
Berlin (www.kath.net/ idea)
Von Marx zu Jesus – so könnte man den Lebensweg von Karin Bulland zusammenfassen. Einst Vorzeigefunktionärin und Botschafterin des Kommunismus wird sie dem Arbeiter- und Bauernstaat bald unbequem. Man lässt sie in die Psychiatrie einliefern. Als sie wieder rauskommt, ist sie eine gebrochene Frau, versucht sich mehrfach das Leben zu nehmen. Doch dann begegnet Karin Bulland Jesus. Seitdem versteht sie sich als Botschafterin der Liebe Jesu. Ihre Botschaft: Zu Jesus kann jeder kommen!
Für Frieden und Gerechtigkeit
Karin Bulland, Jahrgang 1954, wächst in Thüringen auf. In der Schule lernt sie, dass allein die SED Frieden und Gerechtigkeit garantieren kann. Marx, Engels und Lenin werden ihre „Götter“. Da die junge Frau sehr sportlich ist, bleibt sie der DDR-Führung nicht verborgen. Ihre Erfolge als Leistungssportlerin tragen ihr Medaillen und zusätzliche Anerkennung der Genossen ein. Sie wird zur Diplomatin im Trainingsanzug. Bei Großveranstaltungen steht sie am Rednerpult und versucht die Jugend vom Sozialismus zu überzeugen. Nach der Schule macht sie eine Ausbildung zur Erzieherin, arbeitet aber schon bald beim Rat des Kreises – der Kommunalverwaltung – in Altenburg bei Leipzig. Erstmals blickt sie hier hinter die Kulissen des Sozialismus. Ihr Weltbild bröckelt, als sie merkt, dass hinter der Fassade von Humanismus nichts anderes steht als der eigene Vorteil und Verachtung und Hass für Andersdenkende.
Zwangsjacke in der Psychiatrie
Sie setzt sich vehement für die Gleichberechtigung nicht „linientreuer“ Bürger ein. Deshalb fällt sie bei der SED in Ungnade. Was sich im Sommer 1985 abspielt, hört sich an wie aus einem Thriller: Karin Bulland sitzt in ihrem Büro, als die Tür aufgeht und zwei Männer hereinstürmen. Sie bekommt eine Spritze, dann wird sie in eine Zwangsjacke gesteckt und unter dem Vorwand, die epileptischen Anfälle, die sie von Zeit zu Zeit hat, behandeln zu wollen, in die Psychiatrie eingeliefert. Immer wieder wird sie dort misshandelt. Als sie den Mitarbeitern droht, sie anzuzeigen, erlebt sie die Hölle.
Sie wollten mich kaputt machen
Karin Bulland wird in einen fensterlosen, dunklen Raum verlegt, dort auf eine Pritsche geschnallt, so dass sie sich nicht mehr bewegen kann. Tagelang werden ihr Medikamente injiziert, wird sie so lang mit Stromschocks gequält, bis sie Arme und Beine nicht mehr spürt. „Sie wollten mich kaputt machen, mein Gedächtnis auslöschen“, sagt Karin Bulland unter Tränen. Doch noch immer zweifelt sie nicht am System, sondern nur an den Menschen: „Ich glaubte nach wie vor an den Sozialismus.“ Dass Karin Bulland die „Behandlung“ in der Psychiatrie überlebt, hat sie ihrer damals neunjährigen Tochter zu verdanken, die in der Zeit bei der Oma lebt. Sie sucht ihre Mutter auf eigene Faust auf und schleicht sich heimlich auf die Station. Als sie ihre Mutter in dem dunklen isolierten Raum entdeckt, informiert sie die Großmutter, die sich dafür starkmacht, dass man sie nach monatelangen Diskussionen am 6. Mai 1988 entlässt.
Ein Gebet mit Folgen
Doch ihr Leben scheint zerstört. Sie sitzt im Rollstuhl, kann ihren linken Arm nicht mehr bewegen, hat fast täglich epileptische Anfälle – alles Folgen der drei Jahre Psychiatrie. Mehrfach versucht sie sich das Leben zu nehmen. Auch am 25. März 1991. Doch dann geht sie auf die Knie, reckt ihre Arme gen Himmel und ruft: „Wenn es jemanden gibt, der mir helfen kann, dann lass mich leben!“ In der folgenden Nacht meint sie, Jesus begegnet zu sein. Aus Neugier kauft sie sich eine Bibel, verschlingt sie geradezu. Als sie die Geschichte entdeckt, wie Jesus ein epileptisches Kind heilt, betet sie: „Mein Herr und mein Gott, dein Kind will ich sein!“
Seitdem hat sie keine Anfälle mehr gehabt, kann wieder gehen, ihren Arm bewegen. Rückblickend ist sie sich sicher, dass Menschen für sie gebetet haben. Auf Veranstaltungen berichtet sie heute von dem, was sie erlebt hat, bittet Christen um Vergebung für das, was ihnen im Namen des Kommunismus angetan wurde. Ihr Rat: „Für Kommunisten zu beten lohnt sich. Ich selbst bin eine Gebetserhörung.“
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