30 September 2010, 12:02
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Was die Bischöfe nicht bemerken: Sich vor den Altären der Leitmedien und der säkularisierten Gesellschaft niederzuknien und das als besonders „mutig“ zu verkaufen, wirkt fast schon peinlich - Ein Kommentar von von Bernhard Müller / Pur-Magazin

München (kath.net)
Begeisterung bei der Kirchenvolksbewegung „Wir sind Kirche“. Sie begrüßt die von den katholischen Bischöfen Ende September in Fulda angekündigte Dialogoffensive. Der „Bund der Deutschen Katholischen Jugend“ (BDKJ) spricht von einem „Sinneswandel innerhalb der Bischofskonferenz“. Dabei sind die katholischen Oberhirten Deutschlands nur einem Vorschlag des Tutzinger Unternehmensberaters Thomas von Mitschke-Collande gefolgt, der im Vorfeld der Versammlung gefordert hatte, sie müsste „einen breiten Dialogprozess, der in eine Zukunftskonferenz“ mündet anstoßen. Die Bischöfe haben nicht nur die Idee des früheren McKinsey-Direktors übernommen, sondern auch dessen inhaltliche Vorgaben. Der Betriebswirt hatte gefordert, die Bischöfe müssten über Fragen wie die Kontrolle und Legitimation innerkirchlicher Machtausübung diskutieren lassen und weitere Themen wie „die Kommunion für Wiederverheiratete, die Sexualmoral, die Rolle der Frau und den Zugang zum Priesteramt.“

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Mit Rückdeckung von kirchlichen Laienfunktionären aus dem Verbandskatholizismus und dem Zentralkomitee der Deutschen Katholiken, kündigten die Bischöfe jetzt vollmundig Reformen an. So soll ein zweijähriger „strukturierter Dialog“ über Glaubensfragen und gesellschaftliche Themen folgen. Alles soll dann besser und neu werden. „Viele angestaute Probleme“ würden danach verschwinden ist zu hören, weil strittige Themen – so Kardinal Lehmann – „mutig und offen“ angegangen würden. Offenbar bezieht sich der angekündigte Mut, den man aufzubringen gewillt ist, einseitig Richtung Tiber. Gegenüber der säkularen Gesellschaft sucht man dagegen eine weitestgehende „Anschlussfähigkeit“. Deshalb hat Kardinal Sterzinsky schon mal dem Vatikan ein klares Signal gesendet. Er forderte die Überprüfung der Lehren und Traditionen der Kirche. Sie dürfe einerseits Gottes Wort nicht in Frage stellen andererseits müsse sie sich klar machen, dass sie nicht menschliche Regeln – „und seien sie noch so vernünftig und zielführend“ – als göttliche Weisungen ausgeben dürfe. „Auch Alter macht eine Einrichtung nicht sakrosant: Das gilt für den Einzelnen, das gilt für die Kirche“, sagte der Hauptstadt-Kardinal.

Im Hintergrund läuft schon einiges. So ist, von der Öffentlichkeit weithin unbeachtet, das strittige Thema der Empfängnisverhütung von den Bischöfen in Angriff genommen worden. Dabei ist kaum zu erwarten, dass sie von ihrem seit 40 Jahren bestehenden Dissens mit Rom abweichen werden, vielmehr will man die durch den Missbrauchsskandel verschärfte Krise der Kirche nutzen, um sich auf „neue Wege“ einzulassen. So was bringt Lob kirchlicher Laienfunktionäre, wie vom Verbandsvorsitzenden des BDKJ, Dirk Tänzler, der den Bischöfen bescheinigte, sie nähmen mittlerweile neue Lebenswelten wahr, „die nicht unbedingt der Sitten- und Morallehre der katholischen Kirche“ entsprächen. „Ich glaube, da ist wirklich was passiert“, so der Jugendfunktionär. Der frühere Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, will jetzt das Diakont der Frau, Emfängnisverhütung, die Zulassung von verheirateten Männern zum Priesteramt, die Stellung der geschiedenen Wiederverheirateten einschließlich deren Sakramentenempfang, sowie die Zulassung nichtkatholischer Christen zur Eucharistie „mit Mut angehen“.

„Mutig und offen“ seien sie, klopfen sich die Bischöfe mit ihren neu-alten Reformthemen auf die eigene Schulter. Was die Bischöfe nicht bemerken: Sich vor den Altären der Leitmedien und der säkularisierten Gesellschaft niederzuknien und das als besonders „mutig“ zu verkaufen, wirkt fast schon peinlich. Das zeigt auch die Übergabe des „Rheinischen Merkurs“ an die liberale Wochenzeitung DIE ZEIT. Der dortige Chefredakteur di Lorenzo befragt, ob seine Zeitung dadurch katholischer werde: „Ja, unbedingt – wie wir auch protestantischer und zugleich atheistischer geworden sind.“ Durch diesen Deal schimmert ein gefährliches bischöfliches Signal: „Wir sind alles!“ Der Papst verdächtigt solches Denken und Handeln längst des Relativismus.

Den Kern der Krise haben Deutschlands Bischöfe (jedenfalls einige von ihnen) immer noch nicht erfasst. Wir haben eine Glaubenskrise! Statt eines zeitgeist-orientierten Dialogaufrufs, den bald alle Pfarrgemeinden in Form eines verlesenen Briefes zu hören bekommen werden, hätten sie besser einen Gebetsaufruf gestartet. Das mag ihnen zwar altmodisch erscheinen, aber es wäre nicht nur viel moderner sondern auch wirksamer als die kirchlichen Streitthemen, die vor 40 Jahren einmal Leute wie Hans Küng und Eugen Drewermann bewegt haben, zu neuem Leben zu erwecken. Und nebenbei: ganz so fortschrittlich sind unsere Bischöfe dann doch nicht. Auf der Konferenz wurde auch beschlossen, dass man dem Wunsch Roms nicht nachkommen wolle, die Einsetzungsworte bei der Wandlung im Messbuch zu ändern. Rom wollte die Aussage „für alle“ korrekterweise in „für viele“ ersetzt wissen. Man wolle die Akzeptanz solch bewährter liturgischer Texte in den Gemeinden durch fundamentale neue Übersetzungen nicht gefährden. Das nenne ich mal konservativ. Am Alten festhaltend.

Der Kommentar erscheint als Leitartikel im neuen PUR-MAGAZIN

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