08 Mai 2010, 11:20
Mission oder warum Martin Jäggle niemand überzeugen möchte
 
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Der Wiener Professor für Religionspädagogik und Katechetik über Mission: "Mission wird nie bedeuten, andere von der christlichen Lehre zu überzeugen. Wer das betreiben will, verzichtet auf Kommunikation auf Augenhöhe"

Wien (kath.net)
Martin Jäggle, der Wiener Professor für Religionspädagogik und Katechetik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, hat im Vorfeld der Diözesanmissions-Woche nach Pfingsten in der Zeitung "thema kirche" Einblick in sein Missionsverständnis gegeben und gemeint, dass Mission heute als "Kommunikation des Evangeliums auf Augenhöhe" sei. Für Jäggle liegt es in der "Natur der Sache", dass man an dem, was einen selbst bewegte, andere Anteilhaben lasse. "Wovon das Herz voll ist, davon geht der Mund über. Überzeugen möchte der Wiener Professor aber niemand. "Mission wird nie bedeuten, andere von der christlichen Lehre zu überzeugen. Wer das betreiben will, verzichtet auf Kommunikation auf Augenhöhe und respektiert weder Lebenssituation und Lebensmöglichkeiten anderer Menschen noch das Wirken des Heiligen Geistes. Mission ist keine ausgefeilte Praxis des Überredens oder Überzeugens, sondern Kommunikation des Evangeliums auf Augenhöhe, die bestimmt ist von einem Prozess der Verständigung."

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Für Jäggle verändert sich derzeit auch das Verständnis von Mission in allen christlichen Kirchen Europas. "Wenn bei uns der Ausdruck Mission auftaucht, dann muss man damit rechnen, dass viele schon ein geschichtlich bedingtes Verständnis davon haben. Wir können dieses Verständnis nicht außer Kraft setzen. Auch wenn wir heute ein neues Verständnis von Mission haben. Ich bin nicht sicher, ob das öffentliche Reden von Mission der Sache selber sehr dienlich ist.", meint der Katechetikprofessor und glaubt weiters, dass auch der Begriff "Dialog" im Zusammenhang mit Mission unverzichtbar sei. "Wer sich in Sachen Mission engagiert, engagiert sich in einem dialogischen Geschehen."

Auch mit dem Begriff "Selbstevangelisierung" der Kirche kann Jäggle nicht viel anfangen. "Der Ausdruck "Selbstevangelisierung" gefällt mir nicht, weil er in die Tendenz der Eigenmächtigkeit geraten kann, und man dabei die Bedeutung des Wirkens des Geistes übersieht, vielleicht auch die Bedeutung des In-der-Gegenwart-Gottes-Lebens. Angemessener wäre es davon zu reden, dass auch die Kirche selbst ständig der Evangelisierung bedarf.", meint er.

Weit klarer über das Thema Mission hat beim letzten Weltmissionssonntag Papst Benedikt gesprochen. In der Botschaft zum Weltmissionssonntag erklärt der Papst eindringlich: "Die Sendung der Kirche besteht also darin, alle Völker zum Heil zu rufen, das Gott durch seinen menschgewordenen Sohn gewirkt hat. Es ist deshalb notwendig, daß wir den Einsatz für die Verkündigung des Evangeliums erneuern, welches Ferment der Freiheit und des Forschritts, der Brüderlichkeit, der Einheit und des Friedens ist (vgl. Ad gentes, 8). Ich möchte „erneut bekräftigen, daß der Auftrag, allen Menschen die Frohbotschaft zu verkünden, die wesentliche Sendung der Kirche ist“ (Evangelii nuntiandi, 14), eine Aufgabe und eine Sendung, die durch die weitreichenden und tiefgreifenden Veränderungen der heutigen Gesellschaft noch dringlicher werden. Es steht das ewige Heil der Menschen auf dem Spiel, das Ziel und die Erfüllung der Menschheitsgesichte und des Universums selbst."

Schreiben von Papst Benedikt XVI. zum Weltmissionssonntag im Wortlaut.

Martin Jäggle

JA! zur Kirche".

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