22 Juli 2010, 11:06
Kaum noch katholische Kirchen in Russland aus der Zeit vor 1917
 
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Bischof Clemens Pickel: Kaum noch katholische Kirchen in Russland, die die gottlosen Jahrzehnte des letzten Jahrhunderts überstanden haben. Sie sind Leuchttürme der Hoffnung, aber auch leider eine Last für unsere kleine Diasporakirche.

Königstein/Wien (kath.net/KIN)
Für Bischof Clemens Pickel von Sankt Clemens in Saratow kam die Nachricht offenbar nicht überraschend: Die zum Bistum gehörende Herz-Jesu-Kirche im südrussischen Samara wird nach Gerichtsbeschluss erst einmal geschlossen. Nach den Worten des 49-jährigen Bischofs entspricht das neugotische Gebäude in der Millionenstadt an der Wolga nicht mehr den staatlichen Brandschutzbestimmungen. Die Entscheidung habe die Feuerwehr ohne Wissen des Pfarrers erwirkt.

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Hintergrund: Seit Dezember 2009 hatten die russischen Behörden landesweit die Brandschutzkontrollen drastisch verschärft. Vorausgegangen war ein verheerenden Brand in einer Diskothek im mittelrussischen Perm, bei dem mehr als 100 Besucher getötet worden waren. Laut Statistik sterben in Russland jährlich Tausende, weil der Brandschutz zu lax gehandhabt wird.

Für den aus Leipzig stammenden Bischof Pickel, der dem 2002 gegründeten Bistum Sankt Clemens in Saratow vorsteht, ist die Schließung der Kirche aber nicht der letzte Akt. Für seine Diözese, die viermal so groß wie Deutschland ist, der aber nur 22.000 Katholiken angehören, sei die finanzielle Bürde groß.

Den Auflagen der Behörden könne man kaum im vollen Umfang nachkommen, manches sei zudem „überzogen und unrealistisch“, so der Bischof. Doch die Gemeinde sammelt bereits seit einem Jahr Geld für eine Renovierung.

Clemens Pickel wörtlich: „Es gibt kaum noch katholische Kirchen in Russland, die die gottlosen Jahrzehnte des letzten Jahrhunderts überstanden haben. Sie sind Leuchttürme der Hoffnung, aber auch leider eine Last für unsere kleine Diasporakirche.“

Damit die Diözese den Auflagen der Feuerwehr nachkommen kann, hat das internationale katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ Bischof Pickel finanzielle Unterstützung zugesagt. Gegenwärtig wirken im Bistum Sankt Clemens in Saratow 46 Priester aus 12 verschiedenen Ländern. Die Zahl der Ordensleute liegt nach den Worten des Bischofs bei 79 aus 21 Ländern. Nur vier Priester und 19 Schwestern sind russische Staatsbürger.

Die Geschichte der katholischen Kirche in Südrussland reicht weit zurück. Vor 800 Jahren waren Astrachan am Kaspischen Meer und Asow am Asowschen Meer Bischofsstädte, wenn auch nur für kurze Zeit. Saratow bildete das administrative Zentrum der 1848 gegründeten Diözese Tiraspol; die gleichnamige Stadt liegt im Osten des heutigen Moldawien. Nach der Revolution von 1917 suchten die neuen Machthaber die orthodoxe wie die katholische Kirche zu vernichten. Ursprünglich wirkten an der Wolga mehr als 160 Seelsorger; der letzten katholischen Priester wurde 1936 verschleppt.

Nach dem Fall der Berliner Mauer hat sich die Situation grundlegend geändert. Die orthodoxe Kirche erlebt eine Renaissance, die katholische Minderheit wird respektiert. In Südrussland ist die katholische Kirche inzwischen auch rechtlich anerkannt, die Stellung der vorkommunistischen Zeit ist aber noch längst nicht erreicht.





Foto: (c) KIN; Russische Bischofskonferenz

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