19 Dezember 2009, 09:24
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Franz-Josef Overbeck übernimmt sein Amt als Ruhrbischof - Von Andreas Otto (KNA)

Essen (kath.net/KNA)
Die Amtseinführung steht erst an diesem Sonntag an. Doch hat sich Franz-Josef Overbeck bereits nach der Ernennung zum Essener Bischof Ende Oktober deutlich in die aktuellen Belange seines neuen Bistums eingeklinkt. Angesichts der Turbulenzen bei Opel machte sich der aus Marl am nördlichen Rand des Ruhrgebiets stammende Unternehmersohn für die Beschäftigten des Autobauers stark und mahnte eindringlich zum Erhalt der Arbeits- und Ausbildungsplätze.

In den zurückliegenden Wochen präsentierte sich Overbeck als ein Mann, der weder Medien noch das deutliche Wort scheut. Der 45-jährige Geistliche, der zuvor zwei Jahre lang Weihbischof in Münster war, will in dem von gesellschaftlichen Umbrüchen geprägten Ruhrgebiet laute und vernehmliche Stimme der katholischen Soziallehre sein - und sieht sich darin insbesondere in der Tradition des ersten Essener Bischofs, Kardinal Franz Hengsbach.

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So klar, wie sich Overbeck sozial positioniert, so eindeutig profiliert ist er auch in den theologischen Themen. Von sich selbst spricht er als «entschiedener Bischof» und verteidigt beispielsweise den Zölibat: Damit könne ein Priester «gesellschaftlich wie biografisch» zeigen, «ganz auf die Karte Gottes zu setzen». Die Frauenpriesterweihe lehnt er ab: «Jesus selbst hat keine Frauen in diese Ämter berufen, auch die junge Kirche nicht, und deshalb tun wir es nicht.» Klare Kante zeigt der Bischof auch beim Thema Lebensschutz und Familie: Er wolle alles gegen Abtreibung tun und für «die Ehe von Mann und Frau» plädieren.

Trotz fester Standpunkte signalisiert Overbeck Dialogbereitschaft. Er weist darauf hin, dass er als jüngster unter den 27 deutschen Diözesanbischöfen ein besonderes Profil mitbringe: In den 70er und 80er Jahren groß geworden, gehöre er einer Generation an, in der die Leute um ihn herum nicht mehr selbstverständlich glaubten. Seine Berufung sieht er darin, in einer «profanen Welt» die Kirche neu aufzustellen und den «Menschen zu helfen, Gott zu finden». Dazu gehörten ansprechende Gottesdienste. Besonders Menschen, die mit der Kirche sympathisieren und dennoch nicht zur Sonntagsmesse kommen, hat Overbeck im Blick.

Spirituell fühlt sich Overbeck, der Philosophie und Theologie in Münster und Rom studierte und 1989 vom damaligen Kardinal Joseph Ratzinger zum Priester geweiht wurde, dem Jesuitengründer Ignatius von Loyola verbunden. Und er nennt auch seinen Namenspatron Franz von Assisi sowie den heiligen Benedikt. Seine Verbundenheit mit dem Urvater der Orden drückt sich darin aus, dass er einmal monatlich in der Benediktinerabtei Gerleve Einkehr hält.

Nun steht er vor der Aufgabe, die von seinem Vorgänger Felix Genn auf den Weg gebrachte Bistumsreform in Essen weiterzuführen, bei der 259 Pfarreien zu 43 Großgemeinden fusioniert wurden. Hintergrund ist, dass das 1958 gegründete Ruhrbistum ein Drittel seiner Mitglieder verloren hat und nur noch knapp 900.000 Katholiken zählt. Vor allem das urbane Umfeld - die Diözese erstreckt sich auf gerade mal zwei Landkreise und acht Großstädte - bildet für Overbeck eine Herausforderung, für die Attraktivität des Christentums zu werben.

Ein Stressjob. Allerdings weiß Overbeck, der vor sieben Jahren an Krebs erkrankte und dies überstand, dass auch Geistliche Auszeiten brauchen. Die sucht der neue Bischof auch gerne bei klassischer Musik oder beim Lesen von Büchern oder Zeitungen. Das TV-Programm interessiert ihn dagegen wenig - «mein letzter Fernseher ging wegen Nichtbenutzung kaputt». Ein elektronisches Medium dürfte ihn künftig aber doch mehr beschäftigen: das Internet. Weil die Jugend nun mal gerne chattet, will Overbeck sich künftig zunehmend online äußern - auch auf Youtube.





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