22 Dezember 2009, 08:15
Wer hat den stärkeren Gott?
 
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Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" zum Ringen zwischen Christentum und Islam

Hamburg (kath.net/idea)
„Wer hat den stärkeren Gott?“ fragt das Hamburger Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ in seiner Weihnachtsausgabe. Es untersucht „den ewigen Zwist“ zwischen Islam und Christentum.

Wie es heißt, sei der Islam die prozentual am stärksten wachsende Weltreligion. Um 1900 gab es 200 Millionen Muslime; heute sind es 1,5 Milliarden. Das Christentum habe sich im gleichen Zeitraum auf zwei Milliarden Anhänger „nur knapp vervierfacht“, heißt es.

Beide Weltreligionen rängen um die Weltherrschaft. Erfolgreich seien beide: „Missionar zu sein, ist kein altmodischer Beruf mehr, er wird gelehrt an US-Hochschulen oder unterstützt durch phantastisch reiche Stiftungen aus Saudi-Arabien.“ Bei ihren Missionsbemühungen gäben beide Weltreligionen Milliardenbeträge dafür aus, ihren Glauben auch in entferntesten Ländern zu stärken.

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So habe die Islamische Weltliga nach Schätzungen des US-Geheimdienstes CIA bis zu 90 Milliarden Dollar (nach heutigem Kurs umgerechnet 63 Milliarden Euro) zwischen den siebziger Jahren und 2005 empfangen. Die US-Kirchen zahlten jährlich knapp neun Milliarden Dollar (6,3 Milliarden Euro) Auslandshilfe.

Die Zahl der christlichen Missionare habe sich seit den Anschlägen vom 11. September 2001 innerhalb von fünf Jahren von 64.000 auf 346.000 verfünffacht. US-Amerikaner seien überproportional vertreten. Als „Betriebssysteme“ der beiden Weltreligionen nennt das Magazin die Bibel und den Koran. Ein Handicap für den Islam sei, dass der Koran nicht wirklich übersetzt werden könne. Jede Übersetzung aus dem Arabischen sei für Strenggläubige bereits verdächtig, Interpretationen zu enthalten: „Allah sprach arabisch, von wirklich frommen Muslimen wird erwartet, die Sprache Gottes zu lernen.“ Die Bibel gebe es dagegen in mehr als 45.000 Ausgaben in rund 2.500 Sprachen und Dialekten.

Islam als Gegenentwurf zum Westen

Dem Beitrag zufolge erscheint der Islam vielen Menschen attraktiv, weil er „nach dem Verblühen der kommunistischen Utopien der einzige massenwirksame Gegenentwurf zum westlichen Modell von Gesellschaft“ sei. Um aber anziehend zu bleiben, müsse sich der Islam grundlegend reformieren. Der Spiegel: „Er muss eine Haltung finden zum Pluralismus und zur Rolle der Frau, um in der Moderne bestehen zu können.“ Auch müsse er sein Verhältnis zur Gewalt klären. Bei Anschlägen islamischer Extremisten seien mehr Muslime ums Leben gekommen als Christen. Anzeichen, dass eine Reformation bereits begonnen hat, sieht der Spiegel in der Türkei. Dort werde versucht, Moderne, Demokratie und Islam miteinander zu vereinbaren.

Evangelikale bewerten Beitrag unterschiedlich

Der Spiegel-Beitrag stößt in evangelikalen Kreisen auf ein unterschiedliches Echo. Während der freikirchliche Missiologiedozent am Theologischen Seminar Elstal, Michael Kißkalt (Berlin), ihn für differenziert hält, übt der Direktor des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit, Prof. Thomas Schirrmacher (Bonn), Kritik. Eine Parallele zwischen der Ausbreitung des Islam – auch mit Gewalt – und der christlichen Mission zu ziehen, entbehre jeder Grundlage, so Schirrmacher. Kißkalt zufolge werden in dem Beitrag beide Religionen in ihrer Vielfalt und in ihrem missionarischen Mühen gut dargestellt. Dabei werde auch die fundamentalistische Grundstruktur des Islam aufgezeigt. Dessen Hauptproblem sei, dass die traditionelle Koranauslegung nicht in Frage gestellt werden dürfe. Dies zeige sich besonders deutlich bei der Rolle der Frau.

Keine Konfrontation

Kißkalt steht auch der Abteilung Mission und Evangelisation der Europäischen Baptistischen Föderation (EBF) vor und war vier Jahre lang als Missionar im westafrikanischen Kamerun tätig. Er rechnet damit, dass sich Anhänger vom traditionellen Islam wieder abwenden, wenn deutlich werde, dass er ihre Erwartungen nicht erfüllen könne. Dazu dürfe aber die westliche christlich geprägte Welt nicht weiter auf Konfrontation setzen. In Europa finde der Islam vor allem deshalb Zuspruch, weil Zuwanderer ihre Andersartigkeit in der Fremde wahrnähmen und dabei auf ihre religiösen Wurzeln zurückgriffen. Kißkalt: „So werden unengagierte zu praktizierenden Moslems.“

Christen und Muslime hätten das Recht, missionarisch tätig zu sein. In vielen islamisch geprägten Ländern werde Christen dieses Recht verwehrt.

Schirrmacher: Auch Buddhisten missionieren

Schirrmacher weist darauf hin, dass der Spiegel zwar viele Beispiele islamischer Gewalt anführe, aber keines auf christlicher Seite. Dennoch bezeichne das Blatt christliche Missionare als „Gotteskrieger“. Der Religionswissenschaftler kritisiert ferner die These des Spiegels, dass nur Islam und Christentum missionierten, nicht aber Buddhismus und Hinduismus. Er fragt: „Und was ist mit dem Dalai Lama und seinen Welttouren? Und warum werden in Indien Zwangsbekehrungen zum Hinduismus durchgeführt und der Islam mit Gewalt bekämpft?“

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