15 März 2010, 12:49
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Generation Benedikt: "Zentralkomitee der deutschen Katholiken" trägt zum Generalverdacht des Berufsstands der Priester bei - "Kirche von unten" und "Bund der katholischen Jugend" (BDKJ) haben ein mangelhaftes Medienverhalten

Köln (kath.net)
Kath.Net dokumentiert die am Montag veröffentliche Stellungnahme der Generation Benedikt im Wortlaut:

Der aktuelle Missbrauchsskandal in Deutschland erschüttert die Katholische Kirche in mehrfacher Hinsicht.

Die meisten der bisher ans Tageslicht gekommenen sexuellen Übergriffe auf wehrlose Kinder und Jugendliche haben in Einrichtungen in katholischer Trägerschaft stattgefunden. Die Täter haben unermessliches Leid verursacht, das weder nachträglich ungeschehen gemacht werden noch durch Sach- oder Therapieleistungen vollständig wieder gut gemacht werden kann. Es ist mehr als verständlich, dass das schuldhafte und beschämende Verhalten von Priestern und Mitarbeitern der katholischen Einrichtungen viele Menschen in ihrer Beziehung zur Katholischen Kirche verunsichert und erschüttert hat.

Angesichts des lange praktizierten Schweigens und der entweder gar nicht oder nicht ausreichend erfolgten innerkirchlichen Aufarbeitung über Jahrzehnte hinweg geht die „Generation Benedikt“ davon aus, dass das volle Ausmaß des geschehenen Unrechts noch nicht bekannt ist und weitere Missbrauchsfälle aufgedeckt werden. Es ist zuallererst im Sinne der Opfer, aber auch zum langfristigen Guten der Kirche, dass so viele dieser Verbrechen wie möglich ans Tageslicht kommen und im Rahmen ihrer umfassenden Aufarbeitung so viel Gerechtigkeit – wie es eben nachträglich noch möglich ist – geübt werden kann. So wie den Tätern die persönliche Konfrontation mit ihrer Schuld nicht vorenthalten werden darf, werden sich die Mitarbeiter in kirchlichen Führungsfunktionen für den ungenügend umsichtigen Umgang mit den ihnen bekannten Verbrechen der ihnen unterstellten Mitarbeiter verantworten müssen.

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Neben dieser voraussichtlich noch lange andauernden Erschütterung durch die späte Aufdeckung der in kirchlichem Kontext begangenen Missbrauchsverbrechen ist die Katholische Kirche in Deutschland derzeit außerdem den politisch motivierten Vorstößen verschiedener gesellschaftlicher und kirchlicher Gruppierungen ausgesetzt. Die „Generation Benedikt“ unterstützt alles, was der Aufklärung der Verbrechen und der Herstellung maximaler Gerechtigkeit für die Opfer dient. Parteipolitische wie kirchenpolitische Debatten auf dem Rücken der Opfer lehnt sie jedoch ab. Wer sich wie Frau Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger vor allem auf die einseitige Identifizierung der Katholischen Kirche als Täter konzentriert, ist zu Recht dem Verdacht ausgesetzt, kein glaubwürdiger Vertreter der Interessen aller Opfer zu sein.

Wer wie die Laienorganisation „Zentralkomitee der deutschen Katholiken“ (ZDK) in diesem Zusammenhang eine Überprüfung des Zölibats anmahnt, nimmt wissentlich in Kauf, dass damit der wissenschaftlich verneinte Zusammenhang zwischen Zölibat und Pädophile als irrige Vermutung in der Öffentlichkeit weiterbesteht und trägt so zum Generalverdacht des Berufsstands der Priester bei.

Wer wie die Vereinigungen „Kirche von unten“ oder auch der „Bund der katholischen Jugend“ (BDKJ) "endlich" ein Wort des Papstes einfordert, dem muss mindestens ein mangelhaftes Medienverhalten unterstellt werden, angesichts der zahlreichen dokumentierten Äußerungen von Papst Benedikt XVI. zur Problematik des Missbrauchs:


- Am 15. Februar 2010 bezeichnete Papst Benedikt XVI. den sexuellen Missbrauch von Kindern und jungen Menschen als ein „verabscheuungswürdiges Verbrechen“ und als eine „schwere Sünde“. In diesem Zusammenhang forderte er die Bischöfe dazu auf, „die Probleme der Vergangenheit mit Bestimmtheit und Entschlossenheit anzugehen und der aktuellen Krise mit Ehrlichkeit und Mut zu begegnen.“ (O-Ton Papst Benedikt XVI. vom 15. Februar 2010)

- Auf der Vollversammlung des Päpstlichen Rates für die Familie am 8. Februar 2010 stellte Papst Benedikt XVI. ausdrücklich klar, dass der sexuelle Missbrauch von Kindern und jungen Menschen ein „Verhalten [sei], bei dem die Kirche nicht versäumt und auch in Zukunft nicht versäumen wird, es zu missbilligen und es zu verurteilen." (O-Ton Papst Benedikt XVI. vom 8. Februar 2010)

