30 März 2010, 11:45
Der ganze Medienrummel macht mich wütend
 
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Kath.Net-Exklusiv: Geht es den Medien wirklich um die Opfer selbst, oder werden hier die Opfer wieder missbraucht, um ein ganz anderes Ziel zu erreichen? Gedanken eines Missbrauch- und Inzestopfers - Von N. N.

München-Wien (kath.net)
Der ganze Medienrummel um den Missbrauch in katholischen Einrichtungen macht mich wütend! Und mit dieser Wut im Bauch bin ich mutig genug, auch einmal an die Öffentlichkeit zu gehen. Nicht nur für mich, sondern auch für alle Missbrauchs-und Inzestopfer in der Bevölkerung.

Mitzuerleben, wie die Medien sich einsetzen, die Missbrauchsfälle gerade in katholischen Einrichtungen aufzudecken und mit allen Mitteln versuchen, weitere Täter zu entlarven, lässt mich die Frage stellen: Warum nur in der Kirche? Warum nicht auch in anderen Bereichen der Gesellschaft? Denn dafür ist noch nie ein solch großer Medieneinsatz geschehen und schon gar nicht so aktive Nachforschungen nach Tätern, im Gegenteil.

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Wir Missbrauchsopfer müssen soviel Kraft (die die wenigsten von uns haben) selber aufwenden, um z.B. richtige Therapien und Hilfen für ein einigermaßen normales Leben zu bekommen. Wir sind immer in der Situation, den Missbrauch selber beweisen zu müssen und werden oft als Lügner hingestellt! Wir werden allein gelassen. Wir haben oft keine Lobby.

Geht es den Medien wirklich um die Opfer selbst, oder werden hier die Opfer wieder missbraucht, um ein ganz anderes Ziel zu erreichen?
Zahlen, die das Kriminologische Institut Hannover nennt, nämlich, dass Jahr für Jahr etwa 1 Millionen Kinder missbraucht werden (in neun von zehn Fällen sind es Mädchen), lässt die Einseitigkeit der Medien im Kampf gegen Missbrauch sehr gut erkennen. Was da in Familien passiert (und verschwiegen wird), ist der reinste Horror und überwiegt bei Weitem prozentual die Zahlen der Missbräuche in katholischen Einrichtungen.

Ich selber habe als Kind und Jugendliche über Jahre persönlich Missbrauch in Form von Schlägen, psychischem Druck und sexuellen Übergriffen erlebt. Dies gehörte in unserer Familie Tag und Nacht dazu wie das tägliche Brot.

Durch das Abschaffen des Zölibats den Missbrauch zu verhindern, halte ich für an den Haaren herbei gezogen. Demzufolge müssten die Missbrauchsfälle außerhalb der Kirche niedriger sein, da doch alles erlaub ist was Spaß macht und „unbequeme“ Folgen vermieden oder aus dem Weg geräumt werden können. Die Zahl der Missbrauchsfälle steigt! Regen nicht so manche Filme im Fernsehen gerade die Täter an, sich an Kinder zu vergehen? Das Leben in meiner Familie bestätig das! Solche Filme sind für mich auch Missbrauch, und zwar auch an den Tätern!

Ich würde mir wünschen, dass mehr Missbrauchsopfer in der Bevölkerung die Stimme erheben und sich gegen diese einseitige Art der Berichterstattung wehren würden.

Ein Letzes noch: wieso die Kirche und ihre Priester unter Generalverdacht stellen? Welch Außenstehender wird bei einem Vergehen gleich die ganze Familie, die ganze Verwandtschaft in einen „Sack“ stecken mit der Aufschrift: „Achtung! Gefährlich!“ und alle Mitglieder meiden? Gilt da nicht eher die Aussage, die oft zu hören ist: „Das kann ich gar nicht verstehen, dass so etwas passiert. Die andern sind doch so „nette Leute“.

Meine Erfahrung mit der Kirche ist Folgende: Sie hat mir in den Sakramenten und durch sensible, geistliche Begleitung das gegeben, was ich brauche, um mich nach vielen Jahren wieder als wertvoller und kostbarer Mensch annehmen zu können. Ihr konnte ich vertrauen. (Jedes Missbrauchsopfer wird bestätigen, wie schwierig es ist, dies zu können). Sie hat mir dazu verholfen, dass ich meinen Hass, der mich innerlich zu zerfressen drohte, in Vergebung umwandeln zu können. In der Kirche fand ich den geschützten Raum, um wieder eine gesunde Beziehung zu den Menschen und zu Gott entwickeln zu können, um so Stück für Stück heil zu werden. Diese Chance haben meine Geschwister leider nicht wahr genommen. Meine jüngere Schwester ist heute noch nicht fähig, trotz vieler, ausgezeichneter Therapien, ein einigermaßen normales Leben zu führen. Sie ist Invalide.

Trotz allem Schmerzlichen, was in der Kirche passiert ist, werde ich die Zuversicht nicht verlieren, dass Gott die Kirche gewollt hat zum Wohl der Menschen und dass es da, wo Menschen leben, immer menschelt und auch schreckliche Dinge geschehen können.

Hiermit sei allen Priestern, die in Treue und Aufopferung ihren Dienst trotzdem in der Kirche weiter tun, ein großer Dank ausgesprochen. Uns allen möchte ich wünschen, gerade diese Priester bewusst sehen zu wollen und zu können, ihnen dankbar und treu zur Seite zu stehen und mit ihnen und für sie zu beten

Frau N. N. (Name der Redaktion bekannt!) arbeitet heute in der Kinder- und Jugendarbeit in der katholischen Kirche. Sie steht auch für Rückfragen zur Verfügung. Sie können mit N. N. gerne Kontakt aufnehmen. Bitte schreiben Sie dazu an missbrauchsopfer@kath.net Alle Zuschriften werden an Frau N.N. weitergeleitet und zu 100 % vertraulich behandelt!

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