14 Dezember 2010, 11:12
Türkei: Bischof sieht 'Manipulation' im Padovese-Mordprozess
 
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Bischofskonferenz-Vorsitzender Ruggero Franceschini versteht nicht, weshalb Justiz ihn nicht befragt, obwohl er mutmaßlichen Täter "gut kennt"

Paris-Ankara, (kath.net/KAP) Der Vorsitzende der Türkischen Bischofskonferenz, Erzbischof Ruggero Franceschini (Izmir), hat "Manipulationen" im Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder von Bischof Luigi Padovese (Iskenderun) kritisiert.

Dem des Mordes beschuldigten Murat Altun war vor kurzem von türkischen Ärzten die Unzurechnungsfähigkeit bescheinigt worden; die Psychiatrische Klinik Adana diagnostizierte "geistige Umnachtung". Für Franceschini steht diese Diagnose allerdings in eklatantem Widerspruch zu einem Befund, den Altun zwei Tage vor der Tat am 3. Juni vom gleichen Spital erhalten hatte: Darin sei Altun "vollkommene mentale Gesundheit" bescheinigt worden, so Franceschini laut einem Bericht der französischen Tageszeitung "La Croix" (Montag-Ausgabe).

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Padovese war Bischof in Iskenderun und zum Tatzeitpunkt auch Vorsitzender der Türkischen Bischofskonferenz gewesen. Laut Ermittlungen war er von Murat Altun, seinem Fahrer, umgebracht worden. Padaoveses italienischer Landsmann Erzbischof Ruggero Franceschini - er gehört wie der Ermordete dem Kapuzinerorden an - bezweifelt, "ob die Justiz sich wirklich darum bemüht, die Wahrheit über den Mord herauszufinden".

Er habe Altun sehr gut gekannt, so Franceschini laut "La Croix". Denn Altun sei vor seiner Übersiedlung nach Iskenderun Gärtner am Bischofsitz Francheschinis gewesen. Er, Franceschini, sei es sogar gewesen, der Padovese die Anstellung Altuns empfohlen habe. Umso befremdlicher sei es, dass das die türkische Justiz nicht interessiere: "Mich selbst hat bisher noch niemand befragt", so Franceschini wörtlich: "Wir haben keinerlei Möglichkeit, unsere Sicht der Dinge darzulegen."

Der kirchliche Anwalt Ercan Eris sieht den "militanten Islamismus" hinter dem Mord an Padovese. Ersi forderte die Behörden auf, ihre Ermittlungen in diese Richtung auszuweiten. Der 26-jährige Murat Altun hatte gleich nach der Tat gestanden, Padovese in dessen Haus die Kehle durchgeschnitten zu haben. Er sitzt seit der Tat in Untersuchungshaft und wartet auf seinen Prozess.

Gegen das ärztliche Gutachten legte die zuständige Staatsanwaltschaft Zeitungsberichten zufolge Einspruch ein. Die Expertise soll nach dem Willen der Anklagebehörde nun Experten in Istanbul vorgelegt werden. Altuns Anwalt verlangt hingegen die sofortige Freilassung seines Mandanten aus der Untersuchungshaft und die Überweisung in ein Krankenhaus. Schließlich hätten die Ärzte Altuns Schuldunfähigkeit festgestellt.

Nach dem Mord an Bischof Padovese war über mögliche politische Motive für die Gewalttat diskutiert worden, einige türkische Medien lancierten auch das Gerücht über eine angebliche homosexuelle Beziehung. In den vergangenen Jahren waren mehrere Christen in der Türkei von türkischen Nationalisten ermordet worden.

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