04 Februar 2011, 11:05
US-Präsident schöpft Kraft und Demut aus dem Gebet
 
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Nationales Gebetsfrühstück: Obama betet für Ende der Gewalt in Ägypten – Obama: Ich habe 'Jesus Christus kennengelernt und ihn als meinen Herrn und Heiland angenommen.'

Washington (kath.net/idea) US-Präsident Barack Obama hat das Gebet als Quelle der Kraft und der Demut für seine politischen Aufgaben bezeichnet. Für ihn sei das Leben mit Gott die erste und wichtigste Aufgabe. So bitte er am Morgen Gott um die Stärke, das Land gerecht zu führen. Am Abend bete er um die Vergebung seiner Sünden, sagte er beim Nationalen Gebetsfrühstück am 3. Februar in Washington.

An der jährlichen Zusammenkunft von rund 3.000 Führungspersonen aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Religion aus 160 Ländern nimmt seit 1953 auch der jeweils amtierende US-Präsident teil. Obama rief zum Gebet für den Nahen Osten und Ägypten auf. Er bete dafür, dass die Gewalt ende und bessere Zeiten für das Land heraufziehen. Der 49-jährige Präsident schilderte bei dem Gebetsfrühstück seinen Glaubensweg. Er komme nicht aus einer besonders religiösen Familie; sein Vater, den er kaum gekannt habe, sei kein gläubiger Mensch gewesen; seine Mutter habe organisierter Religiosität skeptisch gegenüber gestanden, aber Werte wie Ehrlichkeit, Freundlichkeit, Fleiß und Gerechtigkeit gelebt. Und doch hätten ihm Kirchen den Weg zum Glauben eröffnet, als er vor mehr als 20 Jahren nach seinem Studium in sozialen Projekten in Armenvierteln Chicagos mitgearbeitet habe. „Dort habe ich Jesus Christus kennengelernt und ihn als meinen Herrn und Heiland angenommen“, sagte Obama.

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Obamas Glaube in Frage gestellt

Die zwei Jahre seiner Präsidentschaft hätten seinen Glauben vertieft. Er sei froh, dass er im Gebet nicht allein sei: Zum einen kämen immer wieder Geistliche ins Weiße Haus, um mit ihm zu beten, zum anderen gebe es Gebetskreise im ganzen Land, die für ihn vor Gott einstünden. Der Glaube trage ihn und seine Ehefrau Michelle, auch wenn er manchmal in Frage gestellt werde. Bei einer Umfrage des Pew-Forschungsinstituts (Washington) im vorigen September hielten 18 Prozent der Befragten Obama für einen Muslim und 34 Prozent für einen Christen. Wie der Präsident weiter ausführte, bete er besonders dafür, dass er Politik für die Benachteiligten und Armen machen könne. Er wolle die soziale Arbeit von Kirchen und Religionsgemeinschaften unterstützen, aber er sei der festen Überzeugung, dass auch der Staat und die Politik für Gerechtigkeit und Hilfe für die Armen einstehen müssten. Das Beten lehre ihn auch Demut - nämlich die Erkenntnis, dass niemand allein alle Antworten habe. Schließlich lenke das Gebet den Blick über das irdische Leben mit seinem Streben nach Macht und Geld hinaus auf Gott.

Attentat: Verwundeter Abgeordneten geht es besser

Obama rief auch zum Gebet für die bei einem Attentat am 8. Januar in Tucson (Bundesstaat Arizona) schwer verletzte Kongressabgeordnete Gabrielle Giffords auf. Ihr Ehemann, der Astronaut Mark Kelly, teilte den Teilnehmern des Gebetsfrühstücks mit, dass es seiner Frau jeden Tag etwas besser gehe. Die 40 Jahre alte demokratische Politikerin hatte einen Kopfschuss erlitten. Der Attentäter, Jared Lee Loughner (22), hatte in einem Einkaufszentrum mit einer halbautomatischen Waffe um sich geschossen. Sechs Personen wurden getötet und 14 teilweise schwer verletzt.

