11 Oktober 2010, 16:05
Ein neues Papstwappen
 
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Während des gestrigen Angelus war zum ersten Mal die neue künstlerische Gestaltung des Wappens Benedikts XVI. zu sehen. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Während des Gebets des Angelus am gestrigen 10. Oktober konnte zum ersten Mal die künstlerische und heraldische Neugestaltung des Wappens Benedikts XVI. bewundert werden, das das samtene „stratum“ am Fenster des dritten Stockes des Apostolischen Palastes ziert. Es handelt sich dabei um das Geschenk eines Gläubigen für Benedikt XVI. anlässlich des fünften Jahrestages des Pontifikats. Das neue Wappen wurde von der in Ferrara ansässigen Firma „Ars Regia“ hergestellt und nimmt die traditionelle Form der Papstwappen (das persönliche Wappen des Papstes, dessen Spitze eine Tiara bildet, die von einer kleinen Kugel und dem Kreuz überragt wird) wieder auf.

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Wie der damalige Erzbischof und heutige Kardinal Andrea Cordero Lanza di Montezemolo, der Schöpfer des Papstwappens, 2005 anlässlich der Vorstellung des Wappens Benedikts XVI. erklärt hatte, habe sich Benedikt XVI. damals dazu entschieden, die Tiara nicht mehr in sein persönliches offizielles Wappen aufzunehmen, sondern sie durch eine einfache Mitra zu ersetzen. „Die im Wappen dargestellte päpstliche Mitra erinnert an die Symbolik der Tiara. Sie ist silbern und trägt drei goldene Bänder..., die vertikal im Zentrum miteinander verbunden sind, um so ihre Einheit in derselben Person aufzuzeigen“, so Cordero Lanza di Montezemolo.

Das Wappen, das der heutige Kardinal geschaffen hatte, hatte bei Heraldikern und Historikern heftige Kritik ausgelöst. Die von Montezemolo vorgebrachten Argumentationen seien sehr schwer mit wissenschaftlichen Kriterien in Einklang zu bringen (vgl. Ulrich Nersinger, Liturgien und Zeremonien am Päpstlichen Hof, Bonn 2010, S. 259ff.). Die Verwendung der Mitra für ein persönliches Wappen stehe zudem im klaren Gegensatz zur Instruktion „Ut sine sollicite“ des Päpstlichen Staatssekretariats vom 31.3.1969 über Kleidung, Titel und Wappen der Kardinäle, Bischöfe und anderer Prälaten. Auch wenn sich diese Instruktion nicht direkt auf den Papst beziehe, so das Argument, bilde sie die Grundlage des kirchlichen Wappenwesens.

Von einem „absurden Wappen“ war die Rede, das ideologisch motiviert sei, eine Abwendung von der Geschichte darstelle und nur der Verbreitung theologischer Schlagwörter diene. Wie dem auch sei: durch die Neuinterpretation des Papstwappens durch Montezemolo kam es dazu, dass es heute in Rom kein einheitliches heraldisches Bild des Wappens Benedikts XVI. gibt. So ist an Titelkirchen und Basiliken einmal das von Montezemolo geschaffene Wappen zu sehen, ein anderes Mal die traditionelle Form. Unklar ist, welches nun „das richtige Wappen“ des Papstes ist.

Kann es sein, dass dieser Unordnung mit dem gestrigen Sonntag ein Ende gesetzt ist? Das neugestaltete Wappen Benedikts XVI., das nun zum ersten Mal zu bewundern war, ist ganz von Hand gestickt und stellt ein Meisterwerk aus dem Atelier für Paramente „Ars Regia“ dar. Es nimmt die Darstellung des „Triregnum“ oder der Tiara wieder auf und stellt somit die drei Gewalten des Heiligen Vaters (das Weiheamt, die Jurisdiktion und das Lehramt) in der antiken Form dar. Der äußere Teil des jetzigen Wappenschildes folgt einer Inspiration durch das Wappen des Barberini-Papstes Urban VIII., das auf den Pilastern des Baldachins über dem Petrusgrab in der Vatikanischen Basilika zu sehen ist.

Den unteren Abschluss des Wappens bildet das Pallium mit roten Kreuzen, wie es der Papst seit 2008 wieder trägt, nachdem er sein erstes Pallium, das in einem merkwürdigen Archäologismus der im Mittelalter gebräuchlichen Form nachgebildet war, aufgegeben hatte. Letzteres Pallium überbrachte Benedikt XVI. anlässlich seines Besuches im Erdbebengebiet von L’Aquila (Abruzzen) im Jahr 2009 seinem heiligen Vorgänger Coelestin V. Durch die Änderung des Palliums bedingt stellte sich auch die Notwendigkeit, in der Päpstlichen Basilika St. Paul vor den Mauern das traditionelle Papstmedaillon neu zu gestalten: das ursprüngliche erste Mosaik wurde abgeschlagen und mit der neuen „klassischen“ Darstellung Benedikts XVI. ersetzt.

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