17 April 2010, 10:32
Wir ernten, was wir säen
 
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Abtreibungsarzt tötet «falsches Kind». Von P. Bernhard Speringer ORC / Schweizerisch Katholisches Sonntagsblatt.

Sarasota (kath.net) Kürzlich hat mir eine befreundete Redakteurin der weltgrößten katholischen Internet-Agentur, «Catholic Online» (catholic.org) einen Bericht aus den USA geschickt mit dem Kommentar: «How sick is this…? – Wie krank ist das…?»

Dieser Artikel im «Miami Herald» vom 12.4.2010 berichtet folgendes: Dr. Matthew J. Kachinas, ein Gynäkologe am Krankenhaus in Sarasota / Florida, wurde gebeten eine Abtreibung vorzunehmen. Die Mutter war mit Zwillingen im sechsten Monat schwanger, als man sich entschloss, einen der Zwillinge, ein Bub mit Down-Syndrom, abzutreiben. Das gesunde Baby, ein Mädchen, sollte drei Monate später geboren werden.

Dr. Kachinas wollte das behinderte Kind mit einer Spritze im Mutterleib töten und machte dabei «den denkbar schlimmsten Fehler», wie es die Zeitung wörtlich bezeichnete. Er hat die beiden Zwillinge vertauscht und hat «das falsche Kind getötet – killed the wrong Baby».

Aufgrund dieses Fehlers, das falsche Kind zu töten, wurde Dr. Kachinas bei der Sitzung des «Florida Board of Medicine» in Tampa / Florida, eine Institution vergleichbar mit den Ärztekammern oder Gesundheitsministerien im deutschsprachigen Raum, die Lizenz zu Praktizieren entzogen.

Ich wiederhole den Grund seiner Suspendierung: er hat das «falsche Kind» getötet…

Als ich diesen Bericht las, wurde ich zugleich wütend und zornig, empfand aber auch einen tiefen Schmerz über die Blindheit und Dummheit der heutigen Gesellschaft. Da wird ein Abtreibungsarzt an den Pranger gestellt, nicht etwa, weil er Kinder im Mutterleib tötet, sondern, weil er das «falsche Kind» getötet hat. Wie absurd und krank ist das?

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Die Zeitschrift berichtet weiter, dass das behinderte Baby eine Woche später durch eine Abtreibung «entfernt» wurde. Beide Kinder wurden übrigens durch künstliche Befruchtung gezeugt.

Hier wurden zwei Kinder im Mutterleib getötet und das «Berichtenswerte» und «Herzzerreißende» an dieser Story ist, dass der Arzt das «falsche Kind» getötet hat. Man lässt sich darüber aus, wie verantwortungslos und fahrlässig er damit gehandelt hat. Wenn er das «richtige Baby» getötet hätte, wäre alles in Ordnung gewesen. Kein Zeitungsbericht, kein Aufschrei in der Öffentlichkeit, keine Suspendierung des Arztes… Was ist denn schon dabei, ein Baby im Mutterleib zu töten…

Das Paradoxe an diesem Bericht ist, dass wörtlich von der Tötung bzw. Ermordung («killing») eines Babys die Rede ist, nicht etwa davon, dass der Arzt den falschen Gewebeklumpen entfernt hat. Nein, der Arzt hat ein Baby getötet – und zwar das falsche – und deswegen sind die Medien und die Öffentlichkeit so entsetzt, dass man ihn suspendieren musste.

In einem Online-Kommentar zu diesem Bericht hat jemand folgende Zeilen gepostet: «Ich stehe voll und ganz hinter der Wahlfreiheit der Mutter. Sie hat das absolute Recht mit ihrem Körper zu tun, was sie will. Die Ansammlung von Zellen in ihr ist kein menschliches Leben, bis es nicht geboren ist und für die Familie ein Grund zur Steuererleichterung ist. Trotzdem ist diese Geschichte tragisch und einfach traurig, dass zuerst das falsche Kind sterben musste und dann auch noch das kranke.»

Ein anderer Kommentar sagt: «Nachdem das Paar sicherlich monatelang die verschiedensten Prozeduren zur künstlichen Befruchtung (in vitro) über sich ergehen ließ, bei der schon an die etwa 100 Embryonen getötet wurden oder starben, hatten sie nun endlich zwei Babys. Aber da eines nicht so war „wie bestellt“, sollte es getötet werden. Ironie des Schicksals, dass nun nach fast 100 Föten auch beide Babys tot sind – auf Grund der Entscheidung der Eltern.“

Diese ganze tragische Geschichte mit all ihren Facetten zeigt dennoch etwas auf: nämlich die Wahrheit. Und sowohl die berichtende Zeitschrift, als auch die Öffentlichkeit als auch die Politik haben alle ungewollt die Wahrheit ans Licht gebracht: Dass hier ein Kind getötet wurde.

