17 Juli 2010, 17:00
Zollitsch: Missbrauch in Schwarzwaldort liegt mir auf der Seele
 
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«Unsere damals getroffenen Entscheidungen sehe ich sehr selbstkritisch!», betonte der Erzbischof.

Frankfurt (kath.net/KNA)
Der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch hat sich erneut zu Missbrauchsfällen in Oberharmersbach geäußert. Das Erzbistum, das 1992 erste konkrete Hinweise bekommen habe, hätte damals konsequenter vorgehen und mit größerem Nachdruck nach weiteren Opfern suchen müssen, sagte Zollitsch in einem Interview der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung». «Heute wissen wir es besser. Wir haben dazugelernt», so Zollitsch wörtlich. Zollitsch war damals unter dem vor zwei Jahren verstorbenen Erzbischof Oskar Saier Personalreferent.

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Der beschuldigte Pfarrer wirkte von 1968 bis 1991 im rund 70 Kilometer von Freiburg entfernten Schwarzwalddorf Oberharmersbach und missbrauchte in der Zeit zahlreiche Kinder. Nach ersten Gerüchten darüber wurde der Pfarrer, der auch an schweren gesundheitlichen Problemen litt, 1991 vorzeitig in den Ruhestand
versetzt. 1995 nahm er sich das Leben. Zuvor war er nach einem Schreiben einer Opfer-Hilfsorganisation erneut mit den Vorwürfen konfrontiert worden. Das Erzbistum hatte ihm damals auch signalisiert, dass es die Tätigkeit der Staatsanwaltschaft unterstützen würde.

«Die Missbrauchsfälle von Oberharmersbach liegen mir bis heute schwer auf der Seele», erklärte Zollitsch, der auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist. Wie tief die Wunden seien, die der Pfarrer den Opfern und ihren Familien vor Jahrzehnten zugefügt habe, sei ihm kürzlich bei einem Gespräch mit Betroffenen noch einmal sehr deutlich geworden. «Unsere damals getroffenen Entscheidungen sehe ich sehr selbstkritisch!», betonte der Erzbischof. Dazu gehöre auch, die Staatsanwaltschaft nicht eingeschaltet zu haben. Er habe deshalb die Opfer und ihre Angehörigen inzwischen mehrfach um Verzeihung gebeten.

Das Erzbistum habe damals den Pfarrer, der sich bis zu seinem Suizid in therapeutischer Behandlung befunden habe, mit einer Anzeige nicht in den Tod treiben wollen. Zudem habe man nicht gewollt, damit Unruhe in die Gemeinde - «bis hin zur Entzweiung von Familien» zu tragen. «Wir gingen damals von - nach heutiger Sicht - falschen Überlegungen aus.»

Nach dem Tod des Pfarrers habe das Erzbistum alle Opfer und Angehörigen aufgerufen, sich zu melden und ihnen Hilfe und therapeutische Unterstützung angeboten. Damals hätten sich 17 Opfer gemeldet, inzwischen seien fünf weitere bekannt. Die tatsächliche Zahl liege aber sicher höher, so Zollitsch.


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