11 März 2010, 11:45
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Skandal um Legionäre Christi erschüttert Mexikos Kirche, doch es gibt auch Ungereimtheiten bei denen, die Beschuldigungen erheben. Jetzt legten sogar Anwälte aus Protest das Mandat nieder - Von Tobias Käufer (KNA)

Mexiko-Stadt (kath.net/KNA)
Selbst bis in den Sonntags-Gottesdienst verfolgt die mexikanische katholische Kirche der Skandal um die Ordensgemeinschaft «Legionäre Christi». Als Kardinal Norberto Rivera am vergangenen Wochenende seine Predigt in der Kathedrale von Mexiko-Stadt beginnen wollte, störte eine Gruppe von Aktivisten mit lautstarken Zwischenrufen die Messe. Auf Plakaten hieß es: «Die Armee und die katholische Kirche sind die größten Feinde Mexikos.» Das Doppelleben des 2008 gestorbenen Ordensgründers Marcial Maciel Degollado erschüttert die Kirche und ist seit Tagen ein beherrschendes Thema in den Medien. Missbrauchsvorwürfe gegen Maciel standen bereits seit Jahren im Raum, seit wenigen Tagen aber erreichten die Meldungen über das Ausmaß der Verfehlungen neue Dimensionen: Medien berichteten über eine angebliche Lebensgefährtin Maciels. Diese gab an, Mutter zweier gemeinsamer Kinder zu sein. Die mutmaßlichen Söhne Maciels beschuldigten ihren Vater zudem des sexuellen Missbrauchs.

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Fast täglich vermelden mexikanische Medien neue Details über das Doppelleben Maciels. So habe sich der Ordensgründer verschiedenen Frauen unter anderem als Mitarbeiter eines Ölkonzerns, aber auch als Privatdetektiv oder als CIA-Agent vorgestellt. Der Generalsekretär der «Legionäre Christi», Pater Evaristo Sada, musste zuletzt öffentlich einräumen: «Es ist schmerzhaft, diese Wahrheiten zu erfahren. Wir müssen jetzt die Gründe identifizieren und mit
Entschiedenheit das korrigieren, was korrigiert werden muss, damit so etwas nie wieder vorkommt.»

Doch es gibt auch Ungereimtheiten bei denen, die Beschuldigungen erheben: So hätten die mutmaßlichen Söhne Maciels von den Legionären ein Schweigegeld in Höhe von 26 Millionen Dollar verlangt, erklärte laut Medienberichten ein Sprecher der Ordensgemeinschaft. Die Forderungen und die öffentlichen Aussagen der «Maciel-Familie» sorgten für Verstimmung bei deren Anwälten. Ein Teil der Rechtsvertreter legte zu Wochenbeginn offenbar aus Protest ihr Mandat nieder.

Papst Benedikt XVI. soll noch in diesem Monat einen kirchlichen Untersuchungsbericht über die Ordensgemeinschaft erhalten. Fünf Bischöfe, die der Vatikan mit einer Prüfung der Vorwürfe beauftragt hatte, werden dann über ihre Besuche in den Niederlassungen des Ordens berichten.

Maciel war im Februar 2008 im Alter von 87 Jahren in den USA gestorben. Ein spanischer Journalist berichtete, dass er auf dem Sterbebett dem Glauben abgeschworen und die Sterbesakramente verweigert habe. Zu Beginn der kirchlichen Untersuchungen standen Vorwürfe, der Ordensgründer habe Seminaristen missbraucht. Von einem Doppelleben Maciels war da noch gar nicht die Rede. Zudem soll Maciels Ordensangehörigen die Absolution für gemeinsam begangene sexuelle Handlungen erteilt haben.

Das Kirchenrecht sieht dafür die automatische Exkommunikation vor, die nur vom Papst selbst gelöst werden kann. Maciel selbst bestritt die Vorwürfe zu Lebzeiten. Bereits 2006 hatte der Vatikan den Ordensgründer im Zusammenhang mit Vorwürfen sexuellen Missbrauchs gemaßregelt.

Jetzt spekulieren die mexikanischen Medien bereits über die Zukunft der «Legionäre Christi» und fordern: Die öffentlichen Entschuldigungen reichten nicht aus; die Ordensgemeinschaft müsse aufgelöst werden. Mit Spannung erwartet die mexikanische Öffentlichkeit nun die Stellungnahme des Heiligen Stuhls. Sie wird entscheidend sein für den Fortbestand der umstrittenen Gemeinschaft.

(C) 2010 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.

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