14 Oktober 2010, 16:47
'Apocalypse now' – Der Weg der Kirche
 
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Anmerkungen zur denkwürdigen Ansprache, mit der Papst Benedikt XVI. die Sonderversammlung der Bischofssynode eröffnet hat. Der Glaube des einfachen Menschen ist die wahre Weisheit, die die Kirche rettet. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Am Montag, den 11. Oktober, eröffnete Papst Benedikt XVI. die Arbeiten der Sonderversammlung der Bischofssynode für den Nahen Osten mit einer Betrachtung, der auch die Schriftlesungen des Gebets der Terz zugrunde lagen. Gleichzeitig ist der 11. Oktober der Tag, an dem Papst Johannes XXIII. im Jahr 1962 das II. Vatikanische Konzil eröffnet hatte – am von Papst Pius XI. eingerichteten Fest der Gottesmutterschaft Mariens, das mit der Neuordnung des liturgischen Kalenders im Zuge der Liturgiereform Pauls VI. auf den 1. Januar gelegt worden ist.

Benedikt XVI. nutzte die Gelegenheit, um die Synodenväter und die ganze Kirche an einer außerordentlichen Reflexion Anteil haben zu lassen, die einen weiteren Markstein in der Geschichte dieses prophetischen Pontifikats darstellt. Der Papst führt hin – zum Wesentlichen. Er umreißt die universale metaphysische Dimension des Christentums, das Mensch, Welt und Kosmos umgreift. Er macht deutlich, dass das Christentum keine Religion im herkömmlichen Sinn des Wortes ist, sondern das alle Strukturen des Seins durchdringende Ereignis, in dessen Mittelpunkt das höchste Geheimnis zu stehen kommt: der Gott, der aus einer Frau geboren werden wollte, das „Abenteuer Gottes“, wie er es am Montag nannte.

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Das Geheimnis Mariens als der Gottegebärerin – Dei genetrix – Theotókos – erhellt dieses Abenteuer: Gott „ist nicht in sich geblieben: er ist aus sich herausgegangen, er hat sich so sehr, so radikal mit diesem Menschen vereint, mit Jesus, dass dieser Mensch Jesus Gott ist, und wenn wir von ihm reden, können wir immer auch von Gott reden“, so der Papst. Der Mensch wird in das innerste Geheimnis der Dreifaltigkeit hineingezogen; sein Sein wird zu „In-Beziehung-Sein“ mit Gott, dem Schöpfer, dem Urgrund, dem Herrn über alle Mächte und Ziel des ganzen Kosmos.

Nicht genug damit: Maria ist „nicht nur“ Gottesgebärerin, sondern „mater Ecclesiae“, da sie die Gebärerin dessen ist, der geboren werden sollte, um alle Menschen an sich zu ziehen. Der Moment der Geburt des Sohnes Gottes ist, so der Papst, der Anfang der Vereinigung, des Aufbaus seines Leibes, der heiligen Kirche. Die Mutter des „Theós“, die Mutter Gottes, „ist die Mutter der Kirche, weil sie die Mutter dessen ist, der gekommen ist, um uns alle in seinem auferstandenen Leib zu vereinen“.

Und gerade dieser Zusammenhang führte Benedikt XVI. dazu, seinen Blick auf die „Apokalypse“, die Offenbarung des Johannes zu richten, wo im zwölften Kapitel eben diese Synthese aufgeführt wird, als die „mulier amicta sole“, die „mit der Sonne bekleidete Frau“ niederkommt und unter großen Schmerzen gebiert. Das Geheimnis Mariens ist, wie Benedikt XVI. erklärt, das auf das kosmische Geheimnis hin ausgeweitete Geheimnis von Bethlehem. In allen Generationen wird Christus so immer von neuem geboren: „Und diese kosmische Geburt wird verwirklicht im Schrei am Kreuz, im Schmerz der Passion. Und zu diesem Schrei am Kreuz gehört das Blut der Märtyrer“.

