23 September 2009, 12:03
Schönborn: ‚Neu-Evangelisierung Europas eint West- und Ostkirche’
 
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Der Wiener Erzbischof traf in Griechenland einige orthodoxe Metropoliten bei einer Kirchenvätertagung. Metropolit Staikos: "Betrübt, dass die gemeinsame Eucharistiefeier noch immer nicht möglich ist"

Athen (kath.net/PEW) Die Sorge um die Neu-Evangelisierung Europas muss West- und Ostkirche einen. Das betonte Kardinal Christoph Schönborn bei einer Begegnung mit dem orthodoxen Erzbischof von Athen, Hieronymos (Liapis). Der Wiener Erzbischof hält sich derzeit mit einer "Pro Oriente"-Delegation in Griechenland auf, wo er am Mittwoch in Saloniki die 5. Internationale Patrologen-Tagung eröffnet.

In dem Gespräch mit Erzbischof Hieronymos unterstrich Kardinal Schönborn die Notwendigkeit einer gemeinsamen christlichen Antwort aller Konfessionen auf den zunehmenden Säkularismus. Statt immer mehr Papier zu produzieren, brauche es konkrete praktische Taten. Der Athener Erzbischof stimmte mit Kardinal Schönborn überein und verwies zugleich auf die großen gesellschaftlichen Probleme Griechenlands, wie jenes der Migration.

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Zur "Pro Oriente"-Delegation gehört auch der Wiener griechisch-orthodoxe Metropolit Michael Staikos. Er wies bei der Unterredung mit Erzbischof Hieronymos auf die "ausgezeichneten ökumenischen Beziehungen" in Österreich hin. Auch wenn manche kirchliche Stimmen die Ökumene derzeit in einer Krise sehen, gebe es zum Dialog keine Alternative, so Staikos. Das sei auch die Überzeugung des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I.

Anti-ökumenische Strömungen sind kleiner Prozentsatz

Am Dienstagvormittag reiste Kardinal Schönborn mit seiner Delegation von Athen nach Saloniki weiter. In der nordgriechischen Metropole stand unter anderem eine Begegnung mit dem orthodoxen Metropoliten Anthimos (Roussas) auf dem Programm. Wie Metropolit Anthimos sagte, befinde sich die Ökumene derzeit in einer "schwierigen Situation". Trotzdem sei aber auch er überzeugt, das es zum ökumenischen Dialog keine Alternative gebe. Der Metropolit räumte ein, dass es innerhalb der orthodoxen Kirche anti-ökumenische Strömungen gebe, letztlich handle es sich dabei jedoch nur um einen kleinen Prozentsatz.

Metropolit Prokopios (Georgantopoulos) von Nea Krini betonte bei seiner Unterredung mit Kardinal Schönborn und der "Pro Oriente"-Delegation, dass die Sorge um die christliche Zukunft nicht nur die Orthodoxie, sondern alle Kirchen betreffe. In dieser Situation müsse die besondere Zuwendung der Kirche der Jugend gelten. Ausdrücklich würdigte der Metropolit die guten Beziehungen zwischen orthodoxer und katholischer Kirche in Österreich und sprach wörtlich von "Harmonie" bzw. "versöhnter Verschiedenheit".

Die fünfte Patrologentagung in Thessaloniki dauert von Mittwoch bis Samstag und bringt katholische und orthodoxe Theologen aus 17 Ländern zusammen. Das Thema der Tagung lautet "Heiligkeit und Apostolizität in der Kirche".

Mit einer feierlichen Messe in der katholischen Marienkirche im Zentrum von Saloniki und einer orthodoxen Vesper im Kloster Vlatades wurde am Dienstagabend Tagung eröffnet. Die Eröffnung nahmen Kardinal Christoph Schönborn, der Wiener orthodoxe Metropolit Michael Staikos und der Abt des Klosters Vlatades, Metropolit Panteleimon Rodopoulos, vor.

Auch für die Ökumene gelte, dass jede tragfähige Brücke stabile Pfeiler benötige, betonte Kardinal Schönborn; er hoffe, dass diese Tagung katholischer und orthodoxer Theologen dazu beitrage, an solchen stabilen Pfeilern zu bauen.

Rund 30 Theologen aus 17 europäischen Ländern von Russland über Österreich bis Frankreich nehmen daran teil. Die Patrologentagung geht auf eine Initiative von Kardinal Schönborn zurück und wird von der Stiftung "Pro Oriente" durchgeführt. Bislang fanden zwei Tagungen in Wien (2001 und 2003), sowie jeweils eine in Luxemburg (2005) und Sibiu (2007) statt.

Metropolit Panteleimon würdigte bei der Vesper in Vlatades die Arbeit von "Pro Oriente". Er sei überzeugt, dass die durch den Säkularismus und Materialismus ausgelösten gesellschaftlichen Herausforderungen von den Kirchen nur gemeinsam bewältigt werden können. Der Metropolit ist Ehrenprotektor der Stiftung "Pro Oriente".

Bei einem Empfang aus Anlass der Eröffnung, an dem auch zahlreiche orthodoxe Geistliche teilnahmen, warnte Metropolit Staikos vor jeder Form von Fanatismus, der andere Konfessionen ausschließe. Er unterstrich vielmehr die Notwendigkeit der Zusammenarbeit und geschwisterlichen Zuwendung der Kirchen, um dem herrschenden Zeitgeist widerstehen zu können.

Kardinal Schönborn und Metropolit Staikos setzen übereinstimmend große Hoffnungen auf die Tagung über die Theologie der Kirchenväter. Die Kirchenväter des ersten Jahrtausends gehörten zum Erbe der orthodoxen und der katholischen Kirche. Der Blick auf diese Theologen und die intensive Auseinandersetzung mit ihrer Lehre könne ein geeigneter Ansatzpunkt sein, um Gemeinsamkeiten zwischen den Kirchen aufzuzeigen. Das sei ein wichtiger Impuls, um den Weg hin zur Einheit weiter zu verfolgen, so Kardinal Schönborn und Metropolit Staikos im Gespräch mit "Kathpress".

Metropolit Staikos erinnerte zudem an Kardinal Franz König, den Begründer der Stiftung "Pro Oriente", der vor 25 Jahren selbst Griechenland (und den Berg Athos) besucht hatte. Der Metropolit betonte die besondere Zuneigung Königs für die orthodoxe Kirche. Kardinal Schönborn hob im "Kathpress"-Gespräch auch den Aspekt hervor, dass die Tagung viele jüngere Wissenschaftler zusammenbringe. Die dabei entstehenden Kontakte und Freundschaften seien genauso wie die fachliche Auseinandersetzung mit dem Tagungsthema eine gute Ausgangsbasis für Fortschritte in der Ökumene.

Ärgernis der Kirchentrennung

Der Präsident von "Pro Oriente", Johann Marte, rief die Tagungsteilnehmer in seinem Grußwort auf, jene christlichen Werte herauszuarbeiten, die für eine gute Zukunft Europas von unverzichtbarem Wert seien.

Bei einem orthodoxen Gottesdienst am Mittwochmorgen in der Akademie, an dem auch Kardinal Schönborn teilnahm, sprach Metropolit Staikos mit deutlichen Worten das Ärgernis der Trennung der Kirchen an. So sehr er sich darüber freue, dass ein hoher Repräsentant der katholischen Kirche dem Gottesdienst beiwohne, so sehr sei er auch betrübt, dass die gemeinsame Eucharistiefeier noch immer nicht möglich ist, sagte der Metropolit.

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