19 März 2010, 09:38
Missbrauch überwiegend von Nicht-Priestern und Nicht-Pädophilen
 
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"Mit der Fokussierung auf die katholische Kirche entlastet sich die Gesellschaft von dem Blick auf sich selbst", kritisiert der Berliner Therapeut Christoph Joseph Ahlers.

Berlin (kath.net)
"Wenn man das Gesamtphämomen betrachtet, ist der Anteil der Kirche an den gesamten Fällen von sexuellem Kindesmissbrauch gering. In Deutschland werden jährlich viele tausend Taten begangen. Mit der Fokussierung auf die katholische Kirche entlastet sich die Gesellschaft von dem Blick auf sich selbst." Das sagt der deutsche Sexualtherapeut Christoph Joseph Ahlers in einem Interview mit der "taz".

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Der derzeitige mediale Diskurs trage "nur bedingt zur Vorbeugung von sexuellem Kindesmissbrauch bei, weil die Suche nach den Ursachen immer auf besondere Gruppen gerichtet wird: die Priester oder die Pädophilen", erklärte Ahlers. "Dabei wird das Gros der Taten in der gesellschaftlichen Mitte begangen, in Familien, überwiegend von Nicht-Priestern und Nicht-Pädophilen."

Darüber hinaus werde in den allermeisten Berichten nicht zwischen Pädophilie und sexuellem Kindesmissbrauch unterschieden. Ahlers: "Die überwiegende Mehrzahl von sexuellem Missbrauch wird von nichtpädophilen Tätern begangenen. Man spricht von sogenannten Ersatzhandlungstätern: der Onkel Robert und der Stiefvater Klaus. Lediglich circa ein Drittel der Täter von sexuellem Kindesmissbrauch ist pädophil. Nicht jeder sexuelle Kindesmissbraucher ist pädophil und nicht jeder Pädophile wird zum Täter."

Pädophilie sei nicht heilbar, unterstrich der Therapeut. Ein Pädophiler könne jedoch lernen, "für sein sexuelles Verhalten Verantwortung zu übernehmen, indem er keine Kinder missbraucht", erklärte er. Pädophile, "die Hilfe suchen, um keine Täter zu werden, verdienen Anerkennung und Respekt. Die bekommen sie in unserer Gesellschaft nicht."

Es gebe jedoch auch Pädophile, die der Überzeugung sind, "dass sexuelle Kontakte zwischen Erwachsenen und Kindern okay sind und dass nur die Gesellschaft ein Problem damit hat", erläuterte er weiters. "Sie haben kein Problembewusstsein und missbrauchen Kinder im wortwörtlichen Sinne sexuell. Dieser Gruppe muss die Gesellschaft natürlich mit allen Mitteln des Strafrechts Einhalt gebieten."

Personen mit pädophiler Sexualpräferenz wählten häufig pädagogische Berufe, erklärte der Therapeut weiters. "Aber es wäre unzulässig zu sagen, sie tun das, um Kinder zu missbrauchen. Pädophile erleben Kinder als ganzheitliche Beziehungspartner. Sie lieben sie. Deswegen ist die Hingabe, mit der sie die Erziehungsarbeit machen, häufig besonders groß. Darin liegt auch die besondere Gefahr."

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