Nun ist es Benedikt XVI. möglich, einen Blick auf die Macht der Götzen und die Entmachtung der falschen Gottheiten zu werfen. Diese Entmachtung sei ein schmerzhafter Prozess, und gerade in der Offenbarung des Johannes werde es möglich zu erkennen, dass der „Fall der Engel“ jene Engel betreffe, die weder Engel noch Götter sind. Das Blut der Märtyrer, das Leiden der Zeugen Christi, „der Schrei der Mutter Kirche“ lasse sie stürzen und verwandle so die Welt.

Der Papst wird eindringlich: dieser Prozess ist niemals zu Ende. Er „verwirklicht sich in verschiedenen Zeiträumen der Geschichte auf immer neue Weise“. Namenlose Kapitale, terroristische Ideologien, Drogen, der von einer öffentlichen Meinung propagierte Sittenverfall sind diese falschen Götter, die sich machtvoll aufdrängen und im Schmerzensschrei der Mutter Kirche gestürzt und dem einen Herrn Jesus Christus untertan werden.

Die Apokalypse Benedikts XVI. besagt: der Papst führt hinein in den Kampf für die Entmachtung der Götzen, in den Kampf gegen die Gottesverfinsterung, so wie er im Bild der Offenbarung des Johannes beschrieben wird. Dort verfolgt der Drache, „die alte Schlange, die Teufel oder Satan heißt“, der Verführer der ganzen Welt die Frau, indem er ihr einen Strom von Wasser aus dem Rachen hinterher speit. Doch die Erde kommt der Frau zu Hilfe und verschlingt ihn, so dass er keinen Schaden mehr anrichten kann.

Der Strom, so erklärt Benedikt XVI., ist ein Bild für jene Strömungen, „die alle beherrschen und die den Glauben der Kirche verschwinden lassen wollen, für den kein Platz mehr zu sein scheint vor der Macht dieser Strömungen, die sich als einzige Vernünftigkeit aufdrängen, als einzige Lebensweise“. Die Erde dagegen ist der „Glaube des einfachen Menschen“, der die wahre Weisheit und die Kraft der Kirche ist.

Auch das „Wanken der Grundfeste dieser Erde“ (vgl. Ps 82,5) sieht Benedikt XVI. gerade in unserer Zeit, in der sich dieses Wanken zum Beispiel in den klimatischen Problemen äußert. Wichtig ist für den Papst, dass es keine Heilung rein materieller Natur gibt: „Die äußeren Grundfeste wanken, weil die inneren Grundfeste wanken, die moralischen und die religiösen Fundamente, der Glaube, aus dem sich die rechte Art zu leben ergibt“. Nur wenn der feste Glaube, die wahre Weisheit triumphieren, ist die Rettung da, wird auch die Erde wieder zur Ruhe kommen.

Was hat Benedikt XVI. da am Montag getan? Er hat (wieder einmal, wie bereits in Köln, in Regensburg, in Paris, in Fatima, zu unzähligen anderen Gelegenheiten) die Perspektive „umgeworfen“ oder vielmehr richtig eingestellt: die Perspektive der „Revolution Benedikt“, die nichts anderes als jene der „Revolution des Christentums“ ist. Genau in diesem Kontext steht auch der prophetische Fingerzeig des Papstes, der mit seinem Motu proprio „Ubicumque et semper“ – „Überall und immer“ sichtbar geworden ist. Die ehemals christliche Welt, die sich von Gott zugunsten der falschen Götter verabschiedet hat und Gefahr läuft, sich zu verlieren und der inneren und äußeren zerfressenden Öde anheim zu fallen, muss wieder dazu geführt werden, dass Gott und Christus, der eingeborene Sohn und ewige Logos – innerster Halt und Ziel des Kosmos – bekannt sind, verehrt und angebetet werden können.

„Extra Ecclesiam nulla salus“: Maria gebiert das ewige Wort, das für die Welt gekommen ist und die Beziehung zu den Menschen sucht, das für die Vielen seinen Leib und sein Blut hingegeben und so den Prozess des Kircheseins begonnen hat, jener Kirche, die sein mystischer Leib ist, ohne den die aus dem Maul des Drachens kommenden Ströme alles wegreißen und die Erde erzittern lassen würden, bevor sie zerbricht. Nichts ist mehr selbstverständlich, scheint Benedikt XVI. zu rufen. Daher muss die Menschheit sich erneut auf den Weg machen, hin zur befreienden einen Wahrheit.



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