16 Dezember 2010, 12:30
Weitere Probleme mit der neokatechumenalen Bewegung in Japan?
 
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Die Bischöfe Japans zum dritten Mal zu Beratungen bei Benedikt XVI. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Am vergangenen 13. Dezember empfing Papst Benedikt XVI. einige japanische Bischöfe, unter ihnen den Vorsitzenden der Bischofskonferenz von Japan, Erzbischof Leo Juni Ikenaga von Osaka, in Audienz. Die Bischöfe hatten den Papst um eine Unterredung gebeten, um über die großen Probleme zu sprechen, zu denen es in den letzten Jahren aufgrund der Anwesenheit und Aktivität der Bewegung des neokatechumenalen Wegs in Japan gekommen war. An dem zweistündigen Gespräch nahmen nach Angaben des Erzbischofs von Osaka auch Kardinalstaatsekretär Tarcisio Bertone sowie weitere Kardinäle der römischen Kurie teil. Ikenaga äußerte sich nicht zu den behandelten Inhalten.

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Erzbischof Ikenaga erklärte, dass weitere Gespräche der japanischen Bischöfe mit dem Vatikan und dem Gründer der neokatechumenalen Bewegung, Kiko Arguello, notwendig seien. Die Bischöfe Japans müssten einen Plan zur weiteren Verfahrensweise machen: „Wir müssen langsam vorgehen“, so Ikenaga gegenüber dem amerikanischen „Catholic News Service“.

Bereits während des Ad-limina-Besuchs der japanischen Bischofskonferenz im Dezember 2007 hatten die japanischen Oberhirten dem Papst und den zuständigen vatikanischen Dikasterien von „schwerwiegenden Problemen“ mit der Präsenz der neokatechumenalen Bewegung im Land sowie mit dem Diözesanseminar „Redemptoris Mater“ von Takamatsu berichtet. Die „stark sektenähnlichen“ Aktivitäten des „neokatechumenalen Wegs“ hätten sich als „spaltend und konfliktschaffend“ erwiesen, so eine Mitteilung der Bischofskonferenz vom 18. Dezember 2007. Erzbischof Takeo Okada, der damalige Präsident der Bischofskonferenz, hatte in seiner Ansprache an den Papst von einem „ernsten Problem“ gesprochen und Benedikt XVI. um seine dringend benötigte Hilfe gebeten.

Am 25. April 2008 wurden erneut einige japanische Bischöfe beim Papst vorstellig, da sich die Situation verschärft hatte. Bischof Francis Osamu Mizobe von Takamatsu und der diözesane Pastoralrat beantragten aufgrund von Bedenken hinsichtlich einer Schädigung der Einheit der kleinen katholischen Gemeinde von Japan die Schließung des neokatechumenalen Diözesanseminars sowie eine Beendigung dessen Ausbildungstätigkeit.

Am 31. Mai ordnete Kardinal Bertone an, alle Aktivitäten hinsichtlich der Schließung des Seminars vorläufig einzustellen, da der Papst beschlossen habe, das Problem einer neuen Untersuchung zu unterziehen. Im Juni 2008 wurde dann die Schließung des Seminar verfügt, nachdem Kardinal Bertone der Bischofskonferenz mit einem Schreiben vom 26. des Monats die Entscheidung des Heiligen Stuhls über die Zukunft des Seminars mitgeteilt hatte. Das Schreiben Bertones antwortete auf einen Antrag auf eine päpstliche Entscheidung aufgrund der Probleme mit der neokatechumenalen Präsenz, den die Vollversammlung der japanischen Bischofskonferenz am 6. Juni gestellt hatte.

Die römische Entscheidung artikulierte sich in vier Punkten. Studenten und Mitarbeiter des Seminars sollten nach Rom versetzt werden, dies „als Ausdruck der väterlichen Fürsorge des Heiligen Vaters, verbunden mit der Zuversicht, dass es in Zukunft weiterhin zur Evangelisierung Japans in einer für dieses Ziel am meiste geeigneten Weise beitragen wird“.

Da die rund 25 in Japan tätigen Priester des neokatechumenalen Wegs „als Folge dieser Entscheidung verschiedenen Schwierigkeiten begegnen können“, werde die Kongregation für die Evangelisierung der Völker einen für diese Problematik zuständigen Vikar einsetzen, der in Zusammenarbeit mit den Bischöfen die verschiedenen Fragen hinsichtlich der Präsenz und des Dienstes dieser Priester betreuen werde.

Zum dritten wird bekräftigt: Obwohl das Seminar von Takamatsu nach Rom verlegt werde, behalte es seine Verbindung mit Japan bei. Es sollte „Seminar Redemptoris Mater für Japan“ genannt werden. Der emeritierte Bischof von Oita, Takaaki Hirayama, solle als Rektor eingesetzt werden.

Abschließend erklärte Kardinal Bertone, dass das Seminargebäude erhalten und eine Lösung für dessen Verwaltung und „zeitliche“ Nutzung gefunden werden sollte. Aufgrund der Rede von „zeitlicher Nutzung“ blieb unklar, ob dies eine eventuelle Rückkehr des Seminars nach Takamatsu einschließt.

Bis zur Umsetzung der vier genannten Punkte hatte der Papst darum gebeten, dass Bischof Mizobe von Takamatsu den gegenwärtigen Stand des Seminars fortsetzt.

Der damalige Präsident der japanischen Bischofskonferenz, Erzbischof Takeo Okada, kommentierte im Jahr 2008 das Schreiben, indem er dem Papst seine Dankbarkeit für dessen Sorge und Leitung zum Ausdruck brachte. Die Bischofskonferenz sicherte der Diözese Takamatsu ihre volle Zusammenarbeit zu und begrüßte die Entscheidung, Bischof Hirayama als Rektor einzusetzen.

Am 7. März 2009 kündigte Bischof Mizobe von Takamatsu in einer Botschaft zur Fastenzeit formell die Schließung des Seminars „Redemptoris Mater“ an. Der Bischof lud die Gläubigen seiner Diözese zur Mitarbeit an dieser Entscheidung ein. Laut einer Pressemitteilung der japanischen Bischofskonferenz aus demselben Monat zeigte sich die neokatechumenale Bewegung als nicht einverstanden mit der Entscheidung der Schließung des Seminars.









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