Alles spricht vom «falschen Baby» aber unerwartet auch von «killing a baby», vom «Töten eines Babys» und damit eben auch von einem Baby, von einem Menschen. Selbst der Online-Poster sprach zuerst von einer « Ansammlung von Zellen» und am Ende doch vom «falschen Kind».

Ein Kind, ein menschliches Leben wurde getötet! Das ist die Wahrheit, um die in diesem Fall nicht einmal die Liberalsten der Liberalen herumkommen oder es vielleicht erst im Nachhinein gemerkt haben, dass sie in ihrem ersten Aufschrei der Entrüstung ungewollt die Grundwahrheit bezeugt haben: Abtreibung ist Mord!

Wir ernten, was wir gesät haben

Man stellt sich unweigerlich die Frage: Ist unsere Gesellschaft am Ende? Sind unsere Medien und unsere Politiker, ja sind wir selbst schon so blind, dass wir nicht mehr Gut und Böse, Wahrheit und Irrtum, Leben und Tod unterscheiden können? Sind wir denn völlig von Gott verlassen?

Nein! Gott hat nicht uns verlassen. Wir haben Gott verlassen. Die Gesellschaft hat Gott aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen. Und das bedeutet letztlich, den Schöpfer ausschließen.

Der berühmte russische Dichter und Schriftsteller Dostojewski hat gesagt: «Wenn wir Gott ausschließen, dann ist alles erlaubt.» Und das sehen wir heute nur zu gut: Es gibt keine Grenzen mehr, die man nicht überschreiten darf: Euthanasie, Abtreibung, Massengenozide, Embryonen- und Stammzellenforschung, Klonen, Genmanipulation usw...

Wir haben Gewalt gesät und Gewalt erzeugt immer mehr Gewalt – und keiner ist mehr sicher, wenn das menschliche Leben nicht heilig ist. Die selige Mutter Teresa bringt es auf den Punkt, wenn sie sagt: „Wenn es einer Frau erlaubt ist, ihr eigenes Kind im Mutterleib zu töten, was soll sie daran hindern, auch dich oder mich zu töten? Was soll uns daran hindern, uns gegenseitig mit Maschinengewehren umzubringen?»

Wenn das menschliche Leben nicht heilig ist, heilig von Beginn der Empfängnis bis zum natürlichen Tod, dann ist niemand mehr sicher. Wenn man das Leben nicht am Beginn und am Ende schützt, weshalb sollte man es in einer anderen Phase schützen? Früher oder später wird vielleicht jemand sagen und seine „Entscheidung“ rechtfertigen: «Dieses Leben ist nicht mehr lebenswert…» oder: «Diese Person ist behindert und eine Last...» oder :«Er hat nicht mehr die Lebensqualität…» oder: «Die Krankenhauskosten sind zu hoch…»…

Wir sind inzwischen an einem Punkt angelangt, dass nur noch «nützliche» und «produktive» Menschen etwas wert sind und solche, die uns keine Unbequemlichkeiten bereiten und keine Last sind. Aber vergessen wir das Sprichwort nicht: «Wenn sie es MIT MIR tun, werden sie es auch eines Tages AN MIR tun.»

Und Gott schaut zu…?

Das ist die Saat, die nun zur Ernte geworden ist. Viele werden sich fragen: Wenn Gott uns nicht verlassen hat, wie kann er das alles zulassen? Wie kann er dem (Ab)Treiben der Menschen zuschauen?

Gott ist zutiefst traurig über uns Menschen. Nur haben wir seit Jahren zu Gott gesagt: «Du hast in unseren Schulen nichts verloren, du hast in Öffentlichkeit und Politik nichts verloren, du hast in unseren Leben nichts verloren.» Der bescheidene Gentleman, der Gott ist, hat sich vielleicht in aller Stille zurückgezogen. Denn wie könnten wir erwarten, dass er uns seinen Segen und seinen Schutz gibt, wenn wir zu ihm sagen: Lass uns in Ruhe!

Denken wir nur an die Ereignisse der letzten Jahre – Anschläge und Schießereien in Schulen. Alles fing an, als Eltern vor Gericht zogen und klagte, weil sie nicht wollten, dass Gebete in unseren Schulen gesprochen werden...
Dann sagte jemand, dass man an Schulen besser nicht die Bibel lesen solle und nicht mehr Religion oder Katechese unterrichtet werden soll. Es genüge ein „Ethik-Unterricht“. Es ist aber die Bibel, die sagt: du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, und: liebe deinen Nächsten wie dich selbst...

Dann sagt uns jemand: Lasst uns die Kreuze aus den Schulen entfernen, denn wir brauchen Gott nicht. Dann sagt eine Familienministerin: Lasst uns Kondome verteilen – über die Würde und Verantwortung in der Sexualität wird nicht gesprochen. In einer Spaßgesellschaft zählt eben nur der Spaß – ohne Verantwortung, ohne an die Konsequenzen zu denken und vor allem ohne an die Ewigkeit zu denken. Dann sagt eine Landeshauptfrau: Lasst uns an unseren Krankenhäusern Abtreibungen durchführen. Dann sagen höchste von uns gewählte Organe, dass es doch unwichtig ist, was wir privat tun, welche moralischen Auffassungen wir haben, solange wir unsere Jobs ordentlich machen.

