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23 Februar 2010, 14:53
Zollitsch setzt Leutheusser-Schnarrenberg 24-Stunden-Ultimatum

Knalleffekt in Deutschland: Erzbischof Zollitsch wehrt sich gegen Kirchenangriffe der Deutschen Bundesjustizministerin: Niemals zuvor habe ein Mitglied der Bundesregierung eine «ähnlich schwerwiegende Attacke» gegen die katholische Kirche geführt
Freiburg (kath.net/KNA) Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, hat Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) falsche Tatsachenbehauptungen vorgeworfen. Zugleich stellte er der Ministerin ein Ultimatum, ihre Interviewäußerungen von Montagabend zum kirchlichen Missbrauchsskandal innerhalb von 24 Stunden zu korrigieren.

Niemals zuvor habe ein Mitglied der Bundesregierung eine «ähnlich schwerwiegende Attacke» gegen die katholische Kirche geführt, sagte Zollitsch am Dienstag vor Journalisten in Freiburg. Er wolle seinen Protest am Dienstag auch in einem Telefonat mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ausdrücken.

Zollitsch warf Leutheusser-Schnarrenberger vor, mit ihrem «Tagesthemen»-Interview, «maßlos polemisiert» zu haben. Offenbar wolle sich die Ministerin auf «eine Welle setzen» und verspreche sich dadurch eigene Vorteile. Die Äußerungen hätten eine Grenze überschritten, die ihn zu dieser Entgegnung zwängen, sagte der Erzbischof.

Zollitsch kritisierte die Ministerin scharf, weil diese der Kirche wahrheitswidrig vorhalte, bei der Aufklärung von Missbrauchsfällen nicht mit der staatlichen Justiz zusammenzuarbeiten. «Die Ministerin behauptet, bisher habe sie nicht den Eindruck, dass die Verantwortlichen der katholischen Kirche auch nur beim Verdacht auf sexuellen Missbrauchs konstruktiv mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten wollten», so Zollitsch. Dies sei rundweg falsch. Auch gebe es seit mehreren Jahren kirchliche Leitlinien, die eine Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft vorsähen. Die Kirche wolle bei der Aufklärung von sexuellem Missbrauch keinen Sonderweg, betonte der Konferenzvorsitzende.

Zollitsch wandte sich auch gegen das Tagesthemen-Interview der Ministerin, weil diese darin suggeriere, dass die bundesweit 120 bekannt gewordenen Fälle alle erst vor kurzem passiert seien. «Die meisten Vorfälle liegen lange zurück. Ich wundere mich, dass die Ministerin so emotional und undifferenziert Stellung nimmt. Das grenzt an eine Verdrehung der Tatsachen», sagte der Bischofskonferenzvorsitzende.

Leutheusser-Schnarrenberger hatte erklärt, die Verantwortlichen müssten «endlich konstruktiv mit den Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeiten, Hinweise geben, mit aufklären.» Die Kirchenvertreter hätten bislang nicht den Eindruck erweckt, dass sie auch nur bei Verdachtsfällen mit den Strafverfolgungsbehörden konstruktiv zusammenarbeiten wollten. «Es ist leider bisher nicht ersichtlich, dass sie ein aktives Interesse an wirklich
rückhaltloser und lückenloser Aufklärung gezeigt haben, und deshalb muss natürlich überall da, wo nicht verjährt ist, das ganz klar erfolgen», sagte die Ministerin in einem ARD-Interview.

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