01 September 2009, 10:41
Liturgischer Schwebezustand im Zentrum der Weltkirche
 
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Papst Benedikt will in der Liturgie ein Beispiel geben, plant aber keine neuen Richtlinien - Von Guido Horst / Die Tagespost

Rom (kath.net/DT) Eine kurze Begegnung mit einem erregten Mann auf dem Petersplatz: Der junge Hamburger hatte sich bei einer Messe im Petersdom in eine der Reihen der Gläubigen gestellt, denen die Priester die Kommunion austeilten. Als er schließlich „seinem“ Priester die Hand entgegenstreckte, verweigerte dieser die Handkommunion und gab ihm die geweihte Hostie in den Mund. Empört ging der Deutsche auf seinen Platz zurück, konnte aber noch beobachten, wie andere Priester keine Schwierigkeiten damit hatten, den Gläubigen die Kommunion auch auf die Hand zu legen. Beim anschließenden Gespräch machte der Hamburger Katholik seinem Ärger Luft: Er kenne es gar nicht anders, als die Kommunion mit der Hand zu empfangen, und was das denn solle, diese unterschiedliche Praxis der einzelnen Priester im Petersdom.

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Liturgischer Schwebezustand im Zentrum der Weltkirche

Diese kleine Begebenheit, die der Gast aus dem hohen Norden hoffentlich ohne seelischen Schaden überstanden hat, ist bezeichnend für einen Schwebezustand in Sachen Liturgie, der im Zentrum der Weltkirche immer wieder für eine gewisse Aufmerksamkeit sorgt. Während in Deutschland in den katholischen Kirchen der Volksaltar, die stehend empfangene Handkommunion und der Gebrauch der Landessprache eine kaum hinterfragte Selbstverständlichkeit sind, weht in Rom bei diesen Fragen ein leichter Wind der Veränderung. Es hat etwas mit dem Papst zu tun: Benedikt XVI. teilt die Kommunion nur noch in den Mund an einer Kniebank aus, für Aufsehen sorgte, als er in der Sixtinischen Kapelle eine Messe mit dem Rücken zu den Gläubigen feierte. Das Lateinische ist in den Papstgottesdiensten auf dem Vormarsch. Hin und wieder fragen Beobachter, ob – nach der Freigabe des römischen Messbuchs nach dem „alten“ Ritus – nun auch eine grundsätzliche Reform der vom Zweiten Vatikanum angestoßenen Liturgiereform zu erwarten sei.

Darum war es nicht verwunderlich, dass der stellvertretende Leiter des vatikanischen Pressesaals, Pater Ciro Benedettini, Anfang vergangener Woche gegenüber Radio Vatikan knapp äußerte: „Im Augenblick gibt es keine institutionellen Vorschläge zu einer Abänderung der liturgischen Bücher, die gegenwärtig im Gebrauch sind.“

Gemünzt war diese Äußerung auf einen Artikel des Vatikanberichterstatters der italienischen Tageszeitung „Il Giornale“, Andrea Tornielli, der kurz zuvor von der bereits am vergangenen 4. April stattgefundenen Vollversammlung der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung berichtet hatte, auf der angeblich ein erster Schritt zur „Reform der Liturgiereform“ beschlossen und eine entsprechende Note an Papst Benedikt weitergeleitet worden sein soll. Das von dem spanischen Kardinal Antonio Canizares Llovera geleitete Dikasterium habe fast einstimmig beschlossen, so Tornielli, dem Papst eine stärkere Sakralität des Ritus, einen Wiedergewinn sowohl des Geistes der eucharistischen Anbetung als auch der lateinischen Sprache sowie eine Neufassung der einführenden Messtexte vorzuschlagen, um Experimenten und nicht opportuner Kreativität zu Beginn des Gottesdienstes einen Riegel vorzuschieben.

Auch habe die Kongregation von Kardinal Canizares, der wegen seiner engen Verbundenheit mit dem Papst auch der „kleine Ratzinger“ genannt wird, Benedikt XVI. empfohlen, die Priester zumindest im Augenblick der eucharistischen Wandlung „versus oriente“, also nach Osten hin, oder gemeinsam mit den Gläubigen mit Blick auf das Kreuz zelebrieren zu lassen. Ausdrücklich, schrieb Tornielli, hätten sich die Mitglieder der Gottesdienstkongregation für die Förderung der Mundkommunion ausgesprochen, da die Handkommunion nur aufgrund eines Indults, also als Ausnahme vorgesehen sei. Doch am Ende seines Beitrags fügte Tornielli eine „bedeutungsvolle“ Anmerkung an, die wohl auf das Einholen weiterer Informationen aus dem Vatikan zurückgeht: „Für die Verwirklichung der ,Reform der Reform‘ werden viele Jahre erforderlich sein. Der Papst ist davon überzeugt, dass übereilte Schritte ebenso umsonst sind wie das einfache Erlassen von Richtlinien von oben – mit dem Risiko, dass diese später toter Buchstabe bleiben. Der Stil Ratzingers ist eher der des Ausgleichs und vor allem der des Beispiels. Das zeigt auch die Tatsache, dass seit mehr als einem Jahr diejenigen, die beim Papst zur Kommunion gehen, sich auf einen Betschemel knien müssen, der zuvor von den Zeremoniaren extra aufgestellt wird.“

Der Stil des Beispiels. So erklärt sich auch die Verwirrung des jungen Hamburgers, der im Petersdom eine unterschiedliche Praxis beim Austeilung der Kommunion auf die Hand oder in den Mund erlebt hat.

Nicht alle nehmen sich den Wunsch des Papstes zu Herzen

Eine Nachfrage dieser Zeitung bei den Kanonikern der Petersbasilika ergab, dass allen Priestern, die bei der Kommunionausteilung assistieren würden, der Wunsch des Papstes bekannt sei, die Mundkommunion zu fördern. Nur würden sich die einen mehr, die anderen weniger danach richten.

Auf Anfrage hat Andrea Tornielli am vergangenen Wochenende bestätigt, dass er ganz und gar bei dem Inhalt seines Beitrags über die Note der Gottesdienstkongregation bleibe. Auch fühle er sich vom stellvertretenden Vatikansprecher Ciro Benedettini nicht dementiert, da er schließlich selber geschrieben habe, dass Papst Benedikt keine neuen Richtlinien plane.

Kirchenrechtler haben aber inzwischen darauf hingewiesen, dass der von Tornielli verwandte Ausdruck der „Reform der Reform“ auch nicht ganz richtig sei. Alle Vorschläge, die die Gottesdienstkongregation dem Papst unterbreitet hätten, würden keine Zurücknahme oder Änderung von Reformen in der Liturgie darstellen, sondern nur die Durchsetzung geltenden Rechts. Weder das Konzil noch die nachkonziliare Rechtsetzung der Kirche hätten etwa die Mundkommunion, das Latein in der Messe oder die Zelebration „versus Dominum“ abgeschafft.

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