23 August 2010, 15:40
Deutschland: Viel Kritik an Bischöfen wegen Broch-Rücktritt
 
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Aus der Politik und innerkirchlich hagelt es Vorwürfe, weil viele Bischöfe Pfarrer Broch nach seinem kirchenrebellischen Interview das Vertrauen entzogen haben.

Bonn (kath.net/KAP) Auch eine Woche nach dem Rücktritt von Michael Broch als Geistlicher Direktor am "Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses" (ifp) gehen die Diskussionen über die katholische Journalistenschule weiter.

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse warf den deutschen Bischöfen mangelnde Dialogfähigkeit vor. "Um der Zukunft der Kirche willen muss die kritische Debatte möglich sein", sagte Thierse dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" (Montag). Er halte den Rücktritt Brochs für einen falschen Schritt, so der SPD-Politiker, der auch Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) ist.

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Ähnlich äußerte sich am Samstag auch ZdK-Vizepräsidentin Karin Kortmann in einem Interview mit "Deutschlandradio Kultur". Der Vorgang mache "wenig Mut, dass Bischöfe auch begriffen haben, dass sie nicht nur verbal Offenheit einfordern, sondern dass sie es auch in die Tat umsetzen müssen", sagte Kortmann. Dabei verwies sie auf die Forderung der Bischöfe nach mehr Transparenz in Folge des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche.

Vor einer guten Woche hatte die Deutsche Bischofskonferenz bekanntgegeben, dass Broch nach nur vier Monaten sein Amt als Geistlicher Direktor des ifp zur Verfügung stelle. Der 67-jährige Priester der Diözese Rottenburg-Stuttgart habe sich dazu entschieden, weil er "das nötige Vertrauen zahlreicher Bischöfe verloren" habe.

Broch sorgte im Mai in einem Zeitungsinterview mit papstkritischen Äußerungen für Aufsehen. Wenig später entschuldigte er sich dafür, Aufregung verursacht zu haben. Kath.net hat berichtet. Die deutschen Bischöfe sind über den Verband der Diözesen Deutschlands (VDD) Geldgeber des Instituts.

Das ifp mit Sitz in München hat seit seiner Gründung vor über vierzig Jahren über 2.000 qualifizierte Journalisten und Medienfachleute hervorgebracht, unter ihnen TV-Moderator Thomas Gottschalk, "Süddeutsche"-Journalist Heribert Prantl und die Leiterin des ZDF-Hauptstadtstudios in Berlin, Bettina Schausten.

Der Gründungsdirektor der Einrichtung, Wolfgang Seibel, übte in einem Gespräch mit dem "Deutschlandfunk" Kritik am Umgang der Bischöfe mit der Journalistenschule. Die Haltung der Bischofskonferenz bezeichnete der Jesuitenpater am Samstag als "eng, kleinkariert und wenig tolerant". Eine "Bereitschaft zur Versöhnung und Vergebung" sei nicht mehr zu erkennen. In seiner Zeit beim ifp habe auch er oft erhebliche Kritik an Zuständen in der Kirche geübt, ohne dafür gemaßregelt worden zu sein.

Derzeit sehe er die Gefahr, dass sich auch im ifp eine "Schere im Kopf auftut". Dies wäre "verhängnisvoll", so der 82-Jährige. Hinter der Ablösung Brochs vermutete Seibel Kritiker, denen die Art, wie das Institut arbeite, ein Dorn im Auge sei. Solche Personen gebe es sogar unter den ifp-Absolventen. Angesichts der aktuellen Umstände werde es nicht leicht sein, einen Nachfolger mit Format zu finden.

Copyright 2010 Katholische Presseagentur, Wien, Österreich







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