25 März 2010, 11:18
Kirche hat nie Meldung von Kindesmissbrauch bei den Behörden untersagt
 
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Vatikan wehrt sich gegen einen Bericht der New York Times mit einer umfassenden Stellungnahme, im Wortlaut auf kath.net

Rom (kath.net)
Der Vatikan hat am Donnerstag eine Stellungnahme zu den Beschuldigungen von Papst Benedikt XVI. durch die New York Times veröffentlicht.

Kath.Net dokumentiert die Stellungnahme des Presseamts des Heiligen Stuhles in einer eigenen deutschen Übersetzung im Wortlaut:

Vollständige Erklärung des Direktors des Presseamtes des Heiligen Stuhles, Hw. Pater Federico Lombardi SJ, betreffend den "Fall Murphy" gegenüber den New York Times (vom 24. März 2010 und heute vom Vatikan veröffentlicht)

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Der tragische Fall des Priesters Lawrence Murphy, inkardiniert im Erzbistum Milwaukee, betraf besonders verletzliche Opfer, die schrecklich unter dem litten, was er tat. Indem er hörgeschädigte Kinder sexuell mibßrauchte, verletzte der Priester Murphy das Gesetz und - was noch bedeutsamer ist - das heilig zu haltende Vertrauen, das die Opfer gegenüber ihm hegten.

Mitte der 70er-Jahre meldeten einige der Opfer des Priesters Murphy dessen Mißbrauch den zivilen Behörden, die zu damaliger Zeit gegen ihn untersuchten; gemäß den Nachrichtenmeldungen wurde diese Untersuchung jedoch fallengelassen. Die römische Kongregation für die Glaubenslehre wurde damals über die Materie nicht informiert, sondern erst etwa 20 Jahre später.

Es wurde jetzt insinuiert, daß es in diesem Fall einen Bezug zwischen der Anwendung von "Crimen sollicitationis" (englische Übersetzung auf der Seite des Heiligen Stuhles unter http://www.vatican.va/resources/resources_crimen-sollicitationis-1962_en.html ) und dem Nichtmelden des Kindesmißbrauches an die zivilen Behörden gegeben habe. Tatsächlich gibt es hier keinen solchen Zusammenhang. Wahr ist vielmehr, daß entgegen der verschiedenen in den Medien zirkulierenden Erklärungsversuche weder "Crimen sollicitationis" noch das kirchliche Gesetzbuch (Codex Iuris Canonici für die lateinische Kirche) jemals die Meldung von Kindesmißbrauch bei den Strafverfolgungsbehörden untersagt hatten.

In den späten 90er-Jahren, also mehr als zwei Jahrzehnte nachdem der Mißbrauch gegenüber diözesanen Beamten und der Polizei gemeldet worden war, wurde der Kongregation für die Glaubenslehre zum ersten Mal die Frage übermittelt, wie der Fall Murphy kirchenrechtlich zu lösen sei. Die Kongregation wurde deshalb über den Fall informiert, weil die Straftat der Sollizitation im Beichtstuhl (Verführung gegen das sechste Gebot) mit eingeschlossen war, was eine Verletzung des Bußsakramentes darstellt. Es ist sehr wichtig, zu wissen, daß die der Kongregation vorgelegte kirchenrechtliche Frage keinerlei Bezug zu möglichen zivilen oder strafrechtlichen Vorgehensweisen gegen den Priester Murphy aufwies.

In solchen Fällen sieht der Codex Iuris Canonici keine automatisch eintretenden Strafen vor, sondern weist an, daß ein Urteil gefällt werden solle, das sogar die schwerste Kirchenstrafe des Ausschlusses aus dem klerikalen Stand beinhalten kann (vgl. can. 1395 n. 2). Im Lichte der Faktenlage, daß der Priester Murphy älter und in sehr schlechtem Gesundheitszustand war und daß er darüber hinaus in Abgeschiedenheit lebte sowie über 20 Jahre hinweg keinerlei Mißbrauchsvorwürfe gemeldet worden waren, empfahl die Kongregation für die Glaubenslehre dem Erzbischof von Milwaukee, die Situation beispielsweise durch die Einschränkung seines öffentlichen Wirkens sowie durch die Forderung an Murphy zu behandeln, daß er die volle Verantwortung für die Schwere seiner Handlungen übernehme. Etwa vier Monate später starb der Priester Murphy, ohne weitere Begebenheiten.

Copyright der Übersetzung by Kath.Net / Dr. Alexander Pytlik

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