14 November 2009, 17:25
Orthodoxer Erzbischof: Kein Abbruch der Kontakte zur EKD
 
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Erzbischof Longin, der Vertreter der Russisch-Orthodoxen Kirche in Deutschland: Es gibt keine solche Anweisung des Moskauer Patriarchats. «Der Patriarch war immer für Dialog.»

Düsseldorf (kath.net/KNA/idea/red) Der ständige Vertreter der Russisch-Orthodoxen Kirche in Deutschland, Erzbischof Longin, hat Medienberichte über einen Abbruch der Kontakte zur Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zurückgewiesen. Es gebe bislang keine solche Anweisung des Moskauer Patriarchats, sagte Longin der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Samstag in Düsseldorf. Er sprach sich zugleich für eine Fortsetzung des Dialogs mit der EKD aus.

Nach Medienberichten hatten Vertreter der russisch-orthodoxen Kirche wegen der Wahl von Margot Käßmann zur EKD-Ratsvorsitzenden das Ende der Kontakte angekündigt. Die orthodoxe Kirche erlaube keine Priesterweihe oder sogar Führungsrollen von Frauen, hieß es zur Begründung. Erschwerend komme noch die Scheidung Käßmanns hinzu. Nach EKD-Angaben sagte Erzbischof Hilarion, Leiter des Außenamtes des Moskauer Patriarchates, seine Teilnahme an einer am 30. November in Berlin geplanten 50-Jahr-Feier des Dialoges zwischen beiden Kirchen ab, das deshalb nicht stattfinde. Kath.net hat berichtet.

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Longin erklärte dagegen auf Anfrage der KNA, die Absage Hilarions sei «hauptsächlich aus Terminproblemen» erfolgt. Der Leiter des kirchlichen Außenamtes wolle am 30. November an einer Veranstaltung des russischen Außenministeriums teilnehmen. Er habe auch eine für den 28. November geplante Begegnung mit den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, abgesagt.

Longin kündigte an, er werde Anfang Dezember mit dem Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Kyrill I. (siehe Foto), über die Beziehungen zur EKD sprechen. «Der Patriarch war immer für Dialog», so der Erzbischof. «Die Wahl Käßmanns ist eine innere Angelegenheit der evangelischen Kirche in Deutschland.» Er habe der hannoverschen Landesbischöfin nach der Wahl an die EKD-Spitze gratuliert.

Griechisch-Orthodoxe: Dialog nicht beendet

An den Beziehungen der orthodoxen Kirchen in Deutschland zur EKD ändert sich nichts, auch wenn mit Landesbischöfin Margot Käßmann (Hannover) eine geschiedene Frau als höchste Repräsentantin amtiert. Das hat der Referent für ökumenische Beziehungen der griechisch-orthodoxen Metropolie, Erzpriester Constantin Miron (Brühl), der Evangelischen Nachrichtenagentur idea am 13. November auf Anfrage versichert. Miron betonte, dass alle orthodoxen Kirchen die Frauenordination ablehnen; deswegen beende man jedoch nicht den ökumenischen Dialog.

Konservative Protestanten: Bedenken bestätigt

In seinen Bedenken gegen die Wahl einer geschiedenen Bischöfin an die Spitze der EKD bestätigt sieht sich der Vorsitzende der theologisch konservativen Konferenz Bekennender Gemeinschaften in den evangelischen Kirchen Deutschlands, Pastor Ulrich Rüß (Hamburg). Er hatte Ende Oktober nach der Wahl von Frau Käßmann zur EKD-Ratsvorsitzenden gefragt: „Muss man nicht davon ausgehen, dass die katholische Kirche, die orthodoxe und andere Kirchen sich schwertun mit einer geschiedenen Bischöfin?“

Die Wahl sei unter ökumenischen und biblisch-theologischen Kriterien offenkundig nicht gut und wenig sensibel gewesen, erklärte Rüß jetzt gegenüber idea. Der Wille zur Einheit der Kirche sollte jedes kirchliche Gremium vor die Frage stellen: „Dient der in Aussicht stehende Beschluss der Einheit der Kirche oder schadet er ihr?“ Nicht nur die Russisch-Orthodoxe Kirche sehe in der Wahl von Frau Käßmann „einen weiteren Sieg der liberalen, feministisch-ideologischen Strömung in der evangelischen Kirche“. Diese Strömung schade nicht nur der Ökumene, sondern auch der Einheit der evangelischen Kirche.

(C) 2009 KNA Katholische Nachrichten-Agentur GmbH. Alle Rechte vorbehalten.

Foto: (C) SIR

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