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08 Februar 2011, 09:47
In der Dialogfalle

Die Kirche ist keine Demokratie. Die Kirche ist auch keine Monarchie. Sie ist, wie Kölns Kardinal Meisner einmal formuliert hat, eine Christokratie – und zwar eine absolute. Von Oliver Maksan / Die Tagespost

München (kath.net/DieTagespost) Laut krachend ist sie am Freitag zugeschnappt: die Dialogfalle, die sich die deutschen Bischöfe im Herbst mit dem angekündigten „Dialogprozess“ ohne Not selbst gestellt haben. Denn mit dem Memorandum mit seinem altbackenen, wirren Themenkatalog – da finden sich präzise Forderungen wie die nach der Frauenordination neben bewusst nebulösen wie der Forderung von Frohbotschaft statt Drohbotschaft – haben die Theologen nur beherzt die ausgestreckte Hand ergriffen, die die Bischöfe unter dem Eindruck der Missbrauchskrise jedem so treuherzig entgegengestreckt haben. Heil werden die Oberhirten aus dieser Falle nicht herauskommen. Schon gar nicht mit der butterweichen Erklärung durch den Sekretär der Bischofskonferenz, die zwar partiellen Klärungsbedarf sieht, das akademische Manöver ansonsten aber als Beitrag zum Dialogprozess begrüßt.

Es hilft freilich nicht, den Ball vor dem Papstbesuch möglichst flachhalten zu wollen. Er liegt schon längst im eigenen Tor. Denn mit dem Dialogprozess haben die Bischöfe einer weiteren Parlamentarisierung der Kirche nach dem Modell von Regierung und Opposition Vorschub geleistet. Wie anders auch sollen die Zölibatsbrief und Memorandum tragenden Politfunktionäre und Gremientheologen Dialog verstehen. Sie sprechen keine andere Sprache als die, die sie auf Parteitagen und in Kommissionen gelernt haben: Wind zu machen und Mehrheiten zu organisieren. Dialog mit seinen mindestens zwei Seiten oder Parteien funktioniert in realen und das heißt immer auch machtpolitischen Lagen nur leidlich. In der Kirche ist das nicht anders. Das macht die dem Zeitgeist völlig erlegene EKD vor. Bibeltreue Protestanten bilden in deren Synode mittlerweile eine nurmehr marginale Fraktion, die zudem auf die mediale Schützenhilfe verzichten muss, deren sich die Käßmänner ihrer Kirche erfreuen. Dass auch die katholischen Demokratisierer das politisch-mediale Zusammenspiel beherrschen, haben sie mit ihrer geschickten Nutzung von FAZ und Süddeutscher Zeitung eindrucksvoll vorgeführt.

Es wird den deutschen Oberhirten nicht gelingen, dem Papst bei seinem Besuch Potemkinsche Dörfer einer gemeinsam und im Herrn um den rechten Weg ringenden Ortskirche zu präsentieren. Insofern sorgt das Memorandum für mehr Ehrlichkeit. Zusammen mit dem Politikerbrief hat es die innere Spaltung der Kirche in Deutschland manifest werden lassen. Nicht als ob es dazu noch der Beweise bedurft hätte. Die liefern Theologen, Ordinariate und Bildungshäuser mit ihrer seit Jahrzehnten eingeübten Obstruktionspolitik gegen jede echte Erneuerung in Gemeinschaft mit der Weltkirche verlässlich. Von wenigstens atmosphärischem Schisma zu sprechen ist angesichts kaum verhohlener Ankündigung deutscher Sonderwege neuerdings aber weniger verstiegen denn je zuvor.

Die Bischöfe müssen deshalb vor allem eines klarmachen: Die Kirche ist keine Demokratie. Gäbe es Abstimmungen im Kirchenvolk, würden die Modernisierer wohl satte Mehrheiten einfahren. Die Kirche ist auch keine Monarchie. Sie ist, wie Kölns Kardinal Meisner einmal formuliert hat, eine Christokratie – und zwar eine absolute. Durch eine Protestantisierung der katholischen Kirche aber – und um nichts anderes geht es – kommt man der Königsherrschaft Christi keinen Schritt näher.

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