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4 Tage Dalai Lama für 240 Euro

5. August 2009 in Deutschland, keine Lesermeinung
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Protest gegen einen Kongress von Christen, aber kaum Kritik an der Ehrung für Dalai Lama


Marburg (kath.net/idea)
Warum hat sich in Marburg kaum Widerstand gegen die Verleihung der Ehrendoktorwürde der Philipps-Universität an den Dalai Lama am 3. August geregt? Das fragt der evangelische Theologe und Geschäftsführer der Stiftung Marburger Medien, Jürgen Mette (Marburg). Niemand habe gegen eine Vermischung von Religion und Wissenschaft demonstriert angesichts der Ehrung eines Mannes, der sich mit „Gottkönig“ anreden lasse.

Mette: „Das sonst schnell aufgebrachte, wissenschaftlich aufgeklärte und politisch korrekte Marburg bleibt verdächtig stumm.“ Er begrüßt dies, weil niemand die religiösen Gefühle des Gastes und seiner Anhänger verletzen wolle. Völlig anders sei dies beim evangelikalen Kongress für Psychotherapie und Seelsorge Ende Mai in Marburg gewesen. Damals seien die religiösen Gefühle von Christen mit Füßen getreten worden. Rund 1.000 Gegner hatten am Himmelfahrtstag gegen den Kongress demonstriert und anti-christliche Parolen verbreitet.


Unbekannte beschmierten Gebäude mit Darstellungen, die ein gekreuzigtes Schwein mit der Aufschrift „Jesus du Opfer“ zeigten. Mette wertet die unterschiedlichen Reaktionen auf den Kongress und die Ehrung des Dalai Lama als Beleg dafür, dass linksradikale und religionskritische Kreise mit zweierlei Maß messen.

Kritik an der Verleihung der Ehrendoktorwürde wird auf einem anonymen Flugblatt von „FreundInnen der Aufklärung und Vernunft“ geübt. Ein friedliches und harmonisches Tibet habe es nie gegeben, und der Buddhismus sei nicht weniger kriegerisch gewesen als andere Religionen, heißt es darin. Der tibetische Buddhismus sehe Frauen als Menschen zweiter Klasse an und stecke zwei- bis vierjährige Kinder in Klöster. Die Autoren fragen, ob die Ehrung eines religiösen Führers, der als „Gottkönig“ verehrt werde, „wirklich sinnvoll für das Ansehen einer wissenschaftlichen Hochschule“ sei. Außerdem sei das Oberhaupt des tibetischen Buddhismus kritisch gegenüber Homosexuellen eingestellt. Der Dalai Lama halte Homosexualität für ein Fehlverhalten, das ein schlechtes Karma nach sich ziehe.

Unterdessen wurde bekannt, dass die viertägige Veranstaltungsreihe mit dem Dalai Lama in Frankfurt am Main ein finanzielles Defizit hinterlässt. Obwohl eine Dauerkarte 240 Euro kostete und die Veranstalter – darunter die Deutsche Buddhistische Union – 1,75 Millionen Euro einnahmen, reicht die Summe nicht aus, um die Kosten zu decken. Es klafft eine Lücke von 150.000 Euro. Dem Dalai Lama hatten in der Commerzbank Arena täglich bis zu 15.000 Personen gelauscht. Zum Abschluss wurden die Besucher um Spenden gebeten.


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