papst Benedikt XVI. die Zuständigkeitsbereiche der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentendisziplin neu ordnen wird. Dies bestätigte der Direktor des vatikanischen Presseamtes, P. Federico Lombardi SJ, am heutigen Mittwoch. Der Kongregation wird in der Form eines Motu proprio die Aufgabe der Förderung einer Liturgie übertragen, die den Absichten des II. Vatikanischen Konzils entspricht. Ziel ist es, willkürlichen Änderungen und Kreativitäten in der Liturgie Einhalt zu bieten und die Dimension einer größeren Sakralität neu zu betonen.

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Das Motu proprio legt fest, dass die bisher bei der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentendisziplin liegenden Kompetenzen hinsichtlich der Ehenichtigkeitsprozesse bei geschlossenen, aber nicht konsummierten (vollzogenen) Ehen in den Zuständigkeitsbereich des Gerichts der Sacra Rota Romana übertragen werden. Dies bedeutet, dass sich die Kongregation in Zukunft nicht mehr mit den Sakramenten auseinandersetzen wird, sondern ihre Tätigkeit ausschließlich auf den Bereich der Liturgie konzentriert. Dies kann auch eine Änderung des Namens der Kongregation in „Kongregation für die Heilige Liturgie“ mit sich führen.

Laut inoffiziellen Angaben soll sich ein Abschnitt des Motu proprio ausdrücklich auf die „neue liturgische Bewegung“ beziehen, von der der Präfekt der Kongregation, Antonio Kardinal Cañizares Llovera, im Dezember 2010 in einem Interview gesprochen hatte (kath.net berichtete). Wichtig und notwendig sei, was der Papst wünsche, so Cañizares Llovera damals: „Eine neue, eindeutige und starke liturgische Bewegung in der ganzen Kirche ins Leben zu rufen“. Denn mit der Beziehung zur Liturgie entscheide sich das Schicksal des Glaubens und der Kirche. Eine neue liturgische Bewegung war zudem Thema der Ansprache des Kardinals während des nichtöffentlichen Teils des Konsistoriums vom November 2010 zur Ernennung der neuen Kardinäle.

Zur Liturgiereform nach dem II. Vatikanischen Konzil hatte Kardinal Cañizares Llovera im Dezember 2010 weiter erklärt, dass diese trotz guter Absichten leider mit großer Eile und vorschnell verwirklicht worden sei. Es habe an Zeit gemangelt, „um die Lehren des Konzils anzunehmen und zu verinnerlichen“. Die Art der Zelebration sei „mit einem Schlag“ geändert worden.

Die Reform sei als ein Menschenwerk verstanden worden, wobei viele gedacht hätten, dass die Kirche ein Werk der Hände des Menschen und nicht Gottes sei. „Die liturgische Erneuerung ist wie eine Forschung im Labor gesehen worden, Ergebnis der Vorstellungskraft und der Kreativität: magisches Wort jener Zeit“.

„Die Liturgie, und das ist eine Tatsache“, so der Kardinal, „ ist durch willkürliche Deformationen verletzt worden, die auch von der Säkularisierung verursacht wurden, welche leider auch im Innern der Kirche ihre Auswirkungen hat“. Folge sei, dass in vielen Feiern nicht mehr Gott, sondern der Mensch, sein Handeln als Hauptakteur, sein kreatives Wirken und die der Versammlung gegebene Hauptrolle im Mittelpunkt stünden.

Sowohl Joseph Kardinal Ratzinger als auch jetzt Benedikt XVI. hatten in der Vergangenheit immer wieder die liturgischen Missbräuche beklagt und auf die Wichtigkeit hingewiesen, dass der Glaube der Kirche in der Art und Weise des Betens entdeckt wird, dies nach dem antiken Wort: „lex credendi“ ist gleich „lex orandi“ ist gleich „lex celebrandi“. Seit Beginn des Pontifikats war immer mehr eine „sanfte Reform“ der Liturgie durch das Tun Benedikts XVI. und seine Art der Zelebration sichtbar: angefangen beim Altarkreuz, auf das hin wieder das Gebet der Kirche ausgerichtet ist, über die erste Einführung der Mundkommunion für alle, die vom Papst die Kommunion überreicht bekommen, bis hin zur jüngsten Bestimmung, dass bei Papstmessen im Petersdom die Mundkommunion die Regel darstellt.

Benedikt XVI. veranlasste, dass alle Mittel genutzt werden, um die hohe Sakralität der Feier zum Ausdruck zu bringen. Dazu gehört unter anderem auch der Baldachin, der bei einer Sakramentenprozession vor und nach der eucharistischen Anbetung wieder zur Anwendung kam. Auch den Zeiten der Stille wird während der Feier der Messe mehr Raum gegeben. Der Gregorianische Choral und die lateinische Liturgiesprache haben wieder volles Bürgerrecht gewonnen. Die „sanfte Reform“ Benedikts XVI. war bisher eine Reform des Beispiels, die durch das kommende Motu proprio eine entscheidende Stärkung erfahren wird.

Die Zeit der die Liturgie und der mit ihr den Glauben verletzenden Umtriebe im Namen einer vermeintlichen Kreativität des Machens geht zu Ende. Es wird abzuwarten sein, wie die Bischöfe, Priester und Gläubigen dem Ansinnen des Papstes folgen werden und mit ihm erkennen: an der Liturgie entscheidet sich die Zukunft des Glaubens und der Kirche.


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