27 März 2010, 13:25
’Ich sag es einmal ganz persönlich: Es geht mir schlecht.’
 
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"Braucht es Veränderungen beim Zölibat?" - "Ja, ihn gut zu leben." Kardinal Schönborn im Standard-Interview.

Wien (kath.net) „Ich liebe diese Kirche. Dann erleben zu müssen, dass es einerseits sehr schmerzliche Wunden und sehr schmerzliches menschliches Versagen in dieser Kirche gibt, und andererseits sehen zu müssen, dass das, was mir an dieser Kirche so kostbar ist, von vielen Menschen nicht mehr gesehen wird, tut mir unheimlich weh. In aller Ehrlichkeit: Ich leide mit dieser Kirche.“ Das sagte Kardinal Christoph Schönborn, Erzbischof von Wien, in einem Interview mit der österreichischen Tageszeitung Standard.

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Angesprochen auf die Empfehlung des ehemaligen ÖVP- Vizekanzlers Erhard Busek, die Kirchenoberen sollten als deutliches Zeichen der Buße "auf Knien den Berg hinaufrutschen", sagte Schönborn: „Ich bin es leid, wenn Politiker, die längst nicht mehr im Amt sind, uns Bischöfen ständig gute Ratschläge geben. Es steht uns allen gut an, Buße zu tun.“ Da nach dem Zweiten Vaticanum „wir alle Kirche sind“, müsse sich in einer so schmerzvollen Situation jeder in der Kirche fragen, wie es mit seinem persönlichen Glauben und seinem sittlichen Leben stehe.

Für die Kirche gebe es jetzt nur den „Weg der Wahrheit“, des Hinschauens und der Gerechtigkeit für die Opfer. Es sei „von vielen viel zu lange weggeschaut“ worden, jetzt sei „tätige Reue“ angesagt. Aber auch in der Gesellschaft habe sich das richtige Bewusstsein erst bilden müssen: Erst 1989 wurde das Ohrfeigen in der Schule in Österreich verboten. Daher dürfe nicht die Kirche „selektiv“ und als Sündenbock angegriffen werden.

Gegen eine staatliche Kommission zum Thema Missbrauch habe er nichts einzuwenden, doch dürfe die Überprüfung nicht auf die Kirche beschränkt werden. Ob es eine Anzeigepflicht geben soll, könnte der „Runde Tisch“ klären, da diese Frage „auch unter Juristen, Pädagogen und Psychologen umstritten“ sei.

Gefragt nach den Entschädigungszahlungen sagte Schönborn, dass die Fälle individuell abgehandelt werden müssen. Ein Opferfonds sei „vielleicht“ möglich, aber „im Normalfall müssen die Täter zur Verantwortung gezogen werden“. Auf etwaige Sammelklagen angesprochen sagte der Kardinal: „Wir leben nicht in Amerika.“ Auf die Frage, ob es „Veränderungen beim Zölibat oder der Priesterausbildung“ brauche, antwortete Schönborn treffend: „Ja, beides gut zu leben.“

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