- Noch deutlicher wurde Papst Benedikt XVI. in seinen Stellungnahmen zu diesem Thema im Jahr 2008 im Rahmen seiner Reise in die USA: „Ich bin ich mir auch des Schmerzes bewusst, den die katholische Kirche in Amerika als Folge des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger erfahren hat. Keines meiner Worte könnte die durch einen solchen Missbrauch zugefügten Schmerzen und Leiden beschreiben. […] Auch kann ich den in der Gemeinschaft der Kirche entstandenen Schaden nicht angemessen in Worte fassen. Große Anstrengungen sind schon unternommen worden […] Dieses Bemühen, die Kinder zu schützen, muss weitergeführt werden. Gestern habe ich mit euren Bischöfen darüber gesprochen. Heute möchte ich jeden von euch ermutigen, alles in eurer Macht Stehende zu tun, um Heilung und Versöhnung zu fördern, und denen beizustehen, die verletzt worden sind.“ (O-Ton Papst Benedikt XVI. vom 17. April 2008).

- Ferner unterstrich Papst Benedikt XVI. in einem Interview am 15. April 2008 die absolute Notwendigkeit einer lückenlosen Aufklärung der sexuellen Übergriffe und dass Priester mit pädophilen Neigungen aus der Kirche auszuschließen seien: „Es ist ein großes Leid für die Kirche in den Vereinigten Staaten und für die Kirche im allgemeinen, auch für mich persönlich, dass dies [die sexuellen Übergriffe auf Kinder und junge Menschen] geschehen konnte. Wenn ich die Geschichte dieser Vorkommnisse betrachte, fällt es mir schwer, zu verstehen, wie Priester so sehr in ihrer Sendung versagen konnten, diesen Kindern das Heil und die Liebe Gottes zu bringen. Ich bin beschämt, und wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um sicherzustellen, dass so etwas in Zukunft nicht wieder geschieht. […] Wir werden Pädophile unbedingt vom Priesteramt ausschließen; das ist absolut unvereinbar, und wer wirklich schuldig ist, ein Pädophiler zu sein, kann kein Priester sein. […] Nur Personen, die in gesunder Verfassung sind, können zum Priestertum zugelassen werden, nur Personen mit einem tiefen persönlichen Leben in Christus, die auch ein tiefes sakramentales Leben haben. Ich weiß also, dass die Bischöfe und die Spirituale der Priesterseminare alles tun werden, was in ihren Kräften steht, um zu einer wirklich sehr strengen Entscheidungsfindung zu gelangen, denn es ist wichtiger, gute Priester zu haben als viele Priester.“ (O-Ton Papst Benedikt XVI. vom 15. April 2008).


Der Papst hat also bereits seit Jahren – unabhängig von den aktuellen Missbrauchsfällen – eine lückenlose und aktive Aufklärung der sexuellen Übergriffe von Priestern gefordert. Die kirchlichen Führungsstrukturen wären gut beraten gewesen, ihre Aufklärungsarbeit noch konsequenter an diesen Vorgaben auszurichten. Angesichts des Leids der Opfer und des offensichtlichen Versagens kirchlicher Strukturen hält die „Generation Benedikt“ Diskussionen über die Frage, ob eine mögliche Ursache der Vergehen in der sexuellen Revolution liegen könnte, mindestens für unangebracht.

Alle Kirchenmitglieder und insbesondere die Bischöfe stehen als Kirche in Deutschland in der Pflicht, es nicht bei der Aufarbeitung der bisher aufgedeckten Verbrechen zu belassen, sondern zu einer umfassenden, aktiven Aufklärung auch weiterer Vergehen beizutragen und neue Instrumente dafür zu entwickeln, dass Missbrauch in allen Formen künftig verhindert und der kirchliche Umgang mit dennoch begangenen Taten immer im Sinne der Opfer gestaltet wird. Die „Generation Benedikt“ stellt die bescheidenen Kapazitäten und Kompetenzen ihrer Jugendinitiative für diese Arbeit zur Verfügung. Der „Generation Benedikt“ geht es um die Glaubwürdigkeit der Kirche, die den Dienst an den Menschen wahrnehmen können muss, für den sie gestiftet worden ist.

Die Jugendlichen der „Generation Benedikt“ gewinnen den traurig stimmenden Eindruck, dass viele an der Debatte über die Missbrauchsfälle beteiligten Personen und Organisationen zunehmend die eigentlichen Opfer aus dem Auge verlieren und in der öffentlichen Empörung über die tatsächlich erschütternden Missbrauchsfälle eine Gelegenheit für (kirchen-) politische Debatten sehen. Nicht zuletzt im Namen der zum Zeitpunkt meist jugendlichen Opfer fordert die „Generation Benedikt“: Aufklärung statt Politik!

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