23 April 2010, 12:09
Bloß ein Zwischenschritt
 
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Bischof Mixa verhielt sich immer normal - nur dass man heutzutage heutige Maßstäbe an damaliges Verhalten legt. Ein Kommentar von Benno Kirsch aus der Internetzeitung "Die Freie Welt".

Eichstätt (kath.net)
Dass Bischof Mixa jetzt zermürbt ist und dem Papst seinen Amtsverzicht angeboten hat, ist aus der Sicht der Kirchenhasser bloß ein Zwischenschritt. Ihnen geht es nicht um das Wohl von Schutzbefohlenen und inzwischen auch nicht mehr um die Person Mixas. Sie wollen die katholische Kirche unter staatliche Kuratel stellen.

„Sie“ haben es also geschafft: Mixa bietet dem Papst seinen Rücktritt vom Bischofsamt an. Nach einer wochenlangen Kampagne ist er so zermürbt, diskreditiert, fertiggemacht, dass er sich zu diesem Schritt genötigt sah. Man kann es ihm nicht verdenken.

So viel Leidensfähigkeit, wie er aufbringen muss, dürften die wenigsten besitzen. In der ganzen Diskussion, die fast unisono und auch von „Qualitätsmedien“ geführt wird, drohen allerdings ein paar durchaus wichtige Dinge unterzugehen.

Zunächst einmal steht die Aufmerksamkeit, die Mixa zuteil wird, in keinem Verhältnis zu dem, was ihm vorgeworfen wird. Jugendliche soll er aus erzieherischen Gründen geschlagen haben und Geld falsch verbucht, eventuell veruntreut haben.

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Von der anfangs gehegten Hoffnung, er habe kleine Jungs in den Beichtstuhl einer barocken Kirche zerren wollen, um sie dort zu vergewaltigen, wie sich die pornographische Phantasie der Romfeinde vorstellt, ist nichts geblieben. Aber immerhin die Watschen, die Antiquitätendeals und schließlich noch der Vorwurf der Lüge bleibt „ihnen“, um die Hatz fortzusetzen.

Mixa hat nicht gelogen. Das wird zugeben, wer auch nur ein bisschen von der menschliche Psyche versteht. Es reicht sogar schon, etwas Lebenserfahrung zu haben. Vermutlich hat sich Mixa am Beginn, als die Vorwürfe erhoben wurden, unschuldig gefühlt, hatte die Vorfälle schon vergessen, hatte bis dahin nicht einmal ansatzweise daran gedacht, etwas Falsches getan zu haben.

Dass man Kinder körperlich züchtigte, war eben normal. Er verhielt sich immer normal, nur dass man heutzutage heutige Maßstäbe an damaliges Verhalten legt, darauf konnte er nicht kommen. Aber so ist die Mediendemokratie. Feinheiten sind ihre Sache nicht.

Die finanziellen Unregelmäßigkeiten sollte man aufklären. Einen derartigen Aufruhr, wie man ihn heutzutage erlebt, rechtfertigen sie – genauso wenig wie die Watschen oder das vermeintliche Lügen oder „Schweigen“ (mit diesem Vorwurf müsste man sich auch einmal beschäftigen – er ist so skurril!) – aber nicht.

Erstaunlicherweise ist die Öffentlichkeit auch ziemlich abgestumpft, wenn es um kriminelle Machenschaften an anderer Stelle geht. Milliarden aus Steuermitteln für die selbstverschuldete Not von Banken? Gerne! Milliarden für die selbstverschuldete drohende Pleite Griechenlands? Aber immer!
Milliardenverluste bei öffentlichen Banken durch krumme Geschäfte? Pfeif drauf!

Da also die Aufmerksamkeit, die der Person Mixas gewidmet wird, so maßlos, so grotesk übersteigert ist, drängt sich die Frage auf, um was es „eigentlich“ geht.
Mixa war eine der wenigen profilierten Stimmen innerhalb der katholischen deutschen Bischofskonferenz. Er war konservativ, was für einen Katholiken normal ist, und er hat Tacheles geredet.

Dabei hat er eigentlich kaum etwas gesagt, an dem Katholiken – aber nicht nur die – ernsthaft Anstoß nehmen konnten. Sicher, häufig ging ein Rauschen durch den Blätterwald, aber der rauschte ohne Grund, wie sich hinterher herausstellte.

