14 November 2010, 12:10
Wien: Rund 3.000 Teilnehmer bei Demonstration für Christen im Irak
 
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Auch Weihbischöfe Scharl und Laun bei Veranstaltung im Gedenken an Opfer des islamistischen Überfalls auf syrisch-katholische Kathedrale von Bagdad im Oktober

Wien (kath.net/KAP) Rund 3.000 aus dem Irak stammende Christen unterschiedlicher Konfession haben sich am Samstag in Wien an einer Solidaritätsdemonstration für die Christen im Zweistromland beteiligt. An der Kundgebung im Gedenken an die mehr als 50 Opfer des islamistischen Überfalls auf die syrisch-katholische Kathedrale von Bagdad am 31. Oktober nahmen auch politische und kirchliche Vertreter, darunter die Weihbischöfe Franz Scharl und Andreas Laun sowie "Pro Oriente"-Präsident Hans Marte, Teil. Vom Stephansplatz zog die Demonstration zur irakischen Botschaft in der Johannesgasse. Dort formierte sich eine Prozession zur Karlskirche, wo Weihbischof Laun einem Totengedenken für die christlichen Opfer des islamistischen Terrors im Irak vorstand, teilte die Erzdiözese Wien in einer Aussendung mit.

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Bei der Demonstration wurden zahlreiche Plakate mitgetragen; eines bezog sich ausdrücklich auf die blutigen Verfolgungen durch die damalige osmanische Regierung während des Ersten Weltkriegs: Die mit Wien und Berlin verbündete Regierung in Konstantinopel wurde damals von der jungtürkischen Bewegung für Einheit und Fortschritt (Ittihad ve Terakki) gestellt. "Der Genozid - Seyfo - von 1915 wiederholt sich", war am Transparent zu lesen. Mit dem Begriff "Seyfo" (Schwert) bezeichnen Christen im östlichen Anatolien und Mesopotamien die von der osmanischen Regierung generalstabsmäßig durchgeplante Verfolgung ab 1915, die sich bis in die frühen 20er Jahre hinzog.

Die Teilnehmer trugen auch Fahnen der Assyrischen Nationalbewegung und das Emblem des "Sterns von Assur" mit, der für den Stern von Bethlehem steht und auch ein Symbol des Namens Jesu ist.

Zur Veranstaltung hatten die Wiener Pfarrgemeinden der chaldäisch-katholischen Kirche, der Apostolischen Kirche des Ostens und der syrisch-orthodoxen Kirche gemeinsam mit Kultur-, Sport- und politischen Organisationen der in Österreich lebenden Christen aus Ostanatolien und Mesopotamien geladen.

"Angriffe nehmen kein Ende"

"Alle Kirchen, Institutionen und Vereine der Christen aus Mesopotamien in Österreich trauern mit den Familien der Opfer vom 31. Oktober und verurteilen diesen unmenschlichen Angriff der Terroristen", hieß es in einer Erklärung der Veranstalter. Es sei nicht das erste Mal seit 2003 gewesen, dass Kirchen im Irak angegriffen wurden. Begonnen habe es am 1. August 2004, als fünf Kirchen in Bagdad und Mossul während der Sonntagabendmesse attackiert und Dutzende von Menschen getötet oder verletzt wurden. "Seitdem nehmen die Angriffe auf christliche Bürger, auf Priester und Bischöfe, auf christliche Gotteshäuser kein Ende mehr", so die Veranstalter. Sowohl die irakische Regierung als auch die Koalitionstruppen seien Zeugen dieser Grausamkeiten - trotzdem habe es bisher keine wirksamen Sicherheitsvorkehrungen gegeben.

Die Demonstranten appellierten an Bundesregierung und Nationalrat, Solidarität mit den Christen im Irak zu zeigen und sie in ihrem Überlebenskampf zu unterstützen. Eine schnelle politische Reaktion könne den internationalen Druck erhöhen, damit die Christen im Irak - und auch andere religiöse Minderheiten - im Nahen Osten bleiben und in Sicherheit leben können. Das "systematisch organisierte Massaker" im Irak müsse gestoppt werden, eine internationale Kommission solle die "geplante ethnische Säuberung" im Irak untersuchen und eine entsprechende Strategie ausarbeiten.

Eine ähnliche Demonstration wie in Wien hatte Samstagvormittag in Brüssel stattgefunden; laut Medienberichten waren dort rund 4.000 Teilnehmer gekommen. Weitere Demonstrationen waren am Sonntag in Paris und Stockholm geplant.

Der heutige Irak war ursprünglich eines der Kernländer der orientalischen Christenheit. Die Apostolische Kirche des Ostens - deren Patriarch zunächst in Seleukia-Ktesiphon und dann in Bagdad seinen Sitz hatte - trug die Botschaft des Evangeliums in den Iran, nach Zentralasien, auf die arabische Halbinsel, nach Indien, China, Japan und Indonesien.





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