Und jetzt fragen wir uns, warum unsere Kinder kein Gewissen haben, warum sie nicht zwischen richtig und falsch unterscheiden können und weshalb es ihnen egal ist, Fremde zu töten, ihre Schulkameraden, und sich selbst. Und alle wundern sich, dass es bei den Kindern und Jugendlichen zu einem Sport geworden ist, sich bis ins Koma zu betrinken. Es ist ganz einfach zu erklären: Wir ernten, was wir säen.

Sonderbar, wie einfach die Leute Gott aus ihrem Leben verdammen und leben, als ob es Gott nicht gäbe, als ob sie niemals Rechenschaft ablegen müssten für all ihr Tun und sich dann wundern oder sogar Gott die Schuld geben, dass es soviel Leid in der Welt gibt.
Sonderbar, wie einfach wir glauben, was in den Zeitungen steht, aber in Frage stellen, was die Bibel sagt.
Sonderbar, wie rohe, vulgäre, geschmacklose und obszöne Artikel und Bilder frei herumschwirren, dass aber eine öffentliche Diskussion über Gott in Schulen und Arbeitsstätten unterdrückt wird.
Sonderbar, dass wir uns mehr Sorgen darüber machen, was andere Leute über uns denken als über das, was Gott über uns denkt.

Diese «Gottvergessenheit» hat dann auch eine «Schöpfungsvergessenheit» zur Folge, so dass man Ehe und Familie nicht mehr als Gemeinschaft von Mann und Frau und als Gemeinschaft von Eltern und leiblichen Kindern versteht. Es ist leider Wirklichkeit geworden, dass dort, wo die Weitergabe des Glaubens nicht mehr gelingt, auch die Weitergabe des Lebens kaum noch geschieht. Das ist die Situation der Gesellschaft, in der wir leben. Und diese Situation haben wir selbst zu verantworten, nicht Gott!

Jesus schickt nicht Blitz und Hagel über Jerusalem, das ihn ablehnt, sondern er weint. Nicht ohne uns seine tiefe Sehnsucht zu zeigen: «Wenn doch auch du an diesem Tag erkannt hättest, was den Frieden bringt! Jetzt aber bleibt es vor deinen Augen verborgen.» (Lk 19,42). Wie sehr wünscht sich Jesus, dass wir erkennen, dass er unser Friede ist, er, der bei uns ist alle Tage bis zum Ende der Welt (vgl. Mt 28,20), er, der sich finden lässt von denen, die ihn aus ganzem Herzen suchen.

Gott ist weder Urheber des Bösen noch ist das Böse, seien es jetzt Kriege, Katastrophen oder persönliche Schicksalsschläge Strafen Gottes. Im Gegenteil. Gott hat ein Herz für uns und unsere Nöte und es schmerzt ihn, wenn wir zu leiden haben und noch mehr, wenn wir anderen Leid zufügen. Wir haben die Freiheit. Wir können uns für das Gute entscheiden – was Gott freut – aber wir haben auch die Freiheit und für das Böse zu entscheiden. Wir können uns auch gegen das Leben entscheiden – das eigene oder das der anderen. Das schmerzt Gott, aber er respektiert unsere Freiheit und lässt es zu.

Wir können und müssen viele Ungerechtigkeiten und viel Böses in unserer Gesellschaft bekämpfen – durch Zivilcourage und Mut, die Wahrheit zu sagen, durch konkrete Taten und durch Gebet und Sühne. Aber wenn wir uns mit der wohl größten Sünde unserer Zeit – das Morden von Kindern im Mutterleib – abfinden und nichts dagegen tun, bleibt vieles andere fruchtlos. Wenn die Heiligkeit des Lebens nicht verteidigt wird, dann kämpfen wir an anderen Fronten umsonst. Die Heiligkeit des Lebens ist Grundlage für die ganze Menschheit. Es ist das Fundament für ein friedliches Zusammenleben zwischen den Menschen. Würde ein Architekt den Bau eines Hauses mit dem Dach beginnen? Nein. Zuerst kommt das Fundament: Der Mensch ist von Gott erschaffen und das Leben ist heilig. Punkt. Ende.

Wann werden wir endlich aufwachen? Wann werden wir endlich verstehen: wenn wir das Schwert gegen das Leben im Mutterleib richten, richten wir es gegen uns selbst. Und das Blut, das an unseren Händen klebt, wird schließlich unser eigenes sein.

Dieser Bericht ist als Leitartikel im Schweizerisch Katholischen Sonntagsblatt 8/2010 erschienen.







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