11 Juni 2010, 14:01
'Theologie der Arroganz', die die Gegenwart Gottes verdunkelt
 
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17.000 Priester feierten am Donnerstag am Abend mit Papst Benedikt XVI. - Der Papst sprach dabei Klartext: "Viele Theologien der 60iger Jahre schienen sehr wissenschaftlich zu sein. Jetzt erscheinen sie überwunden, ja sogar lächerlich"

Rom (kath.net/Zenit.org)
Mehr als 17.000 Priester hatte sich gestern Abend zum Nachtgebet mit Papst Benedikt XVI. auf dem Petersplatz versammelt. Es herrschte eine festliche, familiäre Stimmung bei der Vigil, die den Abschluss des Priesterjahres einläutete, der heute mit einer Eucharistiefeier, der größten Konzelebration auf dem Petersplatz abgeschlossen worden ist.

Die Feier bot Raum für leidenschaftliche Zeugnisse von Priestern, für Fragen und Antworten des Papstes. Sie erzählten vom Gemeindeleben auf den fünf Kontinenten, ihrem Einsatz in den Pfarreien, unter Armen und Drogenabhängigen und in der Mission.

Das Zentrum des Nachtgebets bildete das geteilte Schweigen, die große Stille während der eucharistischen Anbetung auf dem Petersplatz. Papst Benedikt XVI. betete zusammen mit den Priestern vor dem Eucharistischen Leib des Herrn, der in der Monstranz zum Gebet einlud.

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Zum Abschluss der tiefen Anbetung betete der Papst zusammen mit allen seinen tausenden von Mitbrüdern im priesterlichen Dienst das „Gebet für das Priesterjahr".


Nach dem Grußwort des Präfekten der Kongregation für den Klerus, Kardinal Claudio Hummes zu Beginn der Feier, kamen Priester aus allen Kontinenten zu Wort.

Ein brasilianischer Priester, der mehrere Pfarreien zu betreuen hat, erzählte dem Papst und allen Anwesenden Mitbrüdern von seinem Leid, „in einer Welt arbeiten zu müssen, die nicht mehr in ihrem Innersten christlich ist".

Benedikt XVI. ermutigte ihn mit dem Hinweis, sich mit besonderer Aufmerksamkeit den tragenden „Säulen" seiner priesterlichen Einsatz zuzuwenden. Er solle sich davor hüten, sich von Angst packen zu lassen oder zu meinen, alles selber tun zu müssen.

Die tragenden Säulen „sind die Eucharistiefeier, die mindestens am Sonntag zelebriert werden sollte; die Verkündigung des Wortes Gottes und die Predigt; die Liebe zu den Armen, den Kindern und den Leidenden".

Menschen sollten nicht nur einen Priester zu sehen bekommen, der seine Stunden abarbeitet und dann für sich alleine lebt. Sie sollten vielmehr einen Mann sehen dürfen, der entbrannt und voller Liebe zum Herrn und zu den Seinen ist. Dazu gehöre, so der Papst auch die Erholung, etwas „auszuruhen", ohne den Anspruch zu haben, immer alles Geforderte erledigen zu können.

Ein Priester von der Elfenbeinküste sprach das Problem einer Theologie an, in deren Zentrum nicht mehr Christus stehe und welche die katholische Wahrheit mit „Meinungen" kompromittiere.

Der Papst erklärte dazu, daß es in der Tat eine „Theologie der Arroganz" gebe, „die den Glauben nicht nährt und die Gegenwart Gottes in der Welt verdunkelt". Dieser stehe eine Theologie gegenüber, die von der Liebe zum Geliebten motiviertt sei und den Geliebten besser kennen lernen wolle.

Benedikt XVI. kritisierte eine Form von Theologie, für die nur eine positivistische Rationalität als einzig wahre Vernunft gelte. Der Papst ermutigte die Priester, auf eine „geweitete Vernunft" zu setzen. So könnten sie den jeweiligen Modeideen entgehen. „Viele Theologien der 60iger Jahre schienen sehr wissenschaftlich zu sein. Jetzt erscheinen sie überwunden, ja sogar lächerlich." Der Papst riet allen, immer den Katechismus der Katholischen Kirche zu lesen und in Einheit mit den Bischöfen und dem Papst zu leben.

Ein Priester aus der Slowakei, der als Missionar in Rußland arbeitet, stellte dem Papst die Frage über den Sinn des Zölibats. Benedikt XVI. hob vor allem hervor, daß im Mittelpunkt des Zölibats die völlige Weggabe seiner selbst an Christus stehe. In der Feier der Eucharistie gestatte es Christus dem Priester, sein „Ich" zu benutzen, das zu ihm ziehe und den Priester mit ihm vereine. „So vereint sich unser Ich mit dem seinen und es verwirklicht sich das eine immerwährende Priestertum".

Für eine Welt, in der Gott von keiner Wichtigkeit sei, bilde der Zölibat „einen großen Skandal". Dieselbe Welt, die den Zölibat kritisiere, sei auch die Welt, in der der Mut zur Ehe fehle, „da man unfähig zu endgültigen Entscheidungen wird". Die Entscheidung für den Zölibat überlasse das eigene Leben Christus und sei ein „definitives Ja", welches „das definitive Ja der Ehe bestätigt". Ohne den Zölibat und folglich ohne die Ehe „verschwindet unsere Kultur".

Benedikt XVI. verwies auf die Wichtigkeit des „Skandals des Zölibats" als Waffe gegen die „sekundären Skandale", die das Bild Christi verfinsterten.

Ein japanischer Priester fragte, wie man der Versuchung zum Klerikalismus entgehen könne, wenn man ja doch gelobt habe, sich nicht den Kriterien der Welt zu beugen. Benedikt XVI. verwies auf die Feier der Eucharistie, wo Gott demütig seine Herrlichkeit aufgibt, am Kreuz sterbe und so die Welt rettet. Die Eucharistie müsse den Priester zur Offenheit für alle erziehen. Ein ernsthaftes Leben aus der Eucharistie bilde „die sicherste Verteidigung gegen die Versuchung des Klerikalismus".

Abschließend sprach ein Priester aus Ozeanien von den leeren Seminaren und der Notwendigkeit, neue Berufungen zum Priestertum wachsen zu lassen. Der Papst warnte davor, das Problem des Priestermangels mit „professionellen" Lösungen angehen zu wollen. Wichtiger sei es, „an die Tür Gottes zu klopfen, auf daß er uns die Berufungen gebe, derer wir bedürfen".

Benedikt XVI. ermutigte die anwesenden Priester, ihr Priestertum überzeugend zu leben. „Keiner von uns wäre Priester geworden, wenn er nicht einem Priester begegnet wäre, in dem das Feuer der Liebe Christi brannte." Der Papst riet den Priestern, jungen Menschen zum Beistand zu werden und sie hin zur Erkenntnis der Wertschätzung ihrer Berufung zu begleiten. Junge Menschen müßten erleben dürfen, das ein priesterliche Leben „zum Vorbild für die Gesellschaft" werden kann und es so würdigen lernen dürfen.



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