23 September 2009, 15:08
Vatikan weist neue 'Williamson-Berichte' zurück
 
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Vorwurf aus Schweden von einem Fernsehsender: Die Holocaust-Leugnung von Pius-Bischof Williamson sei schon vor Rücknahme der Exkommunikation nach Rom gemeldet worden - Schwedische Diözese gegenüber kath.net: Keine Kooperation mit dem Fernsehsender

Vatikan (kath.net) Der Vatikan sei über die Aussagen des Pius-Bischofs Richard Williamson (siehe Foto) über den Holocaust informiert gewesen, bevor die Exkommunikation aufgehoben wurde. Diese Meldung sendet jetzt der öffentliche schwedische Fernsehsender SVT, der wenige Tage vor der Rücknahme der Exkommunikation auch das Williamson-Interview ausgestrahlt hatte, am Mittwoch in einem Beitrag. Das berichtet die italienische Zeitung „La Stampa“.

Zur Chronologie: Am 28 November 2008 zeichnete der schwedische Sender im bayerischen Zaitzkofen das Interview mit dem lefebvrianischen Bischof Williamson auf, in dem dieser das wahre Ausmaß des Holocausts leugnete. Am 21. Jänner 2009 wurde das Interview im schwedischen Fernsehen, im Programm „Uppdrag granskning“, ausgestrahlt. Am 24. Jänner verlautbarte der Vatikan die Rücknahme der Exkommunikation der vier lefebvrianischen Bischöfe, darunter Richard Williamson.

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Zu Wort kommt in dem neuen Beitrag vom Mittwoch der katholische Bischof von Stockholm, Anders Arborelius: Er habe noch vor der Ausstrahlung des Interviews diese ihm bekannten Informationen über Bischof Williamson an den schwedischen Nuntius Erzbischof Emil Paul Tscherrig weitergeleitet. Ende November 2008 sei dies gewesen, sagte die Sprecherin der Diözese, Maria Hasselgren, am Dienstag der deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA in Stockholm. Der Nuntius habe nach eigenen Angaben dies bald darauf nach Rom gemeldet, so Hasselgren. Konkret erläuterte Hasselgren gegenüber der KNA, dass sie von Vertretern der lutherischen Kirche informiert worden sei, die wiederum von Mitarbeitern des schwedischen Fernsehens informiert wurden.

Auch Kardinal Walter Kasper wird in dem aktuellen Beitrag des schwedischen Fernsehens zitiert, mit Aussagen vom vergangenen Juli. Er erklärt, bereits vor der Rücknahme der Exkommunikation eine allgemeine Kenntnis von den Ansichten Williamsons gehabt zu haben. Er sei davon ausgegangen, dass dies allgemein bekannt sei und habe sich gewundert, dass die Kommission „Ecclesia Dei“, die für den Dialog mit der Piusbruderschaft zuständig war und die Rücknahme der Exkommunikation betrieben hat, nichts gewusst haben sollte.

Rund ein Prozent der Schweden sind katholisch. Das schwedische Fernsehen erklärte selbst, dass dieses Thema für die Bevölkerung von geringem Interesse gewesen sei. Zeitgleich zum Beginn der Gespräche zwischen katholischer Kirche und Piusbruderschaft sei dieses Thema aber verstärkt aufgegriffen worden.

Die Aussagen des katholischen Bischofs von Stockholm im Fernsehen enthalten keinerlei Anschuldigungen, weder gegen den Vatikan noch gegen den Papst selbst. Medial fallen die Aussagen aber nun auf den Vatikan sowie den Papst zurück: Der Fernsehbericht stellt den Sachverhalt so dar, als ob der Papst selbst die Unwahrheit gesagt haben könnte.

Bischof Arborelius, ein Karmelit, ist auch bekannt dafür, ein vehementer Gegner der Piusbruderschaft zu sein. Unmittelbar nachdem das Interview im Jänner ausgestrahlt wurde, trat er öffentlich und auch brieflich gegen die Bruderschaft auf.

"La Stampa" berichtet, dass ein schwedischer Journalist in seinem Blog vermerkt habe, dass es eine Kooperation des Senders mit der katholischen Diözese Stockholm bei der Interviewsendung mit Williamson gegeben habe und dass die Reporter beim Bischof zum Abendessen eingeladen gewesen seien. Von diesem Gerücht distanziert sich die Diözese Stockholm klar. Die Pressesprecherin von Bischof Arborelius, Maria Hasselgren, dementierte am Mittwoch am Nachmittag gegenüber kath.net und stellte klar: "Es gab absolut keine Kooperation des Senders mit der katholischen Diözese Stockholm bei der Interviewsendung mit Williamson ausser eines gewöhnlichen Interviews des Bischofs."

Dementiert hat auch der Vatikan, dass Papst Benedikt XVI. vor der Begnadigung des Traditionalistenbischofs Richard Williamson von dessen Holocaust-Leugnung gewusst habe. Diese Anschuldigung sei "absolut haltlos", wie die KNA meldet.

Im Vatikan ist man nun äußerst unglücklich über die neue Entwicklung, wie Radio Vatikan meldet. „Den Fall Williamson wieder anzuheizen, kann nur grundlos neue Verwirrung stiften“, meint Papst-Sprecher Federico Lombardi. Der Papst habe doch in seinem Brief vom 10. März alles deutlich geklärt, so der Jesuit.

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