22 März 2010, 11:40
'Ich bin wütend, Gott'
 
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Wiener Kardinal Christoph Schönborn lädt mit der umstrittenen Gruppierung 'Wir sind Kirche' zu einem Bußgottesdienst im Wiener Stephansdom ein

Wien (kath.net)
Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn wird nächste Woche am Mittwoch, den 31. März, gemeinsam mit der umstrittenen Gruppe "Wir sind Kirche" (WSK) im Stephansdom einen Klage- und Bußgottesdienst unter dem Motto "Ich bin wütend, Gott" abhalten. Dabei sollen Opfern von sexueller Gewalt durch Priester die Gelegenheit geboten werden, in Anwesenheit des Kardinals ihr Leiden zu formulieren. Dies kündigte der Vorsitzende österreichischen Gruppe, Hans Peter Hurka, am Sonntag im Gespräch mit der "Presse" an.

"Wir sind Kirche" ist keine offizielle anerkannte Gruppe der Kirche und trat in den vergangenen Jahren immer wieder mit Forderungen gegen die Kirche auf, die von Rom klar abgelehnt wurden. In etlichen Diözesen und Bistümern darf die Gruppe nicht in kirchlichen Räumen auftreten. Das Bistum Regensburg bezeichnete "Wir sind Kirche" im November 2006 als "problematische Splittergruppe". Der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser hat 2005 dem Verein "Wir sind Kirche" untersagt, in der Dombuchhandlung einen sogenannten "Herdenbrief" zu präsentieren. Kothgasser sagte damals wörtlich: "Wer Christus nachfolgen will, der muss auch bei Petrus bleiben, und wer bei Petrus bleiben will, der ist auch bei der Kirche."

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Auch der Wiener Kardinal Christoph Schönborn hatte die Gruppe in der Vergangenheit mehrfach kritisiert. Unter anderem kritisierte er 2003 bei einer Pressekonferenz, dass die Plattform eine Initiative eines Netzwerks von Freimaurern, der "Europäischen Humanistischen Förderation", die die Entfernung des Artikels 51 aus dem EU-Verfassungsentwurf fordere, unterstütze. Der Artikel 51 befasst sich mit dem Status der Kirchen und weltanschaulichen Gemeinschaften. Es wird dort unter anderem festgestellt, dass die Union "den Status, den Kirchen und religiöse Vereinigungen oder Gemeinschaften in den Mitgliedstaaten nach deren Rechtsvorschriften genießen", achtet und ihn nicht beeinträchtigt. Außerdem wird festgehalten, dass die Union einen "offenen, transparenten und regelmäßigen Dialog" mit den Kirchen führt. "Diese Dialogklausel wird von 'Wir sind Kirche' in Frage gestellt", sagte Schönborn: "Man wundert sich." Es bestehe ein "deutlicher Erklärungsbedarf".

2003 hat der deutsche Erzbischof Ludwig Schick den Verein "Wir sind Kirche" wegen deren Rücktrittsforderungen an Papst Johannes Paul II. scharf kritisiert und wörtlich gesagt: "Weisner und seinen Anhängern ist Umkehr und Buße anzuraten. ‚Wir sind Kirche’ können alle sagen, die durch das dreifache Band des Glaubens, der Sakramente und der ehrfürchtigen und gehorsamen Verbindung mit Papst und Bischöfen, kirchliche Gemeinschaft bilden. Aus dieser Communio scheint sich Weisner und seine Zentrale verabschiedet zu haben.". Der Eichstätter Diözesanrat hat 2003 eine Mitgliedschaft von "Wir sind Kirche" im Diözesanrat abgelehnt. Der Augsburger Bischof Walter Mixa sagte 2003 klar: "'Wir sind Kirche' steht nicht auf Boden der katholischen Kirche."

Der bekannte katholische Journalist Guido Horst meinte in einen Kommentar: "Die Kirchennörgler, die in den vergangenen Jahren den "Geist des Konzils" beschworen haben, waren unfruchtbar. "Wir sind Kirche" besteht aus einem Briefkasten und einem E-mail-Server, die KirchenVolksBegehrer, die in Publik-Forum ihr Organ fanden, sind heute ergraut und (geistig) kinderlos geblieben."[8]

2002 hat die spanische Bischofskonferenz in einer Aussendung klargestellt, dass die Bewegung "Wir sind Kirche" keine kirchliche Gruppe sei. Wörtlich hieß es in einer Erklärung: "Diese Bewegung, die sich an einer in Österreich aufgekommenen Initiative orientiert und sich in etlichen Ländern der Erde verbreitet hat, ist trotz des erwählten Namens "Wir sind Kirche" keine kirchliche Gruppe und kann sich keinerlei kanonischer Approbation oder Anerkennung rühmen. Die Bewegung bedient sich einer Ausdrucksweise, die sich eindeutig von der Lehre der Katholischen Kirche entfernt und die kirchliche Einheit verletzt und zerstörerisch auf sie einwirkt."

Zuletzt hatte der bekannte Journalist und Papstfreund Peter Seewald in einem Kath.Net-Kommentar sich sehr kritisch zur Gruppe geäußert und betont: "Stattdessen kommt der unvermeidliche Herr einer antikirchlichen Sektierergruppe ins Bild, die sich seltsamerweise „Wir sind Kirche“ nennt. Kamera und Mikro vor seinem Haus sind auf Standby geschaltet. Er vertritt im Medienspiel die „Basis“, obwohl seine Gruppe mit Kirchenvolk so wenig zu tun hat wie Heiner Geisler mit der Glaubenskongregation."

Kathpedia: "Wir sind Kirche"

Kathpedia: Kardinal Schönborn

Foto: (c) kath.net

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