Wien: Kongress über Grabtuch von Turin
 
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Schönborn: Grabtuch ist "Köder Gottes". Prof. Ghiberti: Grabtuch ist Evangelisationsmittel, auf das die Kirche nicht verzichten kann

Wien (www.kath.net)
Diese Woche fand in Wien ein internationaler Kongress über das Grabtuch von Turin statt, an dem etwa 200 Besucher teilnahmen. Unter dem Protektorat von Kardinal Christoph Schönborn wurde der Kongress am Dienstag Nachmittag im Wiener Erzbischöflichen Palais eröffnet. Der Wiener Erzbischof bezeichnete in seiner Rede das Grabtuch als einen "Köder Gottes" für die Wissenschaft. Er verwies in Anlehnung an eine Aussage von Papst Paul VI. darauf, welche Faszination noch heute von diesem vergilbten und verbrannten Stoff ausgeht. Schönborn betonte, dass die Kirche hier "keine besondere Kompetenz" hätte und dass es Aufgabe der Wissenschaft sei, ohne vorgefertigte Vorurteile an das Grabtuch heranzugehen. Gleich am Beginn des Kongresses bedankte sich der Kardinal auch bei der Diözese Turin und dem zuständigen Bischof, die das erste Faksimile (siehe Foto) des Grabtuchs, das im Jahr 2000 mit einer neuen Technik entstanden ist, der Erzdiözese Wien als Geschenk überreichten.

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Nach der Eröffnungsrede sprach Prof. Giuseppe Ghiberti, Mitglied der Päpstlichen Bibelkommission zum Thema "Die Kirche und das Turiner Grabtuch". Er verglich das Grabtuch mit Johannes dem Täufer und der Stelle im Johannes-Evangelium, wo es heißt: "Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden" (Joh 3,30). "Nur das will die Kirche, dass mir das Grabtuch hilft, noch stärker an Gott zu glauben.", so Ghiberti und bezeichnete das Grabtuch als ein "Evangelisationsmittel", auf das die Kirche nicht verzichten könne. "Das Grabtuch ist ein Zeuge des Glaubens." Der Theologe verwies im Zusammenhang mit den Forschungen am Tuch darauf, dass auch die "Wissenschaft einen pastoralen Aspekt" hat. "Viele Wissenschaftler sind vom Grabtuch verzaubert.", so Ghiberti.

Neben Prof. Ghiberti sprachen am Dienstag unter anderem auch der Professor für Gerichtsmedizin an der Universität Turin, Pierluigi Baima Bollone, der nachwies, dass die Leiche, die das Grabtuch umhüllte, mit Sicherheit ein gekreuzigter Mensch war. Auch andere Wissenschaftler referierten noch zu den unterschiedlichsten Aspekten: Mechthild Flury Lemberg sprach zum Thema "Der Textilbefund am Turiner Grabtuch" und wies nach, dass es durch Gewebefunde von Massada möglich ist, den Zeitraum des Entstehens des Tuches auf einen Zeitraum von 40 vor Christus und 74 nach Christus einzuschränken. Professor Bollone sprach am Dienstag auch noch zum Thema "Alte Abbildungen und Münzen und das Turiner Grabtuch". Er informierte darüber, dass auf vielen Münzen, die ab dem 8. Jahrhundert im byzantinischen Reich im Umlauf waren, das Gesicht des Grabtuchs zu sehen war und dass auf Farbfotos Spuren von zwei Münzen aus der Zeit von Pontius Pilatus zu erkennen sind. Weitere Vorträge wurden am Mittwoch unter anderem noch von Gian Maria Zacconi ("Von Turin 2000 nach Lirey 1350), von Karlheinz Dietz ("Von Konstantinopel nach Golgotha"), von Paolo Soardo ("Das Turiner Grabtuch von hinten - dank dem Scanner"), von Nello Balossino ("Informatik und Turiner Grabtuch") gehalten. Den Abschluss bildete ein Vortrag von Kardinal Schönborn zum Thema "Theologie des Karsamstags. Eine Konklusion."

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