09 April 2010, 09:20
Papstkritik in New York Times basierte auf falscher Übersetzung
 
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Die Glaubenskongregation habe die Amtsenthebung eines pädophilen Priesters verhindert, behauptete die Zeitung. Quelle war offensichtlich eine fehlerhafte computergenerierte Übersetzung eines Memos von einer vatikanischen Besprechung im Mai 1998.

Denver (kath.net) Die Papstkritik der Zeitung „New York Times“ und der „Associated Press“ basiert auf einer maschinell erzeugten fehlerhaften Übersetzung des Memos einer Besprechung in der Glaubenskongregation aus dem Italienischen ins Englische. Das berichtet die katholische Nachrichtenagentur CNA. Der grundlegende Vorwurf der New York Times war, dass die Glaubenskongregation, geleitet von Kardinal Ratzinger, eine Enthebung des Priester Lawrence Murphy vom Priesteramt verhindert habe. Am 24. März veröffentlichte die New York Times einen Bericht zum „Fall Murphy“. Zum Hintergrund: Der Priester Lawrence Murphy vom Erzbistum Milwaukee missbrauchte seit den 50er Jahren bis 1974 zahlreiche hörgeschädigte Kinder sexuell, auch im Beichtstuhl.

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Mitte der 70er Jahre meldeten einige der Opfer dies den zivilen Behörden, die damals gegen ihn untersuchten, die Untersuchung dann jedoch fallen ließen. Die römische Kongregation für die Glaubenslehre wurde erst etwa 20 Jahre später informiert; in der Anfrage ging es nur um die kirchenrechtliche Frage der Verletzung des Beichtgeheimnisses. In solchen Fällen soll laut Kirchenrecht ein Urteil gefällt werden, das auch die schwerste Kirchenstrafe des Ausschlusses aus dem klerikalen Stand beinhalten kann (vgl. can. 1395 n. 2). Der Vatikan erklärte dazu: „Im Lichte der Faktenlage, dass der Priester Murphy älter und in sehr schlechtem Gesundheitszustand war und dass er darüber hinaus in Abgeschiedenheit lebte sowie über 20 Jahre hinweg keinerlei Missbrauchsvorwürfe gemeldet worden waren, empfahl die Kongregation für die Glaubenslehre 1998 dem Erzbischof von Milwaukee, die Situation beispielsweise durch die Einschränkung seines öffentlichen Wirkens sowie durch die Forderung an Murphy zu behandeln, dass er die volle Verantwortung für die Schwere seiner Handlungen übernehme. Etwa vier Monate später starb der Priester Murphy, ohne weitere Begebenheiten.“

Die New York Times warf dem Vatikan nun vor, dass eine Enthebung aus dem Klerikerstand ausgeschlossen worden sei. Dieser Vorwurf ergab sich offensichtlich aus einer fehlerhaften computergenerierten Übersetzung eines Memos von einer vatikanischen Besprechung im Mai 1998 zu dem Fall. Eine professionelle Übersetzung zeigt hingegen: Der Vatikan hat niemals die Möglichkeit ausgeschlossen, schuldig gewordene Kleriker ihres Amtes zu entheben. Die New York Times schrieb, dass “höchste vatikanische Würdenträger eingeschlossen der zukünftige Papst Benedikt XVI” den Priester nicht seines Amtes entheben wollten. Das Memo zeigt, dass Kardinal Ratzinger bei dem Treffen 1998 nicht anwesend war. Die „Associated Press“ schreibt, dass dem Priester Murphy eine Enthebung „erspart wurde“, weil er von der Glaubenskongregation „geschützt“ worden sei.

Die New York Times insinuierte weiter, dass "Crimen sollicitationis" von 1962 dazu beigetragen habe, dass der Missbrauch staatlichen Behörden nicht gemeldet worden sei. „Wahr ist vielmehr, dass entgegen der verschiedenen in den Medien zirkulierenden Erklärungsversuche weder "Crimen sollicitationis" noch das kirchliche Gesetzbuch (Codex Iuris Canonici für die lateinische Kirche) jemals die Meldung von Kindesmißbrauch bei den Strafverfolgungsbehörden untersagt hatten“, schreibt der Vatikan in einer Erklärung.

Die New York Times behauptete, dass Erzbischof Tarcisio Bertone, damals Sekretär der Glaubenskongregation, den Bischöfen in Wisconsin angeordnet habe, ein kanonisches Verfahren einzustellen, das Murphy seines Amtes entheben könne. Wie es zu der fehlerhaften Übersetzung kommen konnte, weiß Thomas Bundage, damals Offizial der Erzdiözese. Er ließ das Memo per Computer übersetzen. Die New York Times berichtet von einem Brief, den Bundage am 15. August 1998 an Bischof Fliss schrieb.

„Es ist eine sehr grobe Übersetzung“, bekannte er darin. „Der Computer kann sicherlich nicht einige Besonderheiten des Kirchenrechts unterscheiden. Trotzdem gibt es uns, die wir nicht italienisch sprechen, eine grobe Vorstellung davon, was vor sich ging.“ Tatsächlich enthält die Übersetzung der Erzdiözese Milwaukee zahlreiche Fehler und unvollständige Sätze. Einige entscheidende Satzteile sowie ganze Sätze wurden ganz ausgelassen. Ein Satz daraus: „The Secretary, Gianfranco Girotti, stated that the priest must give clear signs of repentance, otherwise he must be applied to a trial..[sic] It is recommended that Fr. Murphy be entrusted it[sic] to a priest who like his spiritual director then would have periodic meetings with him every one or two months.”

Während die Milwaukee-Übersetzung behauptet, dass der Priester noch nicht psychologisch untersucht worden sei, steht in dem Memo ganz etwas anderes: Alle drei Psychologen, die ihn untersuchten, waren überzeugt, dass er ein „typischer” Pädophiler sei, der sich selbst als Opfer betrachte. Die Milwaukee-Übersetzung ließ auch den Vorschlag von Erzbischof Bertone weg, der dem Priester Exerzitien anriet, um überprüfen zu können, ob seine Reue echt sei. Sollte sie das nicht sein, würde er mit „strengeren Maßnahmen” konfrontiert werden – inklusive einer Amtsenthebung.

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