Das Beispiel Claudia Roths ist sehr erhellend, weil es das Muster offenbart, nach dem man üblicherweise vorgeht: Roth kann nicht lesen und unterstellt Mixa das, was er kritisiert – und die Journalisten schreiben Roths Verleumdungen ab, verbreiten sie weiter und interessieren sich nicht dafür, was Mixa wirklich gesagt hat. Unterdessen wird die Person öffentlich gleichsam hingerichtet. Gut für die Öffentlichkeit, die sich mal wieder aufregen kann, Pech für Mixa.

Vor diesem Hintergrund wird sich jeder Bischof zweimal überlegen, ob er irgend etwas sagt, das auch nur ansatzweise von einer tauben und unwilligen Öffentlichkeit missverstanden werden könnte. Denn jedes Wort kann ihm im Munde herumgedreht, der Sinn entstellt und gegen ihn selbst verwendet werden.

So funktioniert Zensur, ohne dass sie Zensur genannt werden braucht. Und sie wirkt schon jetzt. Dazu kommt, dass die Bischöfe ohnehin nicht dazu neigen, Klartext zu sprechen. Es sind in der Regel – vermute ich – liebe Menschen, die gerne Seelsorger sind, aber nicht wirklich das Zeug haben, sich vor ihre Kirche zu stellen und das Unwetter auszuhalten, das sich in regelmäßigen Abständen über ihr entlädt.

Ackermann? Macht einen herzensguten Eindruck. Lehmann? Ist vor allem ein sympathischer Kerl. Strukturelle Zensur durch die veröffentlichte Meinung und ein wenig führungstaugliches Führungspersonal innerhalb der Kirche sorgen also dafür, dass die katholische Kirche in dasselbe seichte Fahrwasser gerät, in die Selbstauflösung und Verweltlichung, wie ihre protestantischen Brüder und Schwestern.

Es geht aber nicht nur um die Gefahr, sein Profil aufzugeben, sondern es geht um mehr. Die Kampagne gegen Mixa und die katholische Kirche hat – so unterschiedlich sie in ihren jeweiligen Phasen auch geführt werden mag – zur Zeit immer das eine Ziel: Schwächung und, besser noch, Verstaatlichung.

Aus verschiedenen Kommentaren und Interviewfragen in Zeitung und Radio lässt sich heraushören, dass man annimmt, die katholische Kirche glaube, sie stünde über oder außerhalb des Gesetzes, weshalb sich Priester, die Verbrechen begangen hätten, der Strafverfolgung entziehen könnten. Ein näherer Blick auf diese Unterstellung zeigt, dass sie falsch ist.

Weder maßt sich die Kirche eine Sonderstellung an noch will sie sie erlangen. Kein Priester steht über dem Gesetz, vielmehr muss sich jeder Priester vor einem ordentlichen Gericht verantworten – wie alle anderen auch. Und alle Bischöfe bemühen sich, diesen Umstand zu unterstreichen.

Was Sache ist, ist den Romhassern allerdings egal. Deshalb nutzt jetzt man die unterstellte angemaßte Sonderstellung dazu, die katholische Kirche stärker an die Kandare zu nehmen. Plötzlich verlangt man nämlich von ihr mehr als von anderen.

Nicht mehr Gesetzestreue ist verlangt, sondern vorauseilender Gehorsam auch da, wo er nicht vom Gesetz verlangt wird. Immer wieder ist dieser Tage zu hören, dass es zwar für die meisten Straftaten – unter anderem sexueller Missbrauch – keine Anzeigepflicht existiert oder dass die bekannten Taten einzelner Kleriker schon verjährt sind.

Aber das reicht den Kirchenhassern nicht mehr aus. Die Kirche soll jetzt strengeren Standards genügen. Da die Leutheusser-Schnarrenbergers keine echten Mittel haben, dieses Verhalten zu erzwingen, setzen sie auf den Druck der Öffentlichkeit und bauen subtil – brachial sind die Methoden nur vordergründig – Standards auf, die zu verletzen einen gravierenden Imageschaden für die Kirche bedeuten würde.

Es ist zu befürchten, dass die Verantwortlichen in der katholischen Kirche sich dem Druck beugen. Die Bischöfe haben nicht das Rückgrat, das angesichts der Herausforderungen durch eine materialistische, verweltlichte Gesellschaft, der jede Form von Jenseitsbezogenheit verhasst ist, vonnöten wäre.

Man fragt sich bei dieser Gelegenheit auch, was denn das Purpur bedeutet, das die Kardinäle tragen dürfen. Sieht das nur gut aus oder verpflichtet diese Farbe zu etwas Besonderem? Eigentlich bräuchte die katholische Kirche nicht nur diesen einen Mixa, sondern viele von seiner Sorte. Die dürften ihr Purpur dann auch mit Recht tragen.

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