Chilenischer Bergarbeiter dankt Gott für Rettung

Der mit weiteren 32 Bergleuten 2010 in einem chilenischen Bergwerk verschüttete Arbeiter José Enriquez berichtete beim Gebetsfrühstück von seiner Rettung. Nach 52 Tagen Gefangenschaft unter Tage konnten am 9. Oktober 2010 alle Bergleute ans Tageslicht gebracht werden. Dies sei ein Wunder Gottes gewesen, so Enriquez. Die Bergleute hätten unter Tage um Rettung gebetet und so Gottes Gegenwart und Beistand erfahren. So sei es für die verschütteten Bergleute ein großer Segen gewesen, dass jeder von ihnen unter Tage neben Nahrung und Medikamenten von den Rettungskräften eine Bibel erhalten habe. Enriquez: „Gott war mit uns, er lehrte uns, versöhnte uns und stärkte uns.“ Nach ihrer Rettung hätten sie zusammen auf Knien gebetet und Gott gedankt.

Hollywood-Drehbuchautor: Gott erhört Gebete
Der Hollywood-Drehbuchautor Randall Wallace („Braveheart“, „Pearl Harbour“) erinnerte daran, dass man jeden Moment im Leben nutzen könne, um zu beten. Wer sein Herz für Gott öffne und die eigene Schwachheit bekenne, bekomme von ihm neue Kraft. Gott erhöre Gebete. Er selbst habe in einer ausweglos erscheinenden Lebenssituation Gott auf Knien um Hilfe gebeten und diese erfahren.
Kritik von Homosexuellen-Verbänden

Kritik am Nationalen Gebetsfrühstück übten wie im vergangenen Jahr Vertreter der Homosexuellen-Bewegung. Sie werfen den Organisatoren vor, in Verbindung mit Politikern aus Uganda zu stehen, die dort Gesetze gegen Homosexualität verschärfen wollen. Mit dem Tode bestraft werden soll demnach jeder, der mit unter 18-Jährigen oder mit Behinderten homosexuell verkehrt, oder wer als HIV-Infizierter Geschlechtsverkehr hat. Kürzlich wurde in Uganda der Homo-Aktivist David Kato getötet. Der schwule anglikanische Bischof Gene Robinson (Concord/Bundesstaat New Hampshire) rief die Organisatoren des Gebetsfrühstücks auf, auch für Kato zu beten.

Deutschland: Gebetsfrühstücke in Bund und Ländern

Das Nationale Gebetsfrühstück fand zum 59. Mal statt. Regelmäßig treffen sich in Washington Parlamentarier zu Frühstück, Bibellesungen und Gebet. Diese Idee wurde in mehr als 180 Staaten aufgegriffen. Zur deutschen Delegation beim diesjährigen Gebetsfrühstück gehörten der Europa-Abgeordnete Michael Theurer (FDP), die Bundestagsabgeordneten Frank Heinrich, Volkmar Klein, Johannes Selle (alle CDU), Kerstin Griese (SPD) und Patrick Meinhardt (FDP). Außerdem waren dabei: der bayerische Staatsminister Joachim Herrmann (CSU), der Vizepräsident des niedersächsischen Landtags, Hans-Werner Schwarz (FDP), die niedersächsische Landtagsabgeordnete Dorothée Prüssner (CDU), das Mitglied der Hamburger Bürgerschaft Marino Freistedt (CDU), die sächsische Landtagsabgeordnete Gisela Kallenbach (Bündnis 90/Die Grünen) sowie das Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses, Christian Gaebler (SPD). Das überfraktionelle Gebetstreffen im Deutschen Bundestag wird geleitet von den Abgeordneten Anette Hübinger (CDU), Dietmar Nietan (SPD) und Patrick Meinhardt (FDP). 1979 hatte der ehemalige CDU-Landtagsabgeordnete Rudolf Decker (Böblingen) zusammen mit dem Verleger Friedrich Hänssler die Gebetsfrühstücke in Deutschland eingeführt. Mittlerweile kommen auch in den Landtagen von Hamburg, Schleswig-Holstein, Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen regelmäßig Parlamentarier zu Gebet, Bibellese und Gedankenaustausch zusammen.

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