01 Dezember 2009, 17:44
Wenn Christus auf den historischen Jesus reduziert wird
 
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Papst Benedikt übt schwere Kritik an moderner Theologie: Die wahren Theologen sind jene, die das Mysterium Christi aus innerem Antrieb überzeugend verkündeten und nicht die «großen Spezialisten», die sagen könnten, wo der Messias in Bethlehem geboren sei

Vatikan (kath.net/KNA/RV/red)
Papst Benedikt XVI. hat vor einem akademischen Spezialistentum in der Theologie gewarnt. Die wahren Theologen, seien jene, die das Mysterium Christi aus innerem Antrieb überzeugend verkündeten und nicht die «großen Spezialisten», die sagen könnten, wo der Messias in Bethlehem geboren sei, hob der Papst am Dienstag während einer Frühmesse für die Mitglieder der Internationalen Theologenkommission hervor. Für die bloßen Wissenschaftler bleibe das christliche Mysterium nur eine akademische Erkenntnis, die nichts mit ihrem Leben zu tun habe, kritisierte das Kirchenoberhaupt bei dem Gottesdienst in der frischrestaurierten Cappella Paolina des Apostolischen Palastes.

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In den vergangenen zweihundert Jahren habe es große theologische Gelehrte gegeben, die die Details der Heiligen Schrift ergründet hätten, aber das christliche Mysterium selbst, die Gottessohnschaft Jesu, aus den Augen verloren hätten, führte der Papst aus. Viele weniger Gebildete hingegen hätten ein beeindruckendes Zeugnis für Gott abgelegt. Als Beispiele nannte das Kirchenoberhaupt die Seherin von Lourdes, Bernadette Soubirous, die französische Mystikerin Therese von Lisieux, die sudanesische Sklavin und spätere Ordensschwester Schwester Bakhita sowie die Ordensgründerin und
Nobelpreisträgerin Mutter Teresa von Kalkutta.


Wörtlich sagte Benedikt laut „Radio Vatikan“: „So geht es ja auch in der Theologie: Da fischt man in den Wassern der Heiligen Schrift mit einem Netz, das nur Fische in einer bestimmten Größe fassen kann – und alle Fische, die zu groß sind, passen nicht rein, so dass man sich schließlich sagt: Die gibt es gar nicht. Genauso ist es auch mit dem großen Geheimnis Jesu: Man reduziert den menschgewordenen Sohn auf einen „historischen Jesus“, eine wirklich tragische Figur, ein Gespenst ohne Fleisch und Knochen – einen, der im Grab geblieben, der wirklich ein Toter ist. Die Methode weiß bestimmte Fische zu fangen, aber sie fängt nicht das große Geheimnis ein - weil der Mensch sich selbst zum Maß macht und bestimmte Methoden absolut setzt, die zu die großen Wirklichkeiten einfach nicht passen.

Warum ist das so? Ist das Christentum die Religion der Dummen, der Ungebildeten? Erlischt der Glaube da, wo die Vernunft aufwacht? Nicht ganz, wenn wir in die Geschichte schauen. Es gibt nämlich auch Kleine, die gleichzeitig Wissende sind. Etwa Johannes, Fischer vom See Genezareth, der aber unter dem Kreuz steht, und den die Kirche „den Theologen“ nennt. Oder Saulus, der zunächst gelehrt ist, aber nicht sehend, und der sich nach seinem Damaskus-Erlebnis kleinmacht und zu sehen beginnt. Der große Gelehrte wird ein Kleiner – und sieht so in der vermeintlichen Torheit Gottes Weisheit, die menschliche Weisheiten übersteigt.“ Der Spezialist sieht nur noch Details, aber nicht mehr das Ganze“, erklärt der Papst schließlich. Und er betet – mit den Theologen zusammen – um Demut: „Dass wir uns klein machen, um wirklich weise zu werden“.

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