16 März 2010, 11:40
Angela Merkel zufrieden mit dem Vorgehen des Papstes
 
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Hans-Ludwig Kröber, Professor der Berliner Charité: Statistik zeigt: Männer, die nicht im Zölibat lebten, werden mit einer 36mal höheren Wahrscheinlichkeit zu Missbrauchstätern - Leiter des Münchner Seelsorgereferates muss zurücktreten

Berlin (kath.net)
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich laut deutschen Medienberichten zufrieden mit dem Vorgehen des Papstes bei den Missbrauchsfällen geäußert. Sie begrüße es, dass er hinter der vollständigen Aufklärung stehe, sagte ein Sprecher. Selbst äußerte sie sich nicht zu den neuen Entwicklungen. Auch P. Bernd Hagenkord, der Chef der deutschsprachigen Abteilung von Radio Vatikan hat sich im NDR zu Wort gemeldet und gemeint: „Der Papst schweigt, weil es eine klare Stellungnahme seines Pressesprechers zu diesem Fall gegeben hat".Der Papst habe mehrfach betont, dass eine auch strafrechtliche Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in Irland, Deutschland sowie den USA und anderen Ländern nötig sei. Eine Aufarbeitung funktioniere aber nicht, "wenn man über die Ländergrenzen hinweg versucht, die Dinge an sich zu ziehen".

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Kritik an der in einigen Medien stark verbreiteten These, dass es einen Zusammenhang zwischen den Zölibat und den Missbrauchsfällen hat sich jetzt auch der Berliner Kriminalpsychiater Hans-Ludwig Kröber geäußert. In einem Heute.de-Beitrag betonte der Professor für forensische Psychiatrie an der Berliner Charité mit Verweis auf die Statisiken, dass Männer, die nicht im Zölibat lebten, mit einer 36mal höheren Wahrscheinlichkeit zu Missbrauchstätern werden als katholische Priester. Natürlich könne man über das Zölibat streiten, aber man werde nicht mit 25 Jahren "plötzlich pädophil, weil man keine Frau mehr hat." Das passiere in der Zeit der sexuellen Prägung, in Kindheit und Pubertät.

"Hier können Kirchengegner ihr Mütchen kühlen", sagt er. Die katholische Kirche werde als reaktionär und rückständig verurteilt, ihre Sexualmoral als verbiestert. "Was die katholische Lehre zur Sexualität so richtig sagt, das weiß doch keiner so genau.", erklärt Kröber und zeigt sich verärgert, dass hier "verstaubte Geschichten aus den 70er Jahren hervorgezerrt" würden und mit ihnen vor allem von einem Thema abgelenkt werde. Die Frage des sexuellen Missbrauchs interessiere eigentlich niemanden so richtig. Doch da müsse laut dem Kriminalpsychologen angesetzt werden. Und nicht nur ein Blick auf die Kirche helfe weiter. Kröber verwies dann auch auf ein anderes Problemgebiet: "Man muss nur einmal zum Deutschen Fußballbund gehen, die haben viele kleine Jungs."

Auch Ingo Fock von "Gegen Missbrauch e.V." zeigt sich kritisch über die Medienberichterstattung und erinnert daran, dass Missbrauch in Deutschland vor allem in Familien stattfindet und dass Internate nichts anderes als "ausgelagerte Familien" seien. "Kirche ist das Thema, das die Medien interessiert. Die "normalen Fälle" sind einfach nicht so spannend", betonte Fock.

Erzdiözese München und Freising: Prälat Josef Obermaier tritt zurück

Inzwischen kam es im Bereich der Erzdiözese München und Freising zu einem weiteren ungewöhnlichen Rücktritt im Zusamemnhang mit Missbrauchsvorwürfen. Der aufgrund als Tourismusseelsorger eingesetzte Priester H. wird mit sofortiger Wirkung vom Dienst suspendiert. H. hat sich laut dem Erzbistum nachweislich nicht an die Auflagen gehalten, die ihm wegen Vorwürfen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger, einer rechtskräftigen Verurteilung und nach Prüfung eines forensischen Gutachtens im Jahr 2008 gemacht wurden. Der Priester war seit 2008 als Kur- und Tourismusseelsorger eingesetzt. Ihm war jede Kinder- und Jugendarbeit untersagt. H. hat gegen diese Auflagen verstoßen. Hinweise auf neuerlichen sexuellen Missbrauch liegen dem Ordinariat dagegen, wie seit der Verurteilung im Jahr 1986, weiterhin nicht vor.

In Zusammenhang mit diesem Vorgang tritt der zuständige Dienst- und Fachvorgesetzte von H., Prälat Josef Obermaier, zurück. Als Leiter des Seelsorgereferates der Erzdiözese übernimmt er damit die Verantwortung für gravierende Fehler in der Wahrnehmung seiner Dienstaufsicht. Obermaier bot Erzbischof Reinhard Marx am Montagmittag seinen Rücktritt an, den dieser entgegennahm.

Heute.de